Baye­ri­sches Kabi­nett beschließt neue Maß­nah­men zu Bewäl­ti­gung der Pandemie

Symbolbild Corona Mundschutz

1. Die aktu­el­le pan­de­mi­sche Situa­ti­on in Bay­ern bleibt her­aus­for­dernd: Das Infek­ti­ons­ge­sche­hen erreicht neue Höchst­stän­de. In meh­re­ren Regio­nen droht eine Über­la­stung des Gesund­heits­sy­stems. Die Inten­siv­sta­tio­nen ins­be­son­de­re in Süd­ost­ober­bay­ern sind an der Bela­stungs­gren­ze. Die in Kran­ken­häu­sern ver­sorg­ten COVID-19-Pati­en­ten sind zu rund 90 % unge­impft. Das zeigt: Imp­fen wirkt!

Mit dem vor­han­de­nen Impf­fort­schritt ist eini­ges erreicht: Wir ver­dan­ken es denen, die sich imp­fen haben las­sen, dass die Situa­ti­on in Bay­ern ins­ge­samt trotz hohem Infek­ti­ons­ge­sche­hen nicht so dra­ma­tisch ist wie noch vor einem Jahr und ein Lock­down aus­ge­schlos­sen wer­den kann. In die­ser Situa­ti­on gilt es nun aber, ange­mes­sen, ziel­ge­nau und mit mög­lichst wenig Ein­schrän­kun­gen für Geimpf­te und Gene­se­ne zu reagie­ren. Für regio­na­le Hot­spots wer­den Schwel­len­wer­te und zusätz­li­che Maß­nah­men fest­ge­legt, damit lokal ange­passt reagiert wer­den kann. Falls sich die Situa­ti­on bay­ern­weit wei­ter ver­schlech­tert, wer­den auch lan­des­wei­te Maß­nah­men festgelegt.

Vor die­sem Hin­ter­grund beschließt die Baye­ri­sche Staatsregierung:

2. Die 14. Baye­ri­sche Infek­ti­ons­schutz­maß­nah­men­ver­ord­nung (14. BayIfSMV) bleibt nach den aktu­el­len bun­des­recht­li­chen Rechts­grund­la­gen zunächst bis zum Ablauf des 24. Novem­ber 2021 befri­stet. Die Rege­lun­gen für die Zeit nach dem 24. Novem­ber wer­den von der dann gel­ten­den Aus­ge­stal­tung des Bun­des­rechts abhän­gen. Bay­ern appel­liert hier­zu drin­gend an den Bund, auch wei­ter eine adäqua­te Pan­de­mie­be­kämp­fung zu ermöglichen.

3. Die 14. Baye­ri­sche Infek­ti­ons­schutz­maß­nah­men­ver­ord­nung wird mit Wir­kung zum Sams­tag, 6. Novem­ber in fol­gen­den Punk­ten geändert:

3.1 Es ist das erklär­te Ziel der Staats­re­gie­rung, in den Schu­len durch­gän­gi­gen Prä­senz­un­ter­richt zu ermög­li­chen. Bereits jetzt sind in der Alters­grup­pe der Schü­le­rin­nen und Schü­ler beson­ders hohe Inzi­den­zen zu beob­ach­ten. Um nach den Herbst­fe­ri­en die Gefahr von wei­te­ren Infek­tio­nen durch Rei­se­rück­keh­rer mög­lichst zu ver­hin­dern, wird in den Grund­schu­len für eine Woche und in den wei­ter­füh­ren­den Schu­len für zwei Wochen wie­der eine Mas­ken­pflicht im Schul­ge­bäu­de ein­ge­führt, und zwar nach den glei­chen Rege­lun­gen wie zu Schul­jah­res­be­ginn (Mas­ken­pflicht auch am Platz und unab­hän­gig vom Min­dest­ab­stand, Schü­ler der Jahr­gangs­stu­fen 1 bis 4 kön­nen eine tex­ti­le Mund-Nasen-Bedeckung tra­gen, alle übri­gen Schü­ler medi­zi­ni­sche Gesichtsmasken).

Bei einem Infek­ti­ons­fall in einer Klas­se wer­den die Teil­neh­mer die­ser Klas­se künf­tig eine Woche lang an jedem Schul­tag getestet.

3.2 Ange­sichts des durch­aus unter­schied­li­chen Infek­ti­ons­ge­sche­hens in den ver­schie­de­nen Regio­nen Bay­erns wird außer­dem eine regio­na­le Hot­spot­re­ge­lung ein­ge­führt. Es gilt:

In Land­krei­sen, die (1) zu einem Leit­stel­len­be­reich gehö­ren, in dem die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Inten­siv­bet­ten bereits zu min­de­stens 80 % aus­ge­la­stet sind, und in denen zugleich (2) eine 7‑Ta­ge-Inzi­denz von 300 über­schrit­ten wird, gel­ten die Maß­nah­men ent­spre­chend, die bei einer lan­des­wei­ten roten Kran­ken­hau­s­am­pel gel­ten wür­den. Das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen wird von der jewei­li­gen Kreis­ver­wal­tungs­be­hör­de durch Bekannt­ma­chung fest­ge­stellt. Die Maß­nah­men gel­ten ab dem auf die Bekannt­ma­chung fol­gen­den Tag. Sie enden wie­der, sobald nach Fest­stel­lung der Kreis­ver­wal­tungs­be­hör­de ein Para­me­ter drei Tage lang unter den genann­ten Wer­ten liegt.

3.3 Die Kran­ken­hau­s­am­pel bei einer lan­des­wei­ten Über­la­stung des Gesund­heits­we­sens wird um eine Inten­siv­bet­ten­kom­po­nen­te erwei­tert und mit kon­kre­ten Maß­nah­men hin­ter­legt. Danach gilt:

(1) Gel­be Stu­fe: Die gel­be Stu­fe gilt, sobald ent­we­der in den vor­an­ge­gan­ge­nen sie­ben Tagen lan­des­weit mehr als 1.200 Covid­pa­ti­en­ten in ein baye­ri­sches Kran­ken­haus ein­ge­wie­sen wur­den oder – das ist neu – lan­des­weit mehr als 450 Inten­siv­bet­ten mit Covid­pa­ti­en­ten belegt sind. Sobald nach Fest­stel­lung des Staats­mi­ni­ste­ri­ums für Gesund­heit und Pfle­ge eine der bei­den Alter­na­ti­ven greift, gilt lan­des­weit ab dem auf die Fest­stel­lung fol­gen­den Tag:

  • Bei gel­ber Stu­fe gilt als Mas­ken­stan­dard wie­der die FFP2-Mas­ke (statt medi­zi­ni­scher Gesichts­mas­ke). In der Schu­le und für Kin­der und Jugend­li­che gel­ten wie­der die schon gewohn­ten Son­der­re­geln (Stoff­mas­ke in der Grund­schu­le, im Übri­gen medi­zi­ni­sche Maske).
  • Alle Ein­rich­tun­gen, Ver­an­stal­tun­gen etc., die bis­her nach 3G-Regeln zugäng­lich sind, sind dann nur nach 3G plus zugäng­lich: Nicht­im­mu­ni­sier­te kön­nen also nur mit aktu­el­lem PCR-Test teil­neh­men. Inner­halb die­ser nur für Geimpf­te, Gene­se­ne und PCR-Gete­ste­te zugäng­li­chen Berei­che bestehen die Rechts­fol­gen, die bis­her für nor­ma­les 3G gal­ten. Es gibt also anders als bei frei­wil­li­gen 3G plus kei­ne Erleich­te­run­gen etwa für Mas­ke, Abstand oder Per­so­nen­ober­gren­zen. Aus­ge­nom­men wer­den ledig­lich die Hoch­schu­len sowie außer­schu­li­sche Bil­dungs­an­ge­bo­te ein­schließ­lich der beruf­li­chen Aus‑, Fort- und Wei­ter­bil­dung sowie Biblio­the­ken und Archi­ve – hier gilt wei­ter­hin die Zugangs­mög­lich­keit auch mit Schnell­test (3G).
  • Für Clubs, Dis­ko­the­ken, Bor­dell­be­trie­be und ver­gleich­ba­re Frei­zeit­ein­rich­tun­gen gilt bei Stu­fe gelb ver­pflich­ten­des 2G.
  • Pfle­ge­ein­rich­tun­gen sol­len zu Test­kon­zep­ten ver­pflich­tet wer­den kön­nen, die unab­hän­gig vom Impf­sta­tus min­de­stens zwei­mal wöchent­lich obli­ga­to­ri­sche Tests (Anti­gen-Schnell­tests oder PCR-Tests) für das Per­so­nal und Besu­cher vor­se­hen. Der Bund wird auf­ge­for­dert, die hier­für nöti­gen Vor­aus­set­zun­gen insb. in der Schutz­maß­nah­men-Aus­nah­men­ver­ord­nung zu schaffen.

(2) Rote Stu­fe: Die rote Stu­fe gilt, sobald lan­des­weit mehr als 600 Inten­siv­bet­ten mit Covid­pa­ti­en­ten belegt sind. Sobald dies nach Fest­stel­lung des Staats­mi­ni­ste­ri­ums für Gesund­heit und Pfle­ge der Fall ist, gilt lan­des­weit ab dem auf die Fest­stel­lung fol­gen­den Tag:

  • Ein­rich­tun­gen, Ver­an­stal­tun­gen etc., die sonst nach 3G-Regeln zugäng­lich sind, sind dann nur nach 2G zugäng­lich, also nur für Geimpf­te und Gene­se­ne, nicht für Gete­ste­te. Inner­halb die­ser Berei­che bestehen die Rechts­fol­gen, die für nor­ma­les 2G gel­ten. Aus­ge­nom­men wer­den hier die Gastro­no­mie, Beher­bungs­un­ter­neh­men und kör­per­na­he Dienst­lei­stun­gen. Hier bleibt es bei 3G plus. In Hoch­schu­len, außer­schu­li­schen Bil­dungs­an­ge­bo­ten ein­schließ­lich der beruf­li­chen Aus‑, Fort- und Wei­ter­bil­dung sowie Biblio­the­ken und Archi­ve gilt wei­ter­hin die Zugangs­mög­lich­keit auch mit Schnell­test (3G).
  • Die Zugangs­re­ge­lung „3G“ (ein­fa­cher Schnell­test zwei­mal pro Woche genügt) gilt in Betrie­ben mit mehr als 10 Beschäf­tig­ten im Fal­le der roten Stu­fe außer­dem für alle Beschäf­tig­ten, die wäh­rend ihrer Arbeit Kon­takt zu ande­ren Per­so­nen haben (egal ob Kun­den, ande­re Beschäf­tig­te oder son­sti­ge Per­so­nen). Das gilt aller­dings nicht für den Han­del und den ÖPNV.

3.4 Das Staats­mi­ni­ste­ri­um für Gesund­heit und Pfle­ge wird beauf­tragt, die nöti­gen Rechts­än­de­run­gen vorzunehmen.

4. Es gibt immer wie­der Fäl­le, in denen die Coro­na-Infek­ti­on bei einer engen Kon­takt­per­son eines Infi­zier­ten erst nach dem Ende der durch Nega­tiv­test auf 5 Tage ver­kürz­ten Qua­ran­tä­ne fest­ge­stellt wur­de. Das Baye­ri­sche Staats­mi­ni­ste­ri­um für Gesund­heit und Pfle­ge hat des­we­gen die Qua­ran­tä­ne­dau­er für enge Kon­takt­per­so­nen auf min­de­stens 7 Tage erhöht. Für eine siche­re Unter­bre­chung der Infek­ti­ons­ket­ten in Regio­nen mit hohem Infek­ti­ons­ge­sche­hen wird dar­über hin­aus künf­tig die Mög­lich­keit der Frei­testung für enge Kon­takt­per­so­nen ent­fal­len und die Qua­ran­tä­ne­dau­er grund­sätz­lich 10 Tage betragen.

5. Alle beschlos­se­nen Maß­nah­men in der Pan­de­mie­be­kämp­fung kön­nen nur dann wir­ken, wenn sie breit­flä­chig ein­ge­hal­ten wer­den. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Beach­tung der 3G, 3G Plus und 2G – Maß­nah­men durch Ver­an­stal­ter, Betrei­ber, Anbie­ter und Gastro­no­men. Um dies sicher­zu­stel­len, wer­den Schwer­punkt- und Stich­pro­ben­kon­trol­len durch­ge­führt und Ver­stö­ße kon­se­quent geahn­det. Das Baye­ri­sche Staats­mi­ni­ste­ri­um für Gesund­heit und Pfle­ge und das Baye­ri­sche Staats­mi­ni­ste­ri­um des Innern, für Sport und Inte­gra­ti­on wer­den beauf­tragt, die not­wen­di­gen Maß­nah­men fest­zu­le­gen und die­se zeit­nah umzusetzen.

6. Der Mini­ster­rat betont die Bedeu­tung der Sicher­stel­lung einer jeder­zeit ver­füg­ba­ren Kran­ken­haus­ver­sor­gung und die Not­wen­dig­keit funk­tio­nie­ren­der Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren zur Pati­en­ten­steue­rung gera­de in der aktu­ell erneut dyna­mi­schen Pha­se der Corona-Pandemie.

Kran­ken­häu­ser und deren Beschäf­tig­te sind durch das erneut hohe Auf­kom­men an COVID-19-Pati­en­ten vor beson­de­re Her­aus­for­de­run­gen gestellt. Zur Abmil­de­rung wirt­schaft­li­cher Nach­tei­le der Kran­ken­häu­ser sowie zur beson­de­ren Aner­ken­nung der per­sön­li­chen Lei­stun­gen der Mit­ar­bei­ter wird mit Wir­kung vom 1. Novem­ber 2021 ein sechs­mo­na­ti­ges Hilfs­pro­gramm im Umfang von 35 Mio. Euro mit fol­gen­den Eck­punk­ten aufgelegt:

  • Kran­ken­häu­ser erhal­ten als Aus­gleich für ihren beson­de­ren Auf­wand pro COVID-19-Pati­ent pro Tag auf der Nor­mal­sta­ti­on 50 Euro und für die Behand­lung auf der Inten­siv­sta­ti­on 100 Euro auf Grund­la­ge der Mel­dun­gen im Mel­de­sy­stem IVENA.
  • Min­de­stens 50 % der Mit­tel sind vom Kran­ken­haus als Bonus an Kli­nik­be­schäf­tig­te (ins­be­son­de­re Pfle­ge­kräf­te) wei­ter­zu­rei­chen, die durch die andau­ern­de Pan­de­miela­ge beson­ders bela­stet sind.
  • Mit dem Voll­zug wird das Lan­des­amt für Pfle­ge beauftragt.

Im Lauf des bis­he­ri­gen Kri­sen­ge­sche­hens hat sich gezeigt, dass bei einer erheb­li­chen Stei­ge­rung des Ver­sor­gungs­be­darfs in Kran­ken­häu­sern koor­di­nie­ren­de und steu­ern­de Struk­tu­ren von beson­de­rer Bedeu­tung sind. Um jeder­zeit und flä­chen­deckend hand­lungs­fä­hi­ge Struk­tu­ren zur Ver­fü­gung zu haben, wird das Staats­mi­ni­ste­ri­um für Gesund­heit und Pfle­ge beauf­tragt, die sofor­ti­ge lan­des­wei­te Ein­set­zung aller Ärzt­li­chen Lei­ter Kran­ken­haus­ko­or­di­nie­rung sowie der Ärzt­li­chen Bezirks­ko­or­di­na­to­ren anzu­ord­nen. Das Gesund­heits­mi­ni­ste­ri­um wird des Wei­te­ren beauf­tragt, die Gel­tungs­dau­er der Richt­li­nie zur Auf­wands­ent­schä­di­gung für die Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben zur Bewäl­ti­gung erheb­li­cher Pati­en­ten­zah­len in Kran­ken­häu­sern (BayMBl. 2020 Nr. 773) bis 31.12.2022 zu ver­län­gern. Die im Jahr 2022 anfal­len­den Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen in Höhe von ins­ge­samt 3 Mio. Euro wer­den aus dem Son­der­fonds Coro­na-Pan­de­mie bestrit­ten. Soweit haus­halts­recht­li­che Rege­lun­gen zur Umset­zung erfor­der­lich sind, blei­ben die­se der Ver­ab­schie­dung des Haus­halts­ge­set­zes 2022 vor­be­hal­ten. Mit dem Voll­zug bleibt wei­ter­hin das Lan­des­amt für Pfle­ge beauftragt.

7. Vor dem Hin­ter­grund des aktu­el­len Pan­de­mie­ge­sche­hens und des aktu­ell sta­gnie­ren­den Impf­fort­schritts muss alles unter­nom­men wer­den, um die Immu­ni­sie­rung der Bevöl­ke­rung zu ver­bes­sern. Tei­le der Bevöl­ke­rung sind noch nicht geimpft, zugleich lässt die Immu­ni­tät ins­be­son­de­re bei vul­nerablen Per­so­nen­grup­pen nach. Imp­fun­gen und Auf­fri­schimp­fun­gen bie­ten wir­kungs­vol­len Schutz, ins­be­son­de­re auch vor schwe­ren und töd­li­chen Ver­läu­fen. Für einen siche­ren Herbst und Win­ter 2021/2022 appel­liert die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung daher ein­dring­lich an die Bevöl­ke­rung, Impf­an­ge­bo­te wahr­zu­neh­men und sich imp­fen zu lassen.

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