LBV zur aktu­el­len Wind­kraft-Debat­te: „Fin­ger weg vom Wald!“

LBV for­dert Staats­re­gie­rung zu sinn­vol­ler und nach­voll­zieh­ba­rer Pla­nung von Wind­kraft in Bay­ern auf – 10H-Regel abschaffen

Die Pla­nun­gen von Wirt­schafts­mi­ni­ster Hubert Aiwan­ger, 1.000 Wind­rä­der in Bay­erns Wäl­dern zu errich­ten, lehnt der baye­ri­sche Natur­schutz­ver­band LBV ent­schie­den ab. „Der Wald im Frei­staat darf eben­so wenig für Wind­kraft wie für Indu­strie­ge­bie­te zur Ver­fü­gungs­mas­se wer­den“, stellt der LBV-Vor­sit­zen­de Dr. Nor­bert Schäf­fer ange­sichts der aktu­ell geführ­ten Dis­kus­si­on zwi­schen dem Wirt­schafts­mi­ni­ster und Forst­mi­ni­ste­rin Michae­la Kani­ber klar. „Ange­sichts der drin­gend erfor­der­li­chen Ener­gie­wen­de, für die der Aus­bau der Wind­ener­gie eine ent­schei­den­de Rol­le spielt, soll­te die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung gemein­sam ziel­füh­ren­de und der Nach­hal­tig­keit ver­pflich­te­te Ent­schei­dun­gen tref­fen, anstatt dass sich zwei Res­sort­chefs mit unaus­ge­go­re­nen Kon­zep­ten öffent­lich behar­ken“, for­dert Schäffer.

Der LBV begrüßt die Aus­sa­ge von Forst­mi­ni­ste­rin Kani­ber, dass Wald „ein unglaub­lich wert­vol­les Öko­sy­stem“ sei und Ein­grif­fe „nicht allein nach öko­no­mi­schen Kri­te­ri­en“ beur­teilt wer­den dür­fen. Nach Ansicht des LBV darf dies aber nicht nur für Stand­or­te von Wind­kraft­an­la­gen gel­ten, son­dern in ver­stärk­tem Maße auch für Gewer­be­ge­bie­te oder Infra­struk­tur­maß­nah­men. Unab­hän­gig davon weißt der LBV dar­auf hin, dass die Baye­ri­schen Staats­for­sten nicht ver­pflich­tet sei­en, Stand­or­te im Staats­wald für Wind­rä­der zur Ver­fü­gung zu stellen.

Dass der­zeit über­haupt über mehr Wind­kraft im Wald dis­ku­tiert wird, ist aus Sicht des LBV aus­schließ­lich der ‚baye­ri­schen Spe­zia­li­tät‘ 10H zu ver­dan­ken. Ohne die von Ex- Mini­ster­prä­si­dent See­hofer erlas­se­ne 10H-Regel wür­de die der­zei­ti­ge Dis­kus­si­on um Wind­rä­der im Wald über­haupt kei­ne Rol­le spie­len. „Vie­le Wald­stand­or­te sind bedeu­ten­der Lebens­raum für Wind­kraft-sen­si­ble Vogel- und Fle­der­maus­ar­ten wie Schwarz­storch oder Klei­ner Abend­seg­ler. Durch den Bau von neu­en Wind­kraft­an­la­gen im Wald wür­den die­se zum einen ihren Lebens­raum ver­lie­ren und zum ande­ren unter einem deut­lich erhöh­ten Kol­li­si­ons­ri­si­ko lei­den“, erklärt der LBV-Vor­sit­zen­de. „Wind­kraft­stand­or­te im Wald soll­ten nach Ein­schät­zung des LBV daher die abso­lu­te Aus­nah­me darstellen.“

Die Regio­nal­pla­nung in Bay­ern hat­te mit der Aus­wei­sung von Wind­kraft-Vor­rang­ge­bie­ten im Offen­land genü­gend neue Stand­or­te für Wind­rä­der auf­ge­zeigt, bevor die­se Plä­ne durch die 10H-Rege­lung wie­der ver­schwun­den sind.

Die von Michae­la Kani­ber für die Wind­kraft ins Spiel gebrach­ten Trup­pen­übungs­plät­ze sind aus Sicht des LBV jeden­falls kei­ne Opti­on, denn in Bay­ern haben sich die­se Gebie­te zu äußerst wert­vol­len Lebens­räu­men für Tie­re und Pflan­zen wie zum Bei­spiel in Ham­mel­burg, Gra­fen­wöhr und Hohen­fels ent­wickelt. So wur­den bis­her allei­ne die­se drei Trup­pen- und wei­te­re 14 Stand­ort­übungs­plät­ze als FFH-Gebie­te aus­ge­wie­sen und erfül­len damit eine wich­ti­ge Schutz­funk­ti­on für die Artenvielfalt.

Die von Hubert Aiwan­ger ange­führ­ten angeb­li­chen Vor­tei­le, dass Wind­rä­der im Wald „etwas ver­steckt“ wer­den könn­ten und oben­drein das Umfeld des Mastes im Wald durch die Rodung und das Säen von Blüh­pflan­zen und Disteln öko­lo­gisch auf­ge­wer­tet wer­den wür­den, emp­fin­den die LBV-Arten­schüt­zer als zynisch. „Wald-Mono­kul­tu­ren soll­ten ange­sichts der Kli­ma­kri­se ohne­hin drin­gend öko­lo­gisch umge­baut wer­den, um die Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft zu bewäl­ti­gen. Dafür benö­tigt man aber kei­ne Wind­rä­der“, so Nor­bert Schäffer.

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