Wehr­rück­bau an der Baunach

Mehr Frei­heit für die Fische in der Baunach

Mit­te Sep­tem­ber, ent­fern­te der WWF Deutsch­land in Zusam­men­ar­beit mit dem Was­ser­wirt­schafts­amt Kro­nach das „Leucherhof“-Wehr an der Baunach.

Vorher © Raphaela Titus, WWA Kronach

Vor­her © Raphae­la Titus, WWA Kronach

Trotz ihres teil­wei­se unbe­rühr­ten Ver­laufs lei­det die Bau­nach unter Sedi­ment­ein­trä­gen aus den umlie­gen­den Fel­dern und der Zer­schnei­dung durch Quer­bau­wer­ke. Das „Leucherhof“-Wehr wur­de frü­her zur Be- und Ent­wäs­se­rung von Wie­sen genutzt. Eigent­lich hät­te der ursprüng­li­che Besit­zer, eine Wie­sen­be­wäs­se­rungs­ge­nos­sen­schaft, das Wehr abbau­en müs­sen, nach­dem es nicht mehr benö­tigt wur­de. Aber die Genos­sen­schaft war schon lan­ge nicht mehr aktiv und konn­te daher kein Geld inve­stie­ren, um der Natur ein Stück Frei­heit zurückzugeben.

Mit­te Sep­tem­ber began­nen daher die vom Was­ser­wirt­schafts­amt in Auf­trag gege­be­nen und vom WWF Deutsch­land finan­zier­ten Bag­ger­ar­bei­ten im Fluss. Wal­ter Hader­lein vom WWA Kro­nach erklär­te hier­zu: „Das Wehr hat­te kei­nen Nut­zen mehr und so konn­ten wir es in Zusam­men­ar­beit mit dem WWF entfernen.“

Nachher © Sigrun Lange, WWF Deutschland

Nach­her © Sig­run Lan­ge, WWF Deutschland

Stein für Stein wur­de abge­tra­gen, bis die Bar­rie­re ver­schwun­den war, und das Was­ser nach fast 150 Jah­ren wie­der frei flie­ßen konn­te. Was für ein Gefühl der Frei­heit! Frei­heit für den Fluss, der sich frei ent­fal­ten kann. Frei­heit für die Fische, die nun wie­der unge­hin­dert wan­dern kön­nen. Und auch die Men­schen, die jetzt am Ufer des Flus­ses sit­zen und die natür­li­chen Ver­än­de­run­gen des Lebens­rau­mes und sei­ne Wech­sel­wir­kung mit der Aue beob­ach­ten kön­nen pro­fi­tie­ren von der Maß­nah­me. „Es ist sehr wich­tig ein­mal die The­men „Gewäs­ser- und Fischöko­lo­gie“ in die Öffent­lich­keit zu brin­gen“, erklär­te Dr. Tho­mas Speierl von der Fische­rei­fach­be­ra­tung des Bezirks Ober­fran­ken, wel­cher eben­falls die Maß­nah­me aus­drück­lich beführwortete.

Man darf gespannt sein, wie sich die Strecke künf­tig ent­wickelt: Wel­che Fisch­ar­ten pro­fi­tie­ren? Wel­che Libel­len stel­len sich ein? Und wird der Eis­vo­gel bald sei­ne Brut­höh­len am stei­len Fluss­ufer anlegen?

Nach dem Rück­bau ist eine freie Fließ­strecke von mehr als sechs Kilo­me­tern ent­stan­den. „Wir freu­en uns sehr über die­se gelun­ge­ne Maß­nah­me. So kön­nen wir unse­re schö­ne Natur in und um Bau­nach wei­ter­hin nach­hal­tig schüt­zen. Außer­dem sind frei flie­ßen­de Flüs­se immer auch ein natür­li­cher Hoch­was­ser­schutz“, bekräf­tig­te auch Bür­ger­mei­ster Tobi­as Rop­pelt das Pro­jekt. Mit der Ent­fer­nung des „Leu­cher­hof“ Wehrs ist erst der Anfang gemacht, wei­te­re Rück­bau­ten sol­len fol­gen – in Bay­ern und andernorts.

An den baye­ri­schen Flüs­sen gibt es fast 6600 Weh­re, von denen über 900 bau­fäl­lig sind. Ver­mut­lich wer­den vie­le die­ser bau­fäl­li­gen Bar­rie­ren nicht mehr genutzt. „Sie könn­ten die ersten sein, die ent­fernt wer­den“, meint Sig­run Lan­ge vom WWF Deutsch­land. „Ein staat­li­cher Rück­bau­fonds wäre drin­gend not­wen­dig, um Bar­rie­ren Drit­ter besei­ti­gen zu kön­nen, für die nie­mand belangt wer­den kann oder deren Rück­bau nach­weis­lich eine zu hohe Bela­stung für die jewei­li­gen Eigen­tü­mer dar­stel­len wür­de.“ So bleibt nur zu hof­fen, dass das Bau­nach-Pro­jekt ein Start­schuss für Rück­bau­maß­nah­men in ganz Bay­ern bzw. Deutsch­land wird.

Für frei flie­ßen­de Flüs­se – ein Gewinn für Natur und Mensch!

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