Bay­reuth: „neu und wild“ – Bas­elitz, Immen­dorff, Lüpertz, Penck und die ande­ren – nur noch bis 17.10.2021

Die acht­zi­ger Jah­re des zwan­zig­sten Jahr­hun­derts waren durch eine boo­men­de Kunst­sze­ne geprägt. Zwi­schen Köln und Düs­sel­dorf insze­nier­te sich die Muse­ums- und Gale­riesze­ne der Bon­ner Repu­blik, dort stell­te A.R. Penck schon seit den sech­zi­ger Jah­ren aus. Hier und in West­ber­lin, das als hip­pes, neu­es Kulturzentrum
Künst­ler aus aller Welt anzog, wirk­ten Georg Bas­elitz, Jörg Immen­dorff, Mar­kus Lüpertz und vie­le ande­re. Par­al­lel dazu lote­te A.R. Penck in der DDR die Grenzen
von Kunst und Zen­sur aus.

Alles schien mög­lich! Doch tra­fen die groß­for­ma­ti­gen, bewusst dilet­tan­tisch gemal­ten Bil­der der so genann­ten „Neu­en Wil­den“ die Kunst­kri­tik wie eine
Schock­wel­le: Die tot­ge­sag­te Male­rei leb­te! – Unbe­küm­mert und in oft rie­si­gen For­ma­ten wur­den Gen­res und Moti­ve, Kunst­sti­le und Inter­pre­ta­ti­ons­for­men, die
man für histo­risch über­wun­den gehal­ten hat­te, zitiert. „Eine bei­na­he orgia­sti­sche Kör­per­lich­keit“ war in den Bil­dern die­ser Künst­ler zu spü­ren: „Die bildnerischen
Sze­ne­rien sind grell aus­ge­leuch­tet, das Dar­ge­stell­te ist rup­pig gemalt, Kari­ka­tur und Gro­tes­ke regie­ren, der schril­le Sound der Rock­mu­sik klingt her­über, und in die
schö­ne Welt des coo­len Designs der Mini­mal und Con­cept Art plat­zen die­se Bil­der wie die sprich­wört­li­che Bom­be.“ (Klaus Hon­nef) Die Male­rei selbst war das Thema.
Den Begriff der „Neu­en Wil­den“ präg­te Wolf­gang Becker 1980 für sei­ne Aache­ner Aus­stel­lung ange­lehnt an die fran­zö­si­schen „Fau­ves“. Erst­mals war hier
neo­ex­pres­si­ve und neo­kon­zep­tio­nel­le Male­rei gemein­sam zu sehen, dar­un­ter Wer­ke von Bas­elitz, Immen­dorff, und A.R. Penck und ande­ren. Es ging den Künst­lern vor
allem um eine neue Male­rei, sei es auf Lein­wand oder auch auf Papier.

Par­al­lel zu der Ost-West-Ent­span­nung der spä­ten sech­zi­ger und sieb­zi­ger Jah­re wid­me­ten sich die Künst­ler ver­stärkt auch deutsch-deut­schen The­men: Penck
(1939 als Ralf Wink­ler in Dres­den gebo­ren und auf­ge­wach­sen und 1980 aus der DDR aus­ge­wie­sen) mal­te und zeich­ne­te schon in der DDR nach einem Parforceritt
durch die Kunst­ge­schich­te System­bil­der aus Strich­männ­chen. Immen­dorff (1945 in Blecke­de, bei Lüne­burg gebo­ren) brach­te in sei­nen „Café-Deutschland“-Bildern Ost- und West­men­schen zusam­men und erkor den Künst­ler-Affen zu sei­nem Leit­mo­tiv und Lüpertz (1941 in Libe­rec / heu­te: Tsche­chi­en gebo­ren und im Rheinland
auf­ge­wach­sen) fei­er­te Kli­schee­bil­der der deut­schen Geschich­te als „dithy­ram­bisch“, und zitier­te in der Serie „Män­ner ohne Frau­en – Par­si­fal“ Heming­way und Richard
Wag­ner. Und Bas­elitz (1938 als Georg Kern in Deutsch­ba­s­elitz / Sach­sen gebo­ren) mal­te daher gleich kopfüber.

Mit nahe­zu 200 Ori­gi­na­len und Druck­gra­phi­ken sind Bas­elitz, Immen­dorff, Lüpertz, Penck und ande­re Ver­tre­ter der so genann­ten “Neu­en Wil­den“ in der diesjährigen
Som­mer­aus­stel­lung des Kunst­mu­se­um Bay­reuth ver­tre­ten. Die Aus­stel­lung zeigt Wer­ke aus eige­nem Bestand sowie Leih­ga­ben aus einer
süd­deut­schen Pri­vat­samm­lung und aus der Samm­lung Strö­her im Muse­um Küp­pers­müh­le Duis­burg. Sie wird beglei­tet von einem umfang­rei­chen Ver­mitt­lungs­pro­gramm unter den jeweils gege­be­nen Corona-Bedingungen.

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