Bam­berg: Jah­res­aus­stel­lung „Wal­des­lust“ in der Stadt­ga­le­rie Vil­la Dessauer

Aus­stel­lung in Bam­berg: BBK Ober­fran­ken Jah­res­aus­stel­lung Wal­des­lust vom 16.10. bis 28.11.2021. Foto: Privat

Bam­berg – 34 Künst­le­rin­nen und Künst­ler zei­gen in ihren Wer­ken eine gro­ße Band­brei­te künst­le­ri­scher Dar­stel­lungs­mög­lich­kei­ten, zu der sie die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem kom­ple­xen und hoch­ak­tu­el­len The­ma Wald inspi­riert hat. Der Wald ist Sinn­bild für Ruhe und Erho­lung und sein fra­gi­les öko­lo­gi­sches Gleich­ge­wicht ist die sicht­ba­re Meta­pher für die natür­li­che Lebens­grund­la­ge des Men­schen, die wir im 21. Jahr­hun­dert zu zer­stö­ren dro­hen. Die deut­sche Kul­tur­ge­schich­te ist mit dem Wald auf viel­fäl­ti­ge Wei­se ver­knüpft, begin­nend bei den Ger­ma­nen, die Bäu­me als Sitz der Göt­ter ver­ehr­ten, wur­de der Wald vor allem in der Roman­tik zum Sehn­suchts­ort ver­klärt. In den 80er Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts beschäf­tig­te das Wald­ster­ben die Öffent­lich­keit in Deutsch­land, doch war dies nur ein Vor­bo­te für die Umwelt­ka­ta­stro­phe des Kli­ma­wan­dels, der wir heu­te gegen­über­ste­hen. Die Dür­re­jah­re der letz­ten Jah­re, die Wäl­der in Mond­land­schaf­ten mit Baum­ge­rip­pen ver­wan­delt haben, sind der sicht­bar­ste Beweis, daß die men­schen­ge­mach­te Kli­ma­ka­ta­stro­phe wirk­lich statt­fin­det. Die Ein­schrän­kung des Rei­sens wäh­rend des Lock­downs in Coro­na­zei­ten hat zu einer Wie­der­ent­deckung des Wal­des geführt, Wan­de­run­gen und Spa­zier­gän­ge in der nahen Umge­bung haben den Blick für die Sehens­wür­dig­kei­ten und Natur­schön­hei­ten vor Ort, und die klei­nen, bis­her unbe­deu­ten­den Din­ge geschärft.

Die Künst­le­rin­nen und Künst­ler des BBK Ober­fran­ken sind der deut­schen Kul­tur­ge­schich­te des Wal­des auf die unter­schied­lich­ste Wei­se mit sehr indi­vi­du­el­len Arbei­ten nach­ge­gan­gen, von der sprich­wört­li­chen Bedeu­tung des Wor­tes „Wal­des­lust“, über die Wie­der­ga­be sub­jek­ti­ver Natur­stim­mun­gen bis hin zum Umgang mit der Res­sour­ce Holz. Kat­ja Wun­der­ling stellt die Pflan­ze als Urbild des Lebens ins Zen­trum ihrer Arbeit, indem sie aus orga­ni­schen For­men des Mikro- und Makro­kos­mos Moment­auf­nah­men des natür­li­chen Wer­dens und Ver­ge­hens schafft. Peter Schop­pel unter­sucht das Ver­hält­nis von Cha­os und Ord­nung, deren Struk­tu­ren wie das undurch­dring­li­che Geflecht des Unter­hol­zes dazu ein­la­den, dahin­ter geheim­nis­voll flo­ra­le Wel­ten und ver­wun­sche­ne Orte zu ent­decken. Die Tex­til­künst­le­rin Hei­drun Schim­mel the­ma­ti­siert in ihrer Wand­in­stal­la­ti­on „über­all und nir­gend­wo” den auf­wän­di­gen manu­el­len Pro­zess des Stickens und Faden­haf­tens, des­sen bewuß­te rhyth­mi­sche Bewe­gung letzt­lich die Vor­stel­lung von Zeit visua­li­siert, Zeit, die auch der Wald zum Wach­sen benö­tigt. Einen ähn­lich medi­ta­ti­ven Ansatz ver­folgt Gud­run Schü­ler, die inspi­riert vom japa­ni­schen Begriff des „Wald­ba­dens“ mit einer groß­for­ma­ti­gen Tusche­zeich­nung sowie abstra­hier­ten Farb­feld­la­su­ren in die Atmo­sphä­re des Wal­des mit sei­nen Kind­heits­er­in­ne­run­gen, Mär­chen und Mythen eintaucht.

Daß man „Wal­des­lust“ auch wört­lich neh­men kann, zeigt Chris Engels mit ihrer Instal­la­ti­on aus einem Hirsch­ge­weih mit auf­ge­spieß­ten Kon­do­men. Der Hirsch als König des Wal­des wird zum Sinn­bild des Machis­mo, zugleich weist die Instal­la­ti­on auf den Kon­flikt zwi­schen Mensch und Natur hin, der den Wald als Müll­kip­pe oder auch als Ort des ero­ti­schen Stell­dich­eins benutzt. Auch der Bild­hau­er Tho­mas Gröh­ling beschäf­tigt sich mit dem kom­pli­zier­ten Ver­hält­nis von Mensch und Tier, indem er die Vil­la Des­sau­er von sei­nen Wolfs­pla­sti­ken durch­strei­fen läßt. Im Mär­chen per­so­ni­fi­zier­te der Wolf das Böse, heu­te sorgt er nach sei­ner Aus­rot­tung und Wie­der­an­sied­lung für wider­sprüch­li­che Dis­kus­sio­nen zwi­schen Natur­schüt­zern und Land­wir­ten mit Vieh­be­stand oder Spa­zier­gän­gern. Das Span­nungs­ver­hält­nis von Nähe und Distanz unter­sucht Hubert Sowa in sei­nen Land­schafts­zeich­nun­gen, die er immer einem Stillle­ben gegen­über­stellt, um so offen­sicht­li­che und ver­bor­ge­ne Bezü­ge zwi­schen bei­den Bil­dern her­zu­stel­len. Auf vie­len Wan­de­run­gen wäh­rend des Coro­na­jah­res ent­stan­den, sind sie Zeug­nis der Sehn­sucht nach einem hei­mat­li­chen Flucht­ort. Das Wan­dern wäh­rend des Lock­downs stand auch für Tho­mas Michel am Anfang sei­ner Land­schafts­ge­mäl­de, wobei er die Moti­ve in der Frän­ki­schen Schweiz oder dem Main­tal auf gemein­sa­men Wan­de­run­gen mit Freun­den ent­deck­te. Inspi­riert von der deut­schen Roman­tik the­ma­ti­sie­ren sei­ne Bil­der die Gren­ze zwi­schen Urba­ni­tät und Natur sowie Relik­te mensch­li­cher Zivi­li­sa­ti­on, die sich die Natur wie­der zurück­holt. Ger­hard Hagen unter­sucht das Recy­cling von Papier, Trä­ger von mensch­li­chem Geist, Daten oder ein­fach nur zum Ver­packen von Gegen­stän­den. Auf groß­for­ma­ti­gen Fotos zeigt er Alt­pa­pier­bal­len in ein­heit­li­cher Grö­ße vor gol­de­nem Hin­ter­grund, um zum Nach­den­ken über die End­lich­keit der Wie­der­ver­wer­tung von end­li­chen Res­sour­cen anzu­re­gen. Künst­ler­ge­sprä­che und viel­fäl­ti­ge Begleit­ver­an­stal­tun­gen ergän­zen die Aus­stel­lung zum The­ma „Wal­des­lust“.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter bbk​-ober​fran​ken​.de.

BBK Ober­fran­ken Jah­res­aus­stel­lung Wal­des­lust 16.10. – 28.11.2021- Stadt­ga­le­rie Vil­la Des­sau­er, Hain­str. 4a, 96047 Bam­berg, – Do – So. 12- 18 Uhr – Ver­nis­sa­ge 15.10. um 19 Uhr. Es gel­ten zur Ver­nis­sa­ge die aktu­el­len Schutz- und Hygie­ne­maß­nah­men: 3 G.

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