Stör­che bei Coburg an ille­ga­lem Gift verendet

symbolfoto polizei

An zwei toten Weiß­stör­chen wur­den das ver­bo­te­ne Ner­ven­gift Pro­me­carb nach­ge­wie­sen – LBV bit­tet Bevöl­ke­rung um Mithilfe

In Dörf­les-Esbach bei Coburg wur­den vor eini­ger Zeit zwei Jung­stör­che tot auf­ge­fun­den. Nun wies eine toxi­ko­lo­gi­sche Unter­su­chung im Auf­trag des baye­ri­schen Natur­schutz­ver­bands LBV in den bei­den Vögeln das Ner­ven­gift Pro­me­carb nach, das seit 2002 EU-weit ver­bo­ten ist. „Für uns ist es uner­klär­lich, wie die­ses Gift in die Jung­stör­che gelangt ist, des­halb bit­ten wir die Bevöl­ke­rung um Mit­hil­fe bei der Auf­klä­rung“, sagt Dr. Andre­as von Lind­ei­ner, LBV-Lan­des­fach­be­auf­trag­ter Naturschutz.

Ein Anwoh­ner in unmit­tel­ba­rer Nähe zum Stor­chen­horst im ober­frän­ki­schen Dörf­les-Esbach infor­mier­te im Som­mer die Cobur­ger Geschäfts­stel­le des LBV, dass er einen toten Jung­storch ent­deckt hat­te. Die­ser wur­de dar­auf­hin von der ört­li­chen LBV-Arbeits­grup­pe Stor­chen­schutz und einem Mit­ar­bei­ter gebor­gen, ein­ge­fro­ren und zur Unter­su­chung nach Erlan­gen in das Baye­ri­sche Lan­des­amt für Gesund­heit und Lebens­mit­tel­si­cher­heit (LGL) gebracht. Auf­fäl­lig war damals, dass in den dar­auf­fol­gen­den Tagen sowohl ein Alt­s­torch als auch ein zwei­ter Jung­storch nicht mehr am Horst gesich­tet wurden.

Mit­te August tra­fen dann zur Über­ra­schung des LBV Coburg Unter­su­chungs­be­rich­te zu gleich zwei toten Stör­chen ein. Offen­sicht­lich stamm­te der zwei­te tote Jung­storch aus dem glei­chen Horst in Dörf­les-Esbach und war über das Land­rats­amt Coburg fast zur glei­chen Zeit wie der Erste zur Unter­su­chung beim LGL abge­lie­fert wor­den. „In die­sem Moment wur­de uns klar, war­um wir auch den zwei­ten Jung­storch in Dörf­les-Esbach nicht mehr beob­ach­ten konn­ten“, sagt Hans Schönecker, Stor­chen­be­auf­trag­ter des LBV Coburg.

Das LGL hat­te bei einem der Vögel zahl­rei­che inne­re Ver­let­zun­gen und Blu­tun­gen fest­ge­stellt, unter ande­rem an Lun­ge, Nie­ren und Leber. Um zu klä­ren, woher die Ver­let­zun­gen stamm­ten, zog der LBV dar­auf­hin die Lud­wig-Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Mün­chen hin­zu. Durch eine toxi­ko­lo­gi­sche Unter­su­chung der Uni­ver­si­tät konn­te nun in bei­den Stör­chen Rück­stän­de des ver­bo­te­nen Gifts Pro­me­carb nach­ge­wie­sen wer­den. „Pro­me­carb ist ein soge­nann­ter Ace­tyl­cho­li­ne­ster­a­se-Inhi­bi­tor, ein rever­si­bles Ner­vent­o­xin, das die Über­tra­gung von Signa­len in den Ner­ven blockiert und in hohen Dosen zu Anfäl­len und Tod füh­ren kann“, sagt Dr. Andre­as von Lind­ei­ner. Der seit 19 Jah­ren ver­bo­te­ne Gift­stoff wur­de frü­her als Insek­ten­ver­nich­tungs­mit­tel eingesetzt.

Der LBV Coburg erstat­te­te anschlie­ßend umge­hend Anzei­ge bei der Poli­zei. Da nach wie vor völ­lig unklar ist, wie das ver­bo­te­ne Ner­ven­gift Pro­me­carb in die Kör­per der bei­den Stör­che gelangt sein könn­te, bit­tet der LBV alle Bürger*innen im Cobur­ger Land um Mit­hil­fe und kon­kre­te Hin­wei­se. „Wir ver­mu­ten, dass jemand gezielt Gift­kö­der gegen Fuchs, Raben­vö­gel, aas­fres­sen­de Greif­vö­gel prä­pa­riert und aus­ge­legt hat oder Hun­de ver­gif­ten woll­te“, sagt Hans Schönecker. „Wir bit­ten des­we­gen die Bevöl­ke­rung bei Spa­zier­gän­gen um Dörf­les-Esbach her­um, die Augen offen zu hal­ten und ver­däch­ti­ge Beob­ach­tun­gen sowie Köder­fun­de direkt der Poli­zei zu melden.“

Gemein­sa­mes Pro­jekt: „Natur­schutz­kri­mi­na­li­tät doku­men­tie­ren und stoppen!“

Ein Groß­teil der Fäl­le von Natur­schutz­kri­mi­na­li­tät bleibt unge­klärt und für die Täter fol­gen­los, was sich drin­gend ändern muss. LBV und GLUS (Gre­gor Loui­so­der Umwelt­stif­tung) star­ten des­halb 2019 das gemein­sa­me Pro­jekt „Natur­schutz­kri­mi­na­li­tät doku­men­tie­ren und stop­pen!“. In einer bay­ern­wei­ten Daten­bank sol­len alle (Verdachts-)fälle von Natur­schutz­kri­mi­na­li­tät gespei­chert wer­den. Als erste Anlauf­stel­le für betrof­fe­ne Behör­den und die Öffent­lich­keit soll die Daten­bank fach­li­che Unter­stüt­zung bie­ten und als Mel­de- und Infor­ma­ti­ons­platt­form die­nen. Mit ihrer Hil­fe soll außer­dem die lang­fri­sti­ge Wei­ter­ver­fol­gung ein­zel­ner Fäl­le sicher­ge­stellt wer­den. Mit dem Pro­jekt soll auch die Öffent­lich­keits­ar­beit ver­stärkt und Fort­bil­dungs­an­ge­bo­te bereit­ge­stellt wer­den. Pro­jekt­lei­ter und Ansprech­part­ner sind die Bio­lo­gen Fran­zis­ka Baur (GLUS) und Dr. Andre­as von Lind­ei­ner (LBV). Fäl­le ille­ga­ler Ver­fol­gung von Vögeln doku­men­tiert der LBV seit die­sem Jahr im Auf­trag des LfU/​staatliche Vogelschutzwarte.

Wei­te­re Informationen:

Mehr Infos zum The­ma „Natur­schutz­kri­mi­na­li­tät“ und eine Check­li­ste zum rich­ti­gen Ver­hal­ten, wenn man ein totes Wild­tier gefun­den hat und den Ver­dacht hegt, es könn­te ille­gal getö­tet wor­den sein, kön­nen unter www​.tat​ort​-natur​.de her­un­ter­ge­la­den wer­den. Dort kön­nen auch Fäl­le oder Ver­dachts­fäl­le von Natur­schutz­kri­mi­na­li­tät gemel­det werden.

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