Blick über den Zaun: Nach­hal­tig ein­kau­fen? 85 Städ­te, Land­krei­se und Gemein­den in der Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg „Vor­bild“

Zwei­ter Fair Tra­de Gip­fel – Neue Pakt­un­ter­zeich­ner. Foto: Privat

Nürn­berg – Der Pakt zur nach­hal­ti­gen Beschaf­fung geht in die zwei­te Run­de. 70 Kom­mu­nen arbei­ten seit zwei Jah­ren erfolg­reich im „Pakt zur nach­hal­ti­gen Beschaf­fung“ zusam­men – für einen nach­hal­ti­gen, öffent­li­chen Ein­kauf. Beim 2. Fair Tra­de Gip­fel der Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg am 23. Sep­tem­ber 2021 im Land­rats­amt des Land­krei­ses Neu­markt in der Ober­pfalz bestärk­ten die Kom­mu­nen ihr Enga­ge­ment für wei­te­re zwei Jah­re und begrüß­ten 15 wei­te­re Städ­te, Land­krei­se und Gemein­den im Netz­werk, die ver­stärkt auf nach­hal­ti­ge Beschaf­fung set­zen wollen.

Bun­des­weit ist die Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg mit dem Pakt Vor­rei­ter im The­ma nach­hal­ti­ge Beschaf­fung. Die Kom­mu­nen set­zen dabei nicht nur im Ein­kauf auf sozia­le und öko­lo­gi­sche Kri­te­ri­en bei der Pro­dukt­aus­wahl. Dar­zu­stel­len, wel­che und wie vie­le Pro­duk­te nach­hal­tig beschafft wer­den, ist eben­falls eine wich­ti­ge Maß­nah­me im Pakt. 2020 wur­den bereits Pro­duk­te im Wert von knapp 5,4 Mil­li­ar­den Euro erfasst – von Tex­ti­li­en über Lebens­mit­tel hin­zu Give-Aways. Gast­ge­ber des Fair Tra­de Gip­fels, Wil­li­bald Gail­ler, Land­rat des Land­krei­ses Neu­markt in der Ober­pfalz, geht hier mit gutem Bei­spiel vor­an: „Wir set­zen vor allem bei den Büro­ma­te­ria­li­en auf hohe Nach­hal­tig­keits­stan­dards im Land­rats­amt. Papier und Kuver­tier­hül­len sowie Drucker sind mit dem Blau­en Engel aus­ge­zeich­net.“ Moti­viert durch die Erfol­ge des Pak­tes sowie die hohe Zukunfts­re­le­vanz des The­mas, schlos­sen sich 15 wei­te­re Kom­mu­nen dem Pakt an. Begrüßt wur­den sie im Netz­werk durch Tho­mas Thu­mann, Poli­ti­scher Spre­cher des Forums Kli­ma­schutz und nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung der Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg und Ober­bür­ger­mei­ster der Stadt Neu­markt. Ange­schlos­sen haben sich die Städ­te Vel­burg, Alt­dorf bei Nürn­berg, Frey­stadt, Pres­s­ath, Zirn­dorf, Was­ser­trü­din­gen, Selb, die Land­krei­se Erlan­gen-Höchstadt und Ans­bach sowie die Gemein­den Seu­ken­dorf, Spar­dorf, Ober­haid, Geor­gens­gmünd, Post­bau­er-Heng und Adels­ho­fen. Sie kön­nen künf­tig von den Erfah­run­gen, Kon­tak­ten und Bera­tungs­lei­stun­gen pro­fi­tie­ren, die im Netz­werk ange­bo­ten werden.

Dis­ku­tiert wur­den auch die bis­he­ri­gen Erfol­ge und Her­aus­for­de­run­gen im Pakt zur nach­hal­ti­gen Beschaf­fung. „Trotz vie­ler Erfol­ge in der Umset­zung des Pak­tes, zei­gen Aus­wer­tun­gen und Umfra­gen, dass zeit­li­che, finan­zi­el­le und per­so­nel­le Res­sour­cen oft noch ein Hin­der­nis sind“, sagt Johann Kalb, Rats­vor­sit­zen­der der Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg und Land­rat des Land­krei­ses Bam­berg. Vie­le Kom­mu­nen wün­schen sich daher mehr Unter­stüt­zung durch die Bun­des- und Lan­des­ebe­ne. Die größ­te Her­aus­for­de­rung wird es sein, Pro­zes­se und Abläu­fe lang­fri­stig umzu­stel­len. Die Stadt Coburg geht hier mit gutem Bei­spiel vor­an: „Unse­re Beschaf­fungs­stel­le wird in Kür­ze ein ämter­über­grei­fen­des Ein­kauf­sy­stem in Betrieb neh­men und die ersten eige­nen Kata­lo­ge mit nach­hal­ti­gen Pro­duk­ten aus­schrei­ben. Unse­re Visi­on ist es, die­ses System Schritt für Schritt auf alle Berei­che des Beschaf­fungs­we­sens aus­zu­wei­ten“, so Domi­nik Sauer­teig, Ober­bür­ger­mei­ster der Stadt Coburg.

Wie viel­fäl­tig die Pro­dukt­pa­let­te der nach­hal­ti­gen Beschaf­fung sein kann, zeig­te der künst­le­ri­sche Bei­trag der ober­pfäl­zi­schen Kaba­ret­ti­stin Liz­zy Aumei­er. Aus einer auf der Büh­ne auf­ge­bau­ten „Black Box der nach­hal­ti­gen Beschaf­fung“ kamen unter ande­rem Pfla­ster­stei­ne, Warn­we­sten, T‑Shirts sowie ein Ted­dy­bär zum Vor­schein. Bei all die­sen Pro­duk­ten spielt es im Ein­kauf eine wich­ti­ge Rol­le, unter wel­chen Bedin­gun­gen sie pro­du­ziert wer­den. Beson­ders bei Spiel­wa­ren, die in der Regi­on durch vie­le Her­stel­ler tra­di­tio­nell stark ver­an­kert sind, sieht die Fair Toys Orga­ni­sa­ti­on, eine Mul­tista­ke­hol­der-Initia­ti­ve aus Mit­glie­dern der Spiel­wa­ren­bran­che und der Zivil­ge­sell­schaft mit Sitz in Nürn­berg, viel Poten­ti­al in der kom­mu­na­len Beschaffung.

Ziel der Orga­ni­sa­ti­on ist die Ent­wick­lung und Ver­ga­be eines Sie­gels, wel­ches glaub­wür­dig für eine fai­re und umwelt­freund­li­che Spiel­wa­ren­pro­duk­ti­on steht. Das könn­te für Kom­mu­nen inter­es­sant sein, die zum Bei­spiel ihre Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen aus­stat­ten. Für 2022 und 2023 hat sich die Fai­re Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg noch viel vor­ge­nom­men: die nach­hal­ti­ge Beschaf­fung soll stra­te­gisch fester eta­bliert wer­den, es sol­len wei­te­re Pro­dukt­grup­pen bei der Beschaf­fung in den Fokus genom­men, wie IT-Aus­stat­tung und Spiel­wa­ren, und der Dia­log mit den Anbie­tern und regio­na­len Unter­neh­men ver­tieft werden.

Mehr Infor­ma­tio­nen zu den Akti­vi­tä­ten der Fai­ren Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg fin­den Inter­es­sier­te unter: www​.fai​re​-metro​pol​re​gi​on​nu​ern​berg​.de

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