IG BAU Ober­fran­ken star­tet „Lock­ruf in die Wahl­ka­bi­ne“ per Film zum The­ma Ren­te: „…iXen gehen!“

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Spit­zen-Arbeits­pen­sum: Bau­ar­bei­ter im Kreis Kulm­bach arbei­ten 1.497 Stun­den pro Jahr

Bau­ar­bei­ter lei­sten „Spit­zen-Arbeits­pen­sum“: Pro Kopf arbei­ten Bau­be­schäf­tig­te bei­spiels­wei­se im Land­kreis Kulm­bach im Schnitt 1.497 Stun­den im Jahr. Das sind 181 Stun­den und damit 13,8 Pro­zent mehr als Beschäf­tig­te im Kreis Kulm­bach quer durch alle Beru­fe durch­schnitt­lich bei der Arbeit ver­brin­gen. Dar­auf hat die Indu­strie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt hin­ge­wie­sen. Die IG BAU Ober­fran­ken beruft sich dabei auf den aktu­el­len Arbeits­markt-Moni­tor des Wirt­schafts- und Sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Insti­tuts (WSI) der Hans-Böck­ler-Stif­tung. Die Wis­sen­schaft­ler haben dar­in eine Arbeits­zeit­ana­ly­se für 2019 – dem Jahr vor der Coro­na-Pan­de­mie – gemacht.

„Der Bau gehört dem­nach zu den Bran­chen mit einem Spit­zen­pen­sum bei der Arbeits­zeit“, sagt Gerald Nick­las. Der Bezirks­vor­sit­zen­de der IG BAU Ober­fran­ken geht davon aus, dass die Zahl der Arbeits­stun­den, die Bau­ar­bei­ter lei­sten, aktu­ell eher sogar noch zuge­nom­men hat: „In der Pan­de­mie hat es einen enor­men Auf­trags­stau im Bau­ge­wer­be gege­ben. Für vie­le Bau­be­schäf­tig­te sind Über­stun­den ohne­hin an der Tagesordnung.“

Der Arbeits­markt-Moni­tor des WSI lie­fert auch den Ver­gleich mit dem öffent­li­chen Dienst, dem Erzie­hungs­be­reich und dem Gesund­heits­sek­tor: Dem­nach wer­den auf dem Bau im Land­kreis Kulm­bach sogar 286 Stun­den pro Kopf im Jahr mehr gear­bei­tet als in die­sen Bran­chen. „Das liegt vor allem dar­an, dass auf dem Bau gilt: ent­we­der ganz oder gar nicht. Voll­zeit plus Über­stun­den – das ist die Regel: Den ‚Halb­tags­mau­rer‘ gibt es nicht. Bei oft lan­gen Anfahr­ten zur Bau­stel­le von 60 Kilo­me­tern und mehr funk­tio­niert kein Teil­zeit­mo­dell“, so Gerald Nicklas.

Das bedeu­te, dass Bau­be­schäf­tig­te „enorm lan­ge und enorm hart am Stück arbei­ten“. Die kör­per­li­che Bela­stung im Lau­fe eines Berufs­le­bens sei auf dem Bau gewal­tig: „Kaum ein Dach­decker schafft es bis zur Ren­te. Nur jeder Zehn­te arbei­tet noch zwi­schen dem 60. und 65. Lebens­jahr. Im Schnitt müs­sen Bau­ar­bei­ter vor 59 in Ren­te gehen, obwohl sie eigent­lich bis 67 durch­hal­ten müss­ten. Sie sind kör­per­lich ein­fach Jah­re frü­her am Ende und müs­sen dann zum Teil star­ke Abstri­che bei der Ren­te in Kauf neh­men“, sagt Gerald Nick­las von der IG BAU Oberfranken.

Zur gerin­ge­ren Ren­te kom­me dann auch noch eine gerin­ge­re Lebens­er­war­tung. Bei Män­nern sei dies beson­ders dra­stisch. So lebe ein Beam­ter sta­ti­stisch zum Bei­spiel 5,6 Jah­re län­ger als ein Arbei­ter. Ent­spre­chend län­ger bekom­me er auch sei­ne Pen­si­on. Das gehe aus einer aktu­el­len Unter­su­chung des Deut­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW) her­vor. „Hart arbei­ten und dann am Ende für eine kür­ze­re Zeit weni­ger Ren­te bekom­men – damit muss Schluss sein“, for­dert Gerald Nicklas.

„Der Bau im Land­kreis Kulm­bach ist typisch für das hohe Pen­sum an Arbeits­stun­den, das im Bau­ge­wer­be gelei­stet wird. Wer mehr und här­ter arbei­tet, soll­te am Ende aller­dings auch eine höhe­re Ren­te bekom­men als heu­te. Die neue Bun­des­re­gie­rung muss des­halb die Ren­te ab Herbst anpacken und auf neue Füße stel­len: Wir müs­sen end­lich Alters­ar­mut effek­ti­ver ver­hin­dern. Und auch eine gerin­ge­re Lebens­er­war­tung muss aus­ge­gli­chen wer­den“, for­dert der Bun­des­vor­sit­zen­de der IG BAU, Robert Fei­ger. Er spricht sich für eine „grund­le­gen­de Ren­ten­re­form“ aus: „Bei der Ren­te muss die Reset-Taste gedrückt wer­den. Not­wen­dig ist eine Ren­ten­kas­se, in die alle ein­zah­len – Arbei­ter, Ange­stell­te, Selb­stän­di­ge, Beam­te, Par­la­men­ta­ri­er und Mini­ster: der Polier genau­so wie die Pro­fes­so­rin und der Politiker.“

Damit das pas­sie­re, sei eine Bot­schaft wich­tig: „Eine siche­re und gute Ren­te kann man wäh­len“, so Fei­ger. Der IG BAU-Chef appel­liert des­halb, „einen kri­ti­schen Blick in die Wahl­pro­gram­me der Par­tei­en zu wer­fen und genau zuzu­hö­ren, was von denen kommt, die in den Bun­des­tag und ins Kanz­ler­amt wol­len“. Die Zie­le der Par­tei­en zur Ren­te sei­en sehr unter­schied­lich. Die Gewerk­schaft hat des­halb jetzt einen „Lock­ruf in die Wahl­ka­bi­ne“ gemacht – Wahl-Clips mit der Auf­for­de­rung: „… iXen gehen!“. Es sind Film-Spots mit skur­ri­len Sze­nen und kurio­sen Cha­rak­ter­ty­pen – wie dem „Mara­thon-Schuf­ter“ auf einer Bau­stel­le, der mit 78 Jah­ren noch Säcke auf dem Bau schlep­pen muss. Dazu der Kom­men­tar: „Deutsch­land, dei­ne Rent­ner. Solan­ge sie noch atmen, sol­len sie auch arbeiten.“

Video der IG BAU

Die IG BAU macht damit einen „Weck­ruf zur Wahl“: „Es geht dar­um, die Pro­ble­me, die den Men­schen auf den Nägeln bren­nen, klar auf den Punkt zu brin­gen – mit einem Augen­zwin­kern. Ob per Brief­wahl am Küchen­tisch oder am 26. Sep­tem­ber in der Wahl­ka­bi­ne: Wich­tig ist, dass die Men­schen wäh­len gehen“, sagt der IG BAU-Bun­des­vor­sit­zen­de Robert Feiger.

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