Schmerz­zen­trum Kli­ni­kum Coburg fei­ert Jubiläum

Das REGIOMED Klinikum in Lichtenfels beherbergt das Schmerzzentrum für stationäre Reha. Foto: Christoph Winter
Das REGIOMED Klinikum in Lichtenfels beherbergt das Schmerzzentrum für stationäre Reha. Foto: Christoph Winter

10 Jah­re Schmerz­ta­ges­kli­nik, 20 Jah­re Schmerz­am­bu­lanz in Coburg

Seit nun­mehr 20 Jah­ren gibt eine Schmerz­am­bu­lanz am Kli­ni­kum, seit zehn Jah­ren nimmt sich ein The­ra­peuten­team der Schmerz­ta­ges­kli­nik des Kran­ken­hau­ses Coburg chro­ni­scher Schmerz­pa­ti­en­ten an. Die Ursa­chen für chro­ni­sche Schmer­zen sind viel­fäl­tig. The­ra­pien haben das gesam­te Lebens­um­feld im Blick.

Uner­klär­li­che Schmer­zen – jeden Tag, jede Nacht, seit Mona­ten. Immer mehr Schmerz­ta­blet­ten um noch eine Wir­kung zu errei­chen. Der Schmerz nimmt immer mehr Platz im Leben ein.

Ein Gespräch mit Dr. Klaus Post, Chef­arzt des Schmerz­zen­trums am Kli­ni­kum Coburg, über die Aus­wir­kun­gen chro­ni­scher Schmer­zen, The­ra­pie­mög­lich­kei­ten und vor­beu­gen­des Verhalten.

Herr Dr. Post, immer mehr Men­schen wer­den von Schmer­zen geplagt, ohne dass Ver­let­zun­gen vor­lie­gen oder aku­te Erkran­kun­gen. Meist haben sol­che Pati­en­ten schon vie­le Ärz­te ver­schie­den­ster Fach­rich­tun­gen auf­ge­sucht, aber der Schmerz ist geblie­ben. Wie kann die Schmerz­the­ra­pie helfen?

Dr. Klaus Post, Chefarzt der Schmerztagesklinik in Coburg, und ein Team von Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten stehen Menschen mit chronischen Schmerzen zur Seite. Die Schmerztagesklinik wurde im Sommer 2011 eingerichtet. Foto: Christoph Winter

Dr. Klaus Post, Chef­arzt der Schmerz­ta­ges­kli­nik in Coburg, und ein
Team von Ärz­ten, Psy­cho­lo­gen und Phy­sio­the­ra­peu­ten ste­hen Men­schen mit chro­ni­schen Schmer­zen zur Sei­te. Die Schmerz­ta­ges­kli­nik
wur­de im Som­mer 2011 ein­ge­rich­tet. Foto: Chri­stoph Winter

Die spe­zia­li­sier­te Schmerz­the­ra­pie, d.h. Ärz­te, The­ra­peu­ten und Ein­rich­tun­gen, die sich auf die Behand­lung von Men­schen mit chro­ni­schen Schmer­zen spe­zia­li­siert haben, besit­zen meist eine Zusatz­qua­li­fi­ka­ti­on, um das gro­ße Spek­trum chro­ni­scher Schmer­z­er­kran­kun­gen zu über­blicken und den Pati­en­ten die rich­ti­ge Behand­lung zu ermög­li­chen. Hier steht dann meist nur noch das Beschwer­de­bild „Schmerz“ im Fokus und fach­ärzt­li­che Dia­gno­stik ist bereits erfolgt. Zudem hat die moder­ne Schmerz­the­ra­pie heu­te fast immer einen inter­dis­zi­pli­nä­ren Behand­lungs­an­satz, d.h. Behand­lung durch ein spe­zia­li­sier­tes Therapieteam.

Wenn jemand immer wie­der unter Kopf­schmer­zen lei­det, soll­te er dann eine Schmerz­kli­nik aufsuchen?

Das hängt von ver­schie­de­nen Kri­te­ri­en ab: Wie­viel Kopf­schmerz­ta­ge im Monat? Wie sehr ist der Betrof­fe­ne im All­tag, Arbeit oder Schu­le ein­ge­schränkt? Wie­viel Schmerz­mit­tel­ta­ge gibt es, d.h. wie oft wer­den Schmerz­mit­tel im Monat ein­ge­nom­men? Wesent­lich für eine Schmerz­be­hand­lung ist aller­dings die Dia­gno­se­stel­lung oder die Kennt­nis des Schmerz­me­cha­nis­mus. Bei Kopf­schmerz z.B. eine Migrä­ne, Span­nungs­kopf­schmerz und natür­lich auch der Aus­schluss einer son­sti­gen Erkran­kung. Wenn Schmerz­be­schwer­den trotz Behand­lung wenig beein­fluss­bar sind, über Mona­te anhal­ten und auch die Psy­che beein­träch­ti­gen, soll­ten Betrof­fe­ne über eine Vor­stel­lung in einer inter­dis­zi­pli­nä­ren Schmerz­the­ra­pie nach­den­ken. Wich­tig zu wis­sen, je län­ger ich mit der Behand­lung war­te, desto grö­ßer ist die Gefahr eine dau­er­haf­ten Chro­ni­fi­zie­rung. Und Schmerz­the­ra­pie heißt auch nicht sofort Kran­ken­haus­be­hand­lung. Im Ver­bund der REGIO­MED Kli­ni­ken wer­den Schmerz­am­bu­lan­zen in Hild­burg­hau­sen, Lich­ten­fels und in unse­rem MVZ in Coburg vorgehalten.

Wie vie­le Pati­en­ten kom­men im Jahr zu Ihnen und Ihrem Team der Schmerztagesklinik?

In unse­rer Tages­kli­nik und unse­rem MVZ betreu­en wir im Jahr ca. 1000 Pati­en­ten. Das sind Men­schen jeg­li­chen Alters und unter­schied­li­cher Schmerz­be­schwer­den, im Schwer­punkt Rücken‑, Kopf- und Ner­ven­schmer­zen. Durch­schnitt­lich dau­ert die The­ra­pie in der Tages­kli­nik fünf Wochen.

Hier bie­ten wir ver­schie­de­ne The­ra­pie­pro­gram­me an. Ein Kopf­schmerz­pro­gramm für Kin­der und Jugend­li­che, eine Vier­wo­chen­the­ra­pie für Erwach­se­ne und ab 2022 wie­der ein The­ra­pie­pro­gramm für Senio­ren. Wir freu­en uns auch in den letz­ten Jah­ren ein inte­gra­ti­ves The­ra­pie­pro­gramm auf­ge­baut zu haben mit den Schwer­punk­ten Yoga, Acht­sam­keit und Inter­vall­fa­sten, das wir in modi­fi­zier­ter Form zukünf­tig mit den Kol­le­gen der Onko­lo­gie Krebs­pa­ti­en­ten anbie­ten wollen.

Wie gehen die Unter­su­chun­gen und die Behand­lung in der Schmerz­kli­nik vor sich?

Kli­nik­be­hand­lung bei chro­ni­schen Schmer­zen, wie Rücken‑, Kopf- oder Ner­ven­schmer­zen setzt bestimm­te Kri­te­ri­en vor­aus: Ambu­lan­te The­ra­pie ist aus­ge­schöpft, eine Medi­ka­men­ten­über- oder Fehl­ge­brauch liegt vor und psy­cho­so­zia­len Fak­to­ren erschwe­ren das Gesun­den. Moder­ne Schmerz­me­di­zin ver­folgt auch immer einen bio-psy­cho-sozia­len The­ra­pie­an­satz, d.h. Lin­de­rung auf kör­per­li­cher und see­li­scher Ebe­ne sowie auch der sozia­len Inter­ak­ti­on. Der Pati­ent wird zur Dia­gno­se­stel­lung, wie auch zur Behand­lung von einem kon­stan­ten The­ra­pie­team aus Medi­zin, Psy­cho­lo­gie und Phy­sio­the­ra­pie behan­delt. Der Erfolg einer mul­ti­moda­len Schmerz­the­ra­pie liegt vor allem im tages­ak­tu­el­len inter­dis­zi­pli­nä­ren Aus­tausch der The­ra­peu­ten. Ziel einer Behand­lung ist aber nicht nur die Lin­de­rung der Schmerz­be­schwer­den. Die Pati­en­ten sol­len wie­der Freu­de an der Bewe­gung erfah­ren, Ver­mei­dungs­ver­hal­ten abbau­en, Ler­nen, was kann ich selbst gegen mei­ne Schmer­zen unter­neh­men. Dazu bie­ten wir unse­ren Pati­en­ten in Coburg mitt­ler­wei­le seit zehn Jah­ren ein viel­fäl­ti­ges – inte­gra­ti­ves mul­ti­moda­les – The­ra­pie­pro­gramm an, wel­ches bewähr­te Ver­fah­ren der Schul­me­di­zin um The­ra­pie­ver­fah­ren der Natur­heil­kun­de ergänzt. Zusam­men­fas­send: gute Schmerz­the­ra­pie nimmt den Pati­en­ten erst ein­mal ernst und beglei­tet ihn auf sei­nem Weg durch die The­ra­pie. Wie sag­ten zwei unse­rer Kopf­schmerz­kin­der letz­te Woche nach der The­ra­pie: „Wir haben kei­ne Angst mehr vor dem Schmerz und wis­sen, was wir selbst dage­gen tun kön­nen, ohne sofort zur Schmerz­ta­blet­te zu greifen“.

Chri­stoph Winter

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