Eber­mann­stadt: ABS-Exper­te Dr. Rüdi­ger Cle­menz opti­miert die Ver­ab­rei­chung von Anti­bio­ti­ka bei Patienten

Dr. Rüdiger Clemenz / Foto: Klinikum Fränkische Schweiz
Dr. Rüdiger Clemenz / Foto: Klinikum Fränkische Schweiz

Die unre­flek­tier­te Gabe von Breit­spek­truman­ti­bio­ti­ka – das sind Medi­ka­men­te, die mit ihrer Wir­kung ein brei­tes Spek­trum an Bak­te­ri­en erfas­sen – begün­stigt die Bil­dung von Resi­sten­zen bei Bak­te­ri­en und ande­ren Mikro­or­ga­nis­men. Ins­be­son­de­re für immun­ge­schwäch­te Men­schen kön­nen die­se mul­ti­re­si­sten­ten Erre­ger (MRE) gefähr­lich sein, wenn sie zu einer Infek­ti­on füh­ren. Daher sind Kran­ken­häu­ser ange­hal­ten, Anti­bio­tic-Ste­wardship-beauf­trag­te (ABS-) Ärz­te aus­zu­bil­den und ABS-Teams zu bilden.

Dr. med. Rüdi­ger Cle­menz, lei­ten­der Ober­arzt der Inten­siv­sta­ti­on in Eber­mann­stadt, ist seit Juli 2021 zer­ti­fi­zier­ter ABS-Exper­te nach erfolg­rei­chem Abschluss der Fort­bil­dung. Nach dem Basis­kurs (drei Modu­le à zwei Tage) besteht das erfor­der­li­che Semi­nar der Deut­schen Gesell­schaft für Infek­tio­lo­gie aus drei Wochen­kur­sen (Fel­low-Kurs, Advan­ced-Kurs und Expert-Kurs), wobei letz­te­rer mit einer Pro­jekt­ar­beit abge­schlos­sen wer­den muss. Geziel­te, kur­ze Behand­lung mit Schmalspektrum-Penicillinen
Ziel ist es, die Stra­te­gien zur Siche­rung der ratio­na­len Anti­bio­ti­ka-Anwen­dung umzusetzen.

„Kon­kret bedeu­tet es, dass wir je nach Krank­heits­bild gezielt und mög­lichst schmal – also mit Schmal­spek­trum-Peni­cil­li­nen – agie­ren, kurz behan­deln und, wenn mög­lich, auf eine ora­le Fol­ge­the­ra­pie umstel­len, also weg von der intra­ve­nös ver­ab­reich­ten Medi­ka­ti­on‚ per Sprit­ze‘“, erläu­tert Dr. Cle­menz. Als lei­ten­der Ober­arzt, Hygie­ne­be­auf­trag­ter Arzt und ABS-Exper­te in Per­so­nal­uni­on ist der gebür­ti­ge Erlan­ger täg­lich bei der Visi­te auf der Inten­siv­sta­ti­on dabei. Die­se ABS-Visiten
die­nen der regel­mä­ßi­gen Beur­tei­lung der anti­bio­ti­schen The­ra­pien: Was ist die Ursa­che für die Ver­ord­nung? Stimmt die Aus­wahl der Sub­stan­zen, ihre Dosie­rung und die Art und Wei­se der Medi­ka­men­ten­ga­be? Ist die The­ra­pie­dau­er angemessen?

Auch auf den ande­ren Sta­tio­nen bie­tet er Anti­bio­ti­ka­vi­si­ten an und lei­tet die Kol­le­gen bei der Umset­zung der Emp­feh­lun­gen an. Außer­dem erstellt und aktua­li­siert er die haus­in­ter­nen, stan­dar­di­sier­ten Vor­ge­hens­wei­sen zu bestimm­ten Krank­heits­bil­dern wie Sep­sis (Blut­ver­gif­tung), Pneu­mo­nie (Lun­gen­ent­zün­dung), Harn­wegs­in­fek­ten und Sta­phy­lo­coc­cus aure­us-Bak­te­ri­ämi­en (Infek­ti­on ver­ur­sacht durch die­ses Bak­te­ri­um). Zur kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­brauchs­über­wa­chung wer­den die Daten der belie­fern­den Apo­the­ke des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Erlan­gen aus­ge­wer­tet. Anti­bio­ti­ka­vi­si­ten stei­gern und gemein­sa­me Leit­li­ni­en erstel­len Als ABS-beauf­trag­ter Arzt möch­te Dr. Cle­menz die Anti­bio­ti­ka­vi­si­ten in Zukunft noch aus­deh­nen, sodass er ein­mal pro Woche auf allen Sta­tio­nen in Eber­mann­stadt mit den zustän­di­gen Ärz­ten die Medi­ka­men­ten­ga­be für die Pati­en­ten mit Anti­bio­ti­ka­the­ra­pie bespre­chen sowie Impul­se geben kann, was sich ändern und ver­bes­sern ließe.

In Zusam­men­ar­beit mit dem ABS-Team in Forch­heim sol­len die haus­in­ter­nen Anti­bio­ti­ka-Listen ver­ein­heit­licht und die Leit­li­ni­en gemein­sam erstellt wer­den. Auf der Inten­siv­sta­ti­on wird bei bestimm­ten Krank­heits­bil­dern wie Sta­phy­lo­coc­cus aure­us-Bak­te­ri­ämie oder Endo­kar­di­tis (Herz­klap­pen­ent­zün­dung) per Dau­er­in­fu­si­on mit­tels einem Per­fu­sor – einer Sprit­zen­pum­pe – Anti­bio­ti­ka inji­ziert. Hier arbei­tet die Kli­nik in Eber­mann­stadt seit Neue­stem im Rah­men der Anti­bio­ti­kaspie­gel­be­stim­mung, die zur indi­vi­dua­li­sier­ten, pati­en­ten­ge­rech­ten Fest­le­gung der Dosis not­wen­dig ist, mit dem Labor des Insti­tuts für Bio­me­di­zi­ni­sche und Phar­ma­zeu­ti­sche For­schung unter Lei­tung von Prof. Dr. Fritz Sör­gel in Herolds­berg zusammen.

Drug Moni­to­ring – modern­ste Behandlungsmöglichkeiten

Prof. Dr. Fritz Sör­gel sagt: „Dies ist ein Bei­spiel wie auch in einer klei­ne­ren Kli­nik modern­ste Behand­lungs­mög­lich­kei­ten ange­wen­det wer­den. Mit dem Drug Moni­to­ring dürf­te die Eber­mann­städ­ter Kli­nik in ihrer Lei­stungs­fä­hig­keit im obe­ren Drit­tel von ver­gleich­bar gro­ßen Häu­sern ste­hen. Über die Zusam­men­ar­beit ist es mög­lich, dass der Stand­ort in der Frän­ki­schen Schweiz von den Erfah­run­gen ande­rer Kol­le­gen in gro­ßen natio­na­len wie inter­na­tio­na­len Kli­ni­ken Tipps für die eige­ne The­ra­pie bekommt.“

Die­ser Umgang mit Anti­bio­ti­ka in Eber­mann­stadt sei auch aus umwelt­po­li­ti­scher Sicht vor­bild­lich, so der Arz­nei­mit­tel­ex­per­te: Über Dosie­run­gen wer­de ver­mie­den, dass Sub­stan­zen aus dem Kran­ken­haus in die Umwelt kom­men und zur wei­te­ren Resi­stenz­bil­dung bei­tra­gen können.