100 Jah­re SRK Klein­ge­see nach­ge­fei­ert – Reser­vi­sten­ver­ei­ne sind wich­ti­ger denn je

Die beiden noch lebenden Gründungsmitglieder Wilfried Wolf und Erhard Ruder des Reservistenvereins Kleingesee die für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt wurden zwischen CSU-Bundestagsabgeordneter Silke Launert und Bürgermeister Hanngörg Zimmermann mit Vereinsvorsitzendem Gerhard Dressel (l.). Foto: T. Weichert
Die beiden noch lebenden Gründungsmitglieder Wilfried Wolf und Erhard Ruder des Reservistenvereins Kleingesee die für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt wurden zwischen CSU-Bundestagsabgeordneter Silke Launert und Bürgermeister Hanngörg Zimmermann mit Vereinsvorsitzendem Gerhard Dressel (l.). Foto: T. Weichert

Es soll­te letz­tes Jahr ein gro­ßes Fest wer­den. Mit gepan­zer­ten Fahr­zeu­gen der Bun­des­wehr und einer Hau­bit­ze. Doch dann kam Coro­na und die bereits geplan­te 100-Jahr­fei­er der Sol­da­ten- und Reser­vi­sten­ka­me­rad­schaft (SRK) Klein­ge­see muss­te abge­sagt wer­den. An die­sem Wochen­en­de wur­de daher nur ein klei­nes inter­nes Som­mer­fest mit einem Fest­akt in der Kra­chers­hö­he gefei­ert zu dem neben Bür­ger­mei­ster und Ver­eins­mit­glied Hanngörg Zim­mer­mann und CSU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter Sil­ke Lau­nert auch der Forch­hei­mer Weren­fried Bro­ja in sei­ner Eigen­schaft als ober­frän­ki­scher Orga­ni­sa­ti­ons­lei­ter des Ver­bands der Reser­vi­sten der Deut­schen Bun­des­wehr und der stell­ver­tre­ten­de Kreis­vor­sit­zen­de des Reser­vi­sten­ver­bands Franz Küff­ner aus Peg­nitz kamen um die zahl­rei­chen Ehrun­gen vorzunehmen.

Gegrün­det wur­de der ein­sti­ge Krie­ger- und Vete­ra­nen­ver­ein Klein­ge­see am 4. Janu­ar 1920 in der Bier­wirt­schaft Schmitt von sie­ben Kriegs­heim­keh­rern des Ersten Welt­kriegs zur Kame­rad­schafts­pfle­ge. Das Grün­dungs­pro­to­koll ist als ein­zi­ges Doku­ment des Krie­ger- und Vete­ra­nen­ver­eins noch erhal­ten. Die Mit­glie­der­zahl wuchs schnell an bis der Ver­ein dann im Drit­ten Reich ver­bo­ten wur­de. Die Wie­der­grün­dung fand 1965 statt, ein Jahr spä­ter konn­te die Fah­nen­wei­he gefei­ert wer­den. Der Wie­der­grün­dungs­vor­stand bestand aus Vor­sit­zen­dem Johann Sim­mer­lein, sei­nem Stell­ver­tre­ter Kon­rad Mül­ler, Kas­sier Ste­fan Mül­ler und Schrift­füh­rer Joa­chim Gebhardt.

Im Jah­re 1970 wur­de in Klein­ge­see ein Reser­vi­sten­ver­ein für ehe­ma­li­ge Sol­da­ten der Bun­des­wehr gegrün­det der dann 1999 mit dem Krie­ger- und Vete­ra­nen­ver­ein zur heu­ti­gen SRK fusio­nier­te die aktu­ell 44 Reser­vi­sten der Bun­des­wehr und sie­ben Mit­glie­der des Baye­ri­schen Sol­da­ten­bunds (BSB) ange­hö­ren. Der Schwer­punkt liegt auf den Reser­vi­sten, von denen in letz­ter Zeit sogar jün­ge­re Mit­glie­der hin­zu­ka­men. Vor­sit­zen­der Ger­hard Dres­sel erklärt aber das die Mit­glie­der­zahl sta­gniert, vor allem auch weil es kei­ne Wehr­pflicht mehr gibt. Eini­ge „Krie­ger­ver­ei­ne“ sei­en schon aus­ge­stor­ben und es sei auch irgend­wann mög­lich das die SRK Klein­ge­see das glei­che Schick­sal ereilt weil kei­ne Reser­vi­sten mehr nachkommen.

Heu­te wie damals ist die Kame­rad­schafts­pfle­ge nach wie vor wich­tig, eine der Haupt­auf­ga­ben ist aber die Pfle­ge und der Erhalt des Krie­ger­denk­mals an der Herz-Jesu-Kir­che. Mit viel ehren­amt­li­chen Stun­den wur­de das Ehren­mal der Gefal­le­nen und Ver­miss­ten der bei­den Welt­krie­ge erst letz­tes Jahr für 5600 Euro restau­riert. 5000 Euro steu­er­te die Markt­ge­mein­de dazu bei.

Wie Major d. R. Weh­ren­fried Bro­ja jedoch betont, wer­den Reser­vi­sten­ver­ei­ne auf­grund der Sicher­heits­vor­sor­ge immer wich­ti­ger. Durch die Aus­set­zung der Wehr­pflicht stün­den zwar immer weni­ger Reser­vi­sten zur Ver­fü­gung, neu ab die­sem Jahr sei aber der „frei­wil­li­ge Wehr­dienst im Hei­mat­schutz“ mit dem man den Man­gel an Reser­vi­sten aus­glei­chen will. Erfor­der­lich dazu sind sie­ben Mona­te Prä­sen­z­aus­bil­dung als frei­wil­li­ge Wehr­dienst­lei­ten­de um sich anschlie­ßen bis zu fünf Jah­re für Reser­ve­dienst­lei­stun­gen der Bun­des­wehr zu ver­pflich­ten. Ein­ge­setzt wer­den die so aus­ge­bil­de­ten Reser­vi­sten als Siche­rungs­sol­da­ten oder im Rah­men des Kata­stro­phen­schut­zes im Inland. Wie wich­tig dies sei, habe sich bei der Flut­ka­ta­stro­phe im Ahr­tal gezeigt. Die­ses Pilot­pro­jekt umfasst heu­er 1000 Stellen.

In Ober­fran­ken gibt es aktu­ell rund 4200 orga­ni­sier­te Reser­vi­sten von denen 33 Pro­zent unter 40 Jah­ren sind. In den letz­ten vier Jah­ren habe man zwar 150 Mit­glie­der in den Reser­vi­sten­ver­ei­nen ver­lo­ren, 164 waren jedoch ver­stor­ben. Es kamen somit auch neue hin­zu. Außer­dem kann jeder, auch Aus­län­der, der sich zur frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung bekennt, Mit­glied in einem Reser­vi­sten­ver­ein wer­den und als unge­dien­ter Bun­des­wehr­sol­dat zum Reser­vi­sten aus­ge­bil­det wer­den, so Bro­ja. Ein Reser­vi­sten­ver­ein wie Klein­ge­see sei sehr wohl wich­tig für den Zusam­men­halt der Reser­vi­sten, auch wenn sie nicht mehr im akti­ven Reser­vi­sten­dienst sind.

„Wer nicht ganz blind ist weiß das die Wehr­haf­tig­keit wich­tig ist wenn wir unse­re Frei­heit behal­ten wol­len“, sag­te Lau­nert und beton­te, dass man genau des­halb auch in Zukunft die Sol­da­ten­ver­ei­ne brau­che. Denn wer die chi­ne­si­schen Expan­si­ons­be­we­gun­gen beob­ach­te wis­se wie wich­tig es sei immer wehr­haft zu sein. 70 Jah­re Frie­den habe man sich auch mit der Bereit­schaft der Reser­vi­sten erkämpft, so die Abge­ord­ne­te, die den Ein­satz der Bun­des­wehr in Afgha­ni­stan nicht pau­schal verurteilt.

Lau­nert freu­te sich das end­lich wie­der etwas, wie das klei­ne Som­mer­fest, statt­fand bei dem man nor­ma­le Men­schen tref­fen kann. Bür­ger­mei­ster Zim­mer­mann über­brach­te auch die Glück­wün­sche des Mark­tes und beton­te eben­falls die Wich­tig­keit von Sol­da­ten- und Reser­vi­sten­ka­me­rad­schaf­ten. Erhard Ruder und Win­fried Wolf haben 1970 den Reser­vi­sten­ver­ein mit­ge­grün­det und wur­den daher als Grün­dungs­mit­glie­der beson­ders geehrt. 50 Jah­re dabei sind auch Josef For­ster und Lud­wig Buch­holz die ein Jahr spä­ter ein­tra­ten. Für 40 Jah­re Mit­glied­schaft geehrt wur­den Peter Brüt­ting und Bern­hardt Bau­ern­schmidt und für 25 Jah­re Gün­ther Dür­ler. Ehren­na­deln für beson­de­re Ver­dien­ste im Reser­vi­sten­ver­band erhiel­ten Jür­gen Schil­ler, Edi Sin­ger, Peter Brüt­ting und Nor­bert Seybold.