Kli­ni­kum Forch­heim-Frän­ki­sche Schweiz setzt erst­mals den klein­sten Herz­schritt­ma­cher der Welt ein

Dr. Samir Murad mit kleinstem Herzschrittmacher. © Klinikum Fränkische Schweiz
Dr. Samir Murad mit kleinstem Herzschrittmacher. © Klinikum Fränkische Schweiz

Das Team um den Chef­arzt der Kar­dio­lo­gie, Dr. Samir Murad, setz­te am 4. August einem 78-jäh­ri­gen Pati­en­ten als eines der ersten Kran­ken­häu­ser im Land­kreis Forch­heim das Mic­ra™ AV-System – den welt­weit klein­sten Schritt­ma­cher – ein, der völ­lig ohne Kabel aus­kommt und eine atrio­ven­tri­ku­lä­re (AV) Syn­chro­ni­tät bereitstellt.

Auf­grund einer Gefäß­ano­ma­lie beim Pati­en­ten war der Ein­satz eines her­kömm­li­chen Schritt­ma­chers nicht mög­lich. Die­ser neue Herz­schritt­ma­cher wur­de für die Behand­lung von Pati­en­ten mit AV-Block entwickelt.

© Micra AV

© Mic­ra AV

Die soge­nann­te Kar­dio­kap­sel kommt mit einem Zehn­tel der Grö­ße her­kömm­li­cher Schritt­ma­cher aus und kann des­we­gen mini­mal­in­va­siv direkt ins Herz implan­tiert wer­den. Es sind kei­ne Elek­tro­den oder eine chir­ur­gi­sche „Tasche“ unter der Haut erfor­der­lich, der Schritt­ma­cher ist dadurch für den Pati­en­ten unsicht­bar. Dr. Murad sieht auch im gerin­ge­ren Infek­ti­ons­ri­si­ko einen Vor­teil für den Pati­en­ten sowie in der gerin­ge­ren Kom­pli­ka­ti­ons­an­fäl­lig­keit, weil das Gerät kei­ne Son­den hat.

„Dies ist ein gro­ßer Fort­schritt in der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung von Schritt­ma­cher­pa­ti­en­ten“, sagt Chef­arzt Dr. Samir Murad, „weil wir nun auch AV-Block-Pati­en­ten kabel­los mit der Kar­dio­kap­sel ver­sor­gen können“.

Ein AV-Block ist eine Herz­krank­heit, bei der die elek­tri­sche Reiz­lei­tung zwi­schen den Kam­mern des Her­zens (Vor­hö­fe und Ven­tri­kel) gestört ist. Schritt­ma­cher, die ver­brei­tet­ste Behand­lungs­me­tho­de bei AV-Block, tra­gen zur Wie­der­her­stel­lung des nor­ma­len Herz­rhyth­mus bei und lin­dern Sym­pto­me wie Kurz­at­mig­keit, Schwin­del oder Ohn­macht etc., indem sie die elek­tri­sche Akti­vi­tät der Vor­hö­fe und Ven­tri­kel koor­di­nie­ren. Wenn die­ser Pro­zess – als AV-Syn­chro­ni­tät bekannt – erreicht ist, sind Pati­en­ten gesün­der, haben eine bes­se­re Lebens­qua­li­tät und die Durch­blu­tung vom lin­ken Ven­tri­kel ist wie­der erhöht.

In Deutsch­land tra­gen etwa 500.000 Men­schen einen Herz­schritt­ma­cher. Jähr­lich wer­den ca. 35.000 Pati­en­ten davon mit einem AV-Block-Lei­den ver­sorgt. (Quel­le: Jah­res­be­richt 2017 des Deut­schen Herz­schritt­ma­cher- und Defibrillator-Registers)

Histo­risch gese­hen wer­den Pati­en­ten mit AV-Block mit kon­ven­tio­nel­len Zwei­kam­mer-Schritt­ma­chern behan­delt, die in den obe­ren Brust­raum unter die Haut unter­halb des Schlüs­sel­beins implan­tiert wer­den und mit dem Her­zen anhand von dün­nen Kabeln, soge­nann­ten „Elek­tro­den“, ver­bun­den werden.

Das Mic­ra AV-System ent­spricht der Grö­ße einer Vit­amin­ta­blet­te (sie­he Foto). Zusätz­lich zum Vor­gän­ger­mo­dell hat der Mic­ra AV einen inte­grier­ten Sen­sor, der kon­ti­nu­ier­lich die Her­z­ak­ti­vi­tät und ‑tak­tung eines Pati­en­ten erkennt, aus­wer­tet und dadurch eine koor­di­nier­te Sti­mu­la­ti­on zwi­schen Ven­tri­kel und Vor­hof ermög­licht, also AV-Syn­chro­ni­tät herstellt.

Mic­ra AV erhielt im März 2020 die CE-Zulas­sung für Euro­pa und somit auch für Deutschland.

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