Bay­reuth: Land­kreis setzt auf gebiets­hei­mi­sches Saatgut

BU: Bir­git Elit­zer-Böh­ner, Bern­hard Seu­bert (bei­de Bio­di­ver­si­täts­be­ra­ter), Hans Behr (Fach­kraft der unte­ren Natur­schutz­be­hör­de), Land­wirt Johan­nes Ber­ner mit Sohn Moritz Ber­ner, Ste­fan Weigl (Fach­kraft der unte­ren Natur­schutz­be­hör­de) sowie Nora Sichert und Ste­fan Hof­mann von den Landschaftspflegeverbänden.

Bay­reuth – Der Land­kreis Bay­reuth setzt voll auf gebiets­hei­mi­sches Saat­gut. Die­ses soll ver­wen­det wer­den, um arten­rei­che Wie­sen in der Regi­on neu anzu­le­gen oder wie­der­her­zu­stel­len. Die tat­kräf­ti­gen Hel­fer hei­ßen dabei „Wie­se­fix“ und „Ebeet­le“. Der Land­kreis hat sich das Trak­tor­an­bau­ge­rät und das hand­ge­führ­te Elek­tro­ge­rät ange­schafft, um künf­tig schnel­ler, ein­fa­cher und bes­ser das so begehr­te gebiets­ei­ge­ne Wie­sen-Saat­gut ern­ten zu kön­nen. Der Land­wirt Johan­nes Ber­ner, die Bio­di­ver­si­täts­be­ra­ter der unte­ren Natur­schutz­be­hör­de Bern­hard Seu­bert und Bir­git Elit­zer-Böh­ner, Fach­kraft der unte­ren Natur­schutz­be­hör­de Ste­fan Weigl sowie die Ver­tre­ter der Land­schafts­pfle­ge­ver­bän­de Ste­fan Hof­mann und Nora Sichert, prä­sen­tier­ten die neu­en Gerä­te der Öffentlichkeit.

Die wich­tig­sten Fra­gen und Antworten:

War­um wur­den Wie­sen­sa­men-Ern­te­ge­rä­te im Land­kreis Bay­reuth ange­schafft? Gebiets­ei­ge­nes Wie­sen-Saat­gut ist der­zeit kaum zu bekom­men und wird für die Anla­ge von natur­schutz­fach­lich wert­vol­len Flä­chen und arten­rei­chen Blüh­wie­sen benö­tigt. Der Land­kreis Bay­reuth hat daher in Zusam­men­ar­beit mit den bei­den Land­schafts­pfle­ge­ver­bän­den im Land­kreis ein Pro­jekt zur Gewin­nung von gebiets­ei­ge­nem Saat­gut gestar­tet, zwei Wie­sen­sa­men­ern­te­ge­rä­te erwor­ben und in Betrieb genommen.

Wel­che Gerä­te wur­den ange­schafft – und wie funk­tio­nie­ren sie?

Das Trak­tor­an­bau­ge­rät Wie­se­fix und das hand­ge­führ­te Elek­tro­ge­rät Ebeet­le wer­den in Zukunft im Land­kreis arten­rei­che Wie­sen beern­ten. Bei­de Maschi­nen bür­sten die Samen aus der Wie­se her­aus und sam­meln Sie in einem Auf­fang­be­häl­ter. Die­ser wird anschlie­ßend noch auf der Flä­che auf ein Lei­nen­tuch geleert, damit sich das Samen­ma­te­ri­al nicht erwärmt und die auf­ge­nom­me­nen Insek­ten flüch­ten kön­nen. Anschlie­ßend wer­den die Samen luft­ge­trock­net und gereinigt.

War­um ist die Ver­wen­dung von gebiets­hei­mi­schen Saat­gut so wichtig?

Bei der Neu­an­la­ge oder Wie­der­her­stel­lung von arten­rei­chen Wie­sen wird bis­her häu­fig han­dels­üb­li­ches Saat­gut ver­wen­det, das nicht der regio­na­len Gen-Aus­stat­tung ent­spricht und Arten ent­hält, die in der Umge­bung der zu ent­wickeln­den Flä­che nicht vor­han­den sind. Dies kann zu einer Ver­än­de­rung und Ver­min­de­rung der regio­na­len Bio­di­ver­si­tät füh­ren. Des­halb ist es wich­tig, dass für die Neu­an­la­ge oder Wie­der­her­stel­lung von arten­rei­chen Wie­sen gebiets­ei­ge­nes Saat­gut mög­lichst aus näch­ster Umge­bung genutzt wird. Als gebiets­ei­gen wer­den ein­hei­mi­sche Pflan­zen bezeich­net, die sich in einem bestimm­ten Natur­raum über einen lan­gen Zeit­raum in vie­len Genera­tio­nen­fol­gen ver­mehrt haben, so dass eine gene­ti­sche Dif­fe­ren­zie­rung zu ande­ren Popu­la­tio­nen und somit eine loka­le Anpas­sung vor­han­den ist (BMU-Leit­fa­den gebiets­ei­ge­ner Gehölze).

Wann und was wird geerntet?

Im Rah­men des Pro­jekts „Gewin­nung von gebiets­ei­ge­nem Saat­gut“ wer­den arten­rei­che Wie­sen in den ver­schie­de­nen Natur­räu­men des Land­krei­ses als Spen­der­flä­chen, pas­send zu den jewei­li­gen Ent­wick­lungs­flä­chen gesucht und nach Bedarf beern­tet. Wenn die mei­sten Wie­sen­kräu­ter­sa­men ern­te­reif sind – Anfang bis Mit­te Juli – wer­den die zwei Land­wir­te Herr Ber­ner und Herr Wolf für die Samen­ern­te, ‑auf­be­rei­tung und ‑lage­rung beauf­tragt. Im Herbst wird das gewon­ne­ne Saat­gut dann auf den pas­sen­den Ent­wick­lungs­flä­chen ausgesät.

An wen rich­tet sich das Pro­jekt – und wer wird zukünf­tig unterstützt?

Unter­stützt wer­den Gemein­den, aber auch Flä­chen­ei­gen­tü­mer, die lang­fri­stig arten­rei­che Wie­sen anle­gen oder ent­wickeln möch­ten. Auch inter­es­sier­te Eigen­tü­mer von arten­rei­chen Wie­sen, die ihre Flä­che als Spen­der­flä­che bereit­stel­len möch­ten, dür­fen sich ger­ne bei der unte­ren Natur­schutz­be­hör­de melden.

Der Land­kreis Bay­reuth hat zwei Gerä­te für die Ern­te von Wie­sen­sa­men ange­schafft und ein Pro­jekt zur Gewin­nung von gebiets­ei­ge­nem Saat­gut gestar­tet. In Zusam­men­ar­beit mit den bei­den Land­schafts­pfle­ge­ver­bän­den wer­den nun nach Bedarf Samen von arten­rei­chen Spen­der­wie­sen von zwei beauf­trag­ten Land­wir­ten geern­tet, getrock­net und gela­gert. Zukünf­tig kön­nen somit Gemein­den und Flä­chen­ei­gen­tü­mer, die auf aus­ge­wähl­ten Flä­chen, arten­rei­che Blüh­wie­sen anle­gen oder bestehen­de, arten­ar­me Wie­sen auf­wer­ten möch­ten, mit selbst­ge­ern­te­ten und gebiets­hei­mi­schen Wie­sen­saat­gut unter­stützt werden.

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