Erzbistum Bamberg: Kommission ruft Missbrauchs-Betroffene zur Mitarbeit auf

Symbolbild Kirche

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Bamberg ruft Betroffene auf, sich zur Mitarbeit in einem Betroffenenbeirat zu melden. „Das Wissen Betroffener ist für unsere Aufarbeitungstätigkeit ein wichtiger Erfahrungsschatz“, sagte Matthias Kröner, der stellvertretende Kommissions-Vorsitzende im Interview mit dem Magazin „Leben im Erzbistum Bamberg“. Die Vorsitzende Knarik Martirosyan betonte: „Uns ist es wichtig, durch unsere Tätigkeit einen Beitrag zu leisten, in Zukunft den Missbrauch an Kindern und Jugendlichen zu verhindern.“

Die Psychologin Martirosyan und Kröner, der Richter am Oberlandesgericht Bamberg ist, wurden von der im Februar gebildeten Kommission zu den Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder sind ein Moraltheologe, zwei Mitarbeitende des Erzbistums sowie zwei Betroffene von sexuellem Missbrauch. Die Kommission arbeitet unabhängig von Weisungen des Bistums und entscheidet, in welcher Form und welchem Umfang die Aufarbeitung stattfindet und ob weitere Forschungsaufträge vergeben werden. Der Zugang zu kirchlichen Akten ist den Aufarbeitungskommissionen von den deutschen Bistümern zugesichert.

Kröner sagte, dass der adäquate juristische Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsfällen in Deutschland erst sehr spät begonnen habe. Hier sei vor 2010 vieles versäumt worden. „So gesehen ist es ein Fortschritt, wenn heute Bischöfe versichern, dass jeder Verdachtsfall bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht wird.“  Im Erzbistum Bamberg seien alle Akten mit Hinweisen auf Missbrauchstaten der Staatsanwaltschaft zugleitet worden. „Leider konnte in vielen Fällen aber keine strafrechtliche Aufarbeitung mehr erfolgen, weil die Beschuldigten bereits verstorben oder die Taten verjährt waren“, so Kröner.

Martirosyan rief Betroffene, die sexuellen Missbrauch im Rahmen der katholischen Kirche erlitten haben, oder deren Angehörige, dazu auf, sich zu melden. Dazu gehörten auch Internate, Jugendarbeit, Heime oder katholische Kindergärten.

Auftrag der Kommission ist es, umfassende Erhebungen durchzuführen, den administrativen Umgang mit Täterinnen und Tätern und Betroffenen zu erforschen und Strukturen zu identifizieren, die Missbrauch ermöglicht  oder dessen Aufklärung erschwert haben. Dazu sollen auch externe Fachleute hinzugezogen werden.

Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme mit der Kommission stehen auf www.kommission-bamberg.de.