Hotels und Gast­stät­ten in Ober­fran­ken ver­zeich­nen star­ken Personal-Schwund

Jede® Zehn­te hat Bran­che im Coro­na-Jahr verlassen

Super­markt­kas­se statt Bier­the­ke: Im Zuge der Coro­na-Pan­de­mie ver­zeich­nen die Hotels und Gast­stät­ten im Kreis Kulm­bach eine dra­ma­ti­sche Abwan­de­rung von Fachkräften.

Inner­halb des ver­gan­ge­nen Jah­res haben im Land­kreis rund 100 Köche, Ser­vice­kräf­te und Hotel­an­ge­stell­te dem Gast­ge­wer­be den Rücken gekehrt – das ist jeder zehn­te Beschäf­tig­te der Bran­che, wie die Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) unter Beru­fung auf jüng­ste Zah­len der Arbeits­agen­tur mitteilt.

Ange­sichts wei­te­rer Lock­downs bis in den Mai hin­ein dürf­te sich der Per­so­nal-Schwund bis heu­te noch­mals zuge­spitzt haben, befürch­tet Micha­el Grundl, Geschäfts­füh­rer der NGGRe­gi­on Ober­fran­ken. „Vie­le Men­schen schät­zen es, nach lan­gen Ent­beh­run­gen end­lich wie­der essen zu gehen oder zu rei­sen. Aber aus­ge­rech­net in der Som­mer­sai­son fehlt einem Groß­teil der Betrie­be schlicht das Per­so­nal, um die Gäste bewir­ten zu kön­nen“, so Grundl. Für die Lage macht der Gewerk­schaf­ter ins­be­son­de­re die Ein­kom­mens­ein­bu­ßen durch die Kurz­ar­beit ver­ant­wort­lich: „Gastro- und Hotel-Beschäf­tig­te arbei­ten sowie­so meist zu gerin­gen Löh­nen. Wenn es dann nur noch das deut­lich nied­ri­ge­re Kurz­ar­bei­ter­geld gibt, wis­sen vie­le nicht, wie sie über die Run­den kom­men sol­len.“ Wenn die gut aus­ge­bil­de­ten Fach­kräf­te in Anwalts- oder Arzt­pra­xen die Büro­or­ga­ni­sa­ti­on über­neh­men oder in Super­märk­ten zwei Euro mehr pro Stun­de ver­die­nen als in Hotels und Gast­stät­ten, dür­fe es nie­man­den über­ra­schen, dass sich die Men­schen neu orientierten.

„Schon vor Coro­na stand das Gast­ge­wer­be nicht gera­de für rosi­ge Arbeits­be­din­gun­gen. Unbe­zahl­te Über­stun­den, ein rau­er Umgangs­ton und eine hohe Abbruch­quo­te unter Azu­bis sind nur eini­ge struk­tu­rel­le Pro­ble­me. Die Unter­neh­men haben es über Jah­re ver­säumt, die Arbeit attrak­ti­ver zu machen. Das rächt sich jetzt“, kri­ti­siert Grundl.

Wir­te und Hote­liers hät­ten nun die Chan­ce, die Bran­che neu auf­zu­stel­len. Zwar sei­en vie­le Fir­men nach wie vor schwer durch die Pan­de­mie getrof­fen. Doch wer künf­tig über­haupt noch Fach­leu­te gewin­nen wol­le, müs­se jetzt umden­ken und sich zu armuts­fe­sten Löh­nen und bes­se­ren Arbeits­be­din­gun­gen beken­nen. Dazu sei­en Tarif­ver­trä­ge unver­zicht­bar, unter­streicht Grundl: „Am Ende geht es um einen Kul­tur­wan­del. Auch Ser­vice­kräf­te haben ein Recht dar­auf, vor dem Dienst zu wis­sen, wann Fei­er­abend ist. Sie haben Anspruch auf eine anstän­di­ge Bezah­lung – unab­hän­gig vom Trink­geld. Und auf eine fai­re Behand­lung durch den Chef.“

Gastro­no­men, die das Mit­tag­essen so gün­stig anbö­ten, dass sie davon das Per­so­nal nicht mehr bezah­len könn­ten, mach­ten ohne­hin grund­sätz­lich etwas falsch. „Vie­le Gäste sind durch­aus bereit, ein paar Cent mehr für die Tas­se Kaf­fee zu bezah­len – gera­de jetzt, wo den Men­schen bewusst gewor­den ist, dass der Besuch im Stamm­lo­kal ein ent­schei­den­des Stück Lebens­qua­li­tät ist“, so Grundl.

Die Gewerk­schaft NGG ver­weist zudem auf die umfas­sen­den Finanz­hil­fen des Staa­tes für ange­schla­ge­ne Betrie­be. So kön­nen sich Hotels und Gast­stät­ten im Rah­men der Über­brückungs­hil­fen in die­sem Monat bis zu 60 Pro­zent der Per­so­nal­ko­sten bezu­schus­sen las­sen, wenn sie Ange­stell­te aus der Kurz­ar­beit zurück­ho­len (Restart-Prä­mie). „Klar ist: Köchin­nen, Kell­ner & Co. freu­en sich dar­auf, end­lich wie­der Gäste emp­fan­gen zu kön­nen. Vie­le arbei­ten mit gro­ßer Lei­den­schaft im Ser­vice. Auf die­se Moti­via­ti­on kön­nen die Betrie­be bau­en – und soll­ten das Per­so­nal nicht erneut durch pre­kä­re Löh­ne und schlech­te Arbeits­zei­ten ver­prel­len“, so Grundl weiter.

Nach Anga­ben der Bun­des­agen­tur für Arbeit beschäf­tig­te das Hotel- und Gast­stät­ten­ge­wer­be z.B. im Land­kreis Kulm­bach zum Jah­res­wech­sel 1.020 Men­schen. Genau ein Jahr zuvor – vor Aus­bruch der Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie – waren es noch 1.138. Damit haben inner­halb von zwölf Mona­ten zehn Pro­zent der Beschäf­tig­ten die Bran­che verlassen.

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