Bam­ber­ger Diö­ze­san­fa­mi­li­en­rat im Gespräch mit Jonas Glüsenkamp

„Fami­lie sind von den gesell­schaft­li­chen Ansprü­chen häu­fig überfordert.“

Im Juni traf sich der Diö­ze­san­fa­mi­li­en­rat in Bam­berg das erste Mal seit Aus­bruch der Coro­na-Pan­de­mie zum Poli­ti­ker­ge­spräch. Der dies­ma­li­ge Gesprächs­part­ner war Jonas Glü­sen­kamp (Bünd­nis 90/​Die Grü­nen), der zwei­te Bür­ger­mei­ster der Stadt Bam­berg, mit dem neben den fami­li­en­freund­li­chen Kon­zep­ten der Mobi­li­täts­po­li­tik auch über die Fami­li­en wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie gespro­chen wurde.

Diözesanfamilienrat im Gespräch mit Jonas Glüsenkamp © Familienbund der Katholiken

Diö­ze­san­fa­mi­li­en­rat im Gespräch mit Jonas Glü­sen­kamp © Fami­li­en­bund der Katholiken

Der­zeit ste­hen die Zeit­po­li­tik und die damit ein­her­ge­hen­den poli­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen ganz beson­ders im Fokus der Arbeit des Diö­ze­san­fa­mi­li­en­ra­tes. Glü­sen­kamp beton­te hier­zu, dass sich die ‚klas­si­schen‘ Rol­len­bil­der zuneh­mend auf­lö­sen wür­den und sich damit ganz ande­re Per­spek­ti­ven ergä­ben. Vor allem in der Rush-Hour des Lebens wür­den gesell­schaft­li­che Ansprü­che Fami­li­en oft über­for­dern. Zudem gibt es eine Ver­än­de­rung der Struk­tu­ren vor Ort, also in Stadt und Dorf. Dies wur­de vor allem in der Coro­na-Pan­de­mie deut­lich. Wäh­rend Fami­li­en, die bereits im Hil­fe­sy­stem der Stadt Bam­berg ein­ge­glie­dert waren, recht gut wei­ter­be­treut wer­den konn­ten, war die Poli­zei in ande­ren Berei­chen vor allem auf Hin­wei­se aus der Nach­bar­schaft ange­wie­sen, wenn es z. B. um Fäl­le von häus­li­cher Gewalt ging. Die Poli­zei und die Teil­neh­mer des Coro­na-Sozi­al­gip­fels der Stadt Bam­berg gehen davon aus, dass die Zahl der Fäl­le von häus­li­cher Gewalt wäh­rend Coro­na noch zuge­nom­men haben und es eine sehr hohe Dun­kel­zif­fer gibt.

Des Wei­te­ren wur­de über die Fami­li­en­bil­dung und Fami­li­en­be­ra­tung dis­ku­tiert. Hier­bei beton­te Diö­ze­san­vor­sit­zen­de Chri­stia­ne Kömm, dass immer mehr jun­ge Fami­li­en rück­mel­den wür­den, dass ihre Bezie­hung unbe­dingt gelin­gen müs­se. Auch Glü­sen­kamp bestä­tig­te die­sen Ein­druck und führ­te dies auch auf die Tren­nungs­er­fah­run­gen zurück, die heu­ti­ge Erwach­se­ne als Kin­der gemacht haben. Den­noch beton­te er, dass es bei der Fami­li­en­be­ra­tung immer auf den Ein­zel­fall ankom­me und dies auch so blei­ben müs­se. Es gäbe Fäl­le, in denen ein Fest­hal­ten an einer Bezie­hung schäd­lich für die Betei­lig­ten und vor allem für die Kin­der wäre. Diö­ze­san­vor­sit­zen­de Kömm beton­te, dass es bei der Fami­li­en­be­ra­tung vor allem auf Prä­ven­tiv­pro­gram­me ankom­me, „bevor das Kind in den Brun­nen“ gefal­len sei. Sie beton­te zudem, dass Allein­er­zie­hen­de häu­fig von einem erhöh­ten Armuts­ri­si­ko getrof­fen wären. „Kin­der­ar­mut heißt Fami­lien­ar­mut“, so Kömm.

Eben­so ver­schärf­te die Coro­na-Pan­de­mie die finan­zi­el­le Situa­ti­on in vie­len Fami­li­en, beson­ders beim Wohn­raum. Von Sei­ten des Diö­ze­san­fa­mi­li­en­ra­tes wur­de die pre­kä­re Wohn­raum­si­tua­ti­on von Fami­li­en, beson­ders im ein­kom­mens­schwa­chen Bereich, the­ma­ti­siert und auch auf die gesund­heit­li­chen Fol­gen z. B. durch einen unge­eig­ne­ten Arbeits­platz hin­ge­wie­sen. Einen gro­ßen Unter­schied in der Wohn­si­tua­ti­on gibt es zwi­schen Stadt und Land. So müs­se die Stadt Bam­berg Woh­nun­gen in städ­ti­scher Hand behal­ten, um die Mie­ten bezahl­bar zu machen, erklär­te Glü­sen­kamp. Im länd­li­chen Raum hin­ge­gen müs­se die För­de­rung von Stadt­ker­nen auch durch den Abbau büro­kra­ti­scher Hür­den geför­dert und nicht nur Bau­land aus­ge­schrie­ben wer­den. Auch Woh­nungs- bzw. Häu­ser­tausch­bör­sen sind vor­stell­bar, wie der Diö­ze­san­fa­mi­li­en­rat beton­te. Ver­bun­den mit der Stei­ge­rung der Attrak­ti­vi­tät des länd­li­chen Rau­mes sei der bezahl­ba­re Aus­bau des öffent­li­chen Nah­ver­kehrs, so Glüsenkamp.

Als wei­te­res The­ma wur­de die Beglei­tung von Berufs­ein­stei­gern in Aus­bil­dungs­be­ru­fen bespro­chen. Es müs­sen Ansprech­part­ner zur Ver­fü­gung ste­hen, die für Aus­zu­bil­de­ne da sind, beton­te der Diö­ze­san­fa­mi­li­en­rat. Eine wei­te­re Aka­de­mi­sie­rung ist nicht wün­schens­wert. Glü­sen­kamp bestä­tig­te dies und schlug vor, zwei Ansprech­per­so­nen – eine fach­li­che und eine sozia­le – zu eta­blie­ren, die den Berufs­ein­stieg erleich­tern würden.

Ins­ge­samt war man sich dar­über einig, dass in der Fami­li­en­po­li­tik – kom­mu­nal und auf höhe­rer Ebe­ne – ein ein­heit­li­ches Kon­zept geschaf­fen wer­den muss, das die Plu­ra­li­tät und die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se von Fami­li­en best­mög­lich fördert.

1 Antwort

  1. Florian sagt:

    Ich bin als Auto­fah­rer in Bam­berg über­for­dert. Als Fami­li­en­va­ter habe ich kei­ne Probleme.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.