Kreis­ver­band Bünd­nis ´90/​Die Grü­nen Coburg Stadt zum Klimaschutzkonzept

Durch manch rück­wärts­ge­wand­te Mei­nungs­äu­ße­run­gen ist in den ver­gan­ge­nen Mona­ten der Ein­druck ent­stan­den, wir müss­ten die Umwelt- und Ver­kehrs­de­bat­ten der letz­ten 40 Jah­re alle noch ein­mal füh­ren. Dem möch­ten wir mit einer posi­ti­ven Bot­schaft ent­ge­gen­tre­ten: Im Jahr 2021 wol­len wir ger­ne dar­über reden (und dar­an mit­ar­bei­ten), wie Coburgs Luft sau­be­rer wer­den kann, wie sei­ne natür­li­chen Frisch­luft­schnei­sen geschützt wer­den kön­nen, wie Anwoh­ne­rin­nen und Anwoh­ner des Wei­chen­ge­reuth und ober­halb der Fran­ken­brücke künf­tig weni­ger von Lärm und Luft­ver­schmut­zung bela­stet wer­den. Die Dis­kus­si­on über ein „Ob“ liegt lan­ge hin­ter uns. Sie wur­de 2010 been­det. Schon damals hat die Stadt Coburg und ihre Ver­wal­tung ein anspruchs­vol­les Kli­ma­schutz­kon­zept ver­öf­fent­licht (für alle nach­zu­le­sen auf der Web­site der Stadt: https://​www​.coburg​.de/​S​u​b​p​o​r​t​a​l​e​/​I​n​t​e​g​r​i​e​r​t​e​s​-​K​l​i​m​a​s​c​h​u​t​z​k​o​n​z​e​p​t​/​W​a​s​-​i​s​t​-​d​a​s​-​i​n​t​e​g​r​i​e​r​t​e​-​K​l​i​m​a​s​c​h​u​t​z​k​o​n​z​e​p​t​.​a​spx). Heu­te, elf Jah­re spä­ter, ist aus unse­rer Sicht nicht genü­gend passiert.

Dar­um haben wir Grü­ne auf unse­rer Jah­res­haupt­ver­samm­lung im ver­gan­ge­nen Dezem­ber mit unse­ren Cobur­ger Mit­glie­dern beschlos­sen, den Schutz der Frisch­luft­schnei­sen und grü­nen Oasen in und um Coburg vor­an­zu­trei­ben. Es gibt vie­le reiz­vol­le Ecken vol­ler Grün und fri­schem Was­ser, die die Stadt säu­men und durch­zie­hen. Wir möch­ten, dass fest­ge­schrie­ben wird, dass sie uns und allen Bür­ge­rin­nen und Bür­gern auch künf­tig erhal­ten blei­ben. Sie sol­len wei­ter­hin im Som­mer küh­le Luft in die Stadt las­sen, sie sol­len einer akti­ven und sport­li­chen Bevöl­ke­rung mit ihrer Schön­heit und Ruhe als Nah­erho­lungs­ge­bie­te die­nen. Die vie­len klei­nen Tal­grün­de, die teils noch ganz unver­baut auf die Innen­stadt zulau­fen, den Itz­ver­lauf durch die Stadt und manch klei­ne­re Flä­che in unse­ren Wohn­ge­bie­ten wol­len wir im Dia­log mit ihren Anwohner*innen schüt­zen, damit sie nicht mit einem Feder­strich zube­to­niert wer­den, sobald jemand sei­nen Pro­fit dar­in sieht.

Ein ande­res Anlie­gen ist, Fahr­rad Fah­ren­den und Fußgänger*innen mehr Raum und Sicher­heit zu geben. Auf sinn­vol­len Strecken sol­len Stra­ßen zu Ein­bahn­stra­ßen wer­den, sodass die Hälf­te des Plat­zes, den sie ein­neh­men, fürs siche­re Fahr­rad­fah­ren zur Ver­fü­gung gestellt wer­den kann. Das könn­te bei­spiels­wei­se auf der Ket­schen­dor­fer Stra­ße gemacht wer­den oder auch am Sonn­tags­an­ger. Mit einem Tem­po­li­mit von 30 km/​h in gro­ßen Tei­len der Stadt wol­len wir außer­dem die Sicher­heit und Attrak­ti­vi­tät des Fort­be­we­gungs­mit­tels Fahr­rad fördern.

Der jun­ge ange­hen­de Kin­der­arzt, den wir als Bun­des­tags­kan­di­dat für den Wahl­kreis Coburg und Kro­nach vor­schla­gen, Han­nes Wag­ner vom Regio­med-Kli­ni­kum hier in Coburg, warnt ein­dring­lich vor den gesund­heit­li­chen Fol­gen, die der immer schnel­ler fort­schrei­ten­de Kli­ma­wan­del für uns und für unse­re Kin­der hat und immer stär­ker haben wird. Zube­to­nier­te Flä­chen spie­len eine gro­ße Rol­le, Ver­kehrs­lärm und Abga­se eben­so. Dar­um braucht es Beschat­tung auf Stra­ßen und Plät­zen, Spring­brun­nen und offe­ne Fließ­ge­wäs­ser, um die stei­ner­nen Häu­ser­zei­len auf­zu­lockern und einer Über­hit­zung ent­ge­gen­zu­wir­ken. Und dar­um ist das Fahr­rad kein Life­style-Fort­be­we­gungs­mit­tel mehr, es ist längst Bürger*innenpflicht für den­ken­de und mit­füh­len­de Men­schen gewor­den, die fit genug sind, es zu nut­zen. Um uns künf­tig in der Innen­stadt noch wohl­füh­len zu kön­nen, braucht es, wie schon im Kli­ma­schutz­kon­zept der Stadt von 2010 ange­dacht, u. a. ein Park&Ride-Konzept mit elek­trisch unter­stütz­ten (Lasten-)Fahrrädern, um die Zahl der Autos in der Innen­stadt zu mini­mie­ren und trotz­dem einen ein­fa­chen Zugang zu unse­ren Gewer­be­trei­ben­den erhal­ten zu können.

Statt­des­sen ist heu­te die Ket­schen­gas­se immer noch für den Auto­ver­kehr geöff­net und in den Zei­tun­gen wird über einen vier­spu­ri­gen Aus­bau der B4 im Stadt­ge­biet dis­ku­tiert. Das erscheint schon recht welt­fremd, denn weder domi­nie­ren dort Staus, wie gele­gent­lich glau­ben gemacht wird, noch kann die hei­mi­sche Wirt­schaft, deren Teil wir alle sind, es sich lei­sten, solch rück­wärts­ge­wand­ten Vor­stel­lun­gen das Wort zu reden. Wir leben in Zei­ten, in denen die größ­ten Auto­mo­bil­her­stel­ler des Lan­des CO2-Neu­tra­li­tät aus­ru­fen. Die­se Fir­men wer­den in ihren Lie­fer­ket­ten wohl kaum mehr Zulie­fe­rer dul­den, die sich für den drei-oder vier­spu­ri­gen Aus­bau von Bun­des­stra­ßen in dicht­be­sie­del­ten Stadt­ge­bie­ten ein­set­zen. Sie wür­den sich unglaub­wür­dig machen. Daim­ler bei­spiels­wei­se ver­pflich­tet sei­ne Lie­fe­ran­ten mit einem „Ambi­ti­on Let­ter of Intent“ auf das Ziel, nur noch CO2-neu­tra­le Tei­le zu lie­fern. VW spricht von „äußer­ster Kon­se­quenz“ im Hin­blick aufs Errei­chen sei­ner CO2-Neu­tra­li­tät. Hier soll­te aus einer Debat­te, die weg­wei­sen­de Ent­wick­lun­gen igno­riert, end­lich eine Debat­te des 21. Jahr­hun­derts wer­den, die die längst gül­ti­gen Rea­li­tä­ten zugrun­de legt.

Für das Ober­zen­trum Coburg wird in den näch­sten acht Jah­ren ein Bevöl­ke­rungs­rück­gang von 9% vor­aus­ge­sagt. Grü­ne Städ­te mit Erho­lungs­wert haben eine sehr hohe Attrak­ti­vi­tät für Fir­men und für Men­schen. Schon heu­te kann man in den Zei­tun­gen lesen, dass mehr Men­schen als bis­her den gro­ßen Städ­ten mit ihrem Lärm, ihrem Ver­kehr und ihren Abga­sen den Rücken keh­ren. Coburg kann nur von die­ser Ent­wick­lung pro­fi­tie­ren, wenn es sich als grü­ne und lebens­wer­te Stadt profiliert.

Gemein­sam mit allen Cobur­ger Bür­ge­rin­nen und Bür­gern möch­ten wir intel­li­gen­te Lösun­gen fin­den, unse­re Hei­mat, die uns am Her­zen liegt, glei­cher­ma­ßen wirt­schaft­lich stark und kli­ma­freund­lich zu gestal­ten. Jeder und jede ist ein­ge­la­den, sich bei uns zu mel­den und mit einzubringen.

Quel­len:

Daim­ler CO2-neu­tra­le Lie­fer­ket­te: https://​media​.daim​ler​.com/​m​a​r​s​M​e​d​i​a​S​i​t​e​/​d​e​/​i​n​s​t​a​n​c​e​/​k​o​/​N​a​e​c​h​s​t​e​r​-​M​e​i​l​e​n​s​t​e​i​n​-​A​m​b​i​t​i​o​n​-​2​0​3​9​-​D​i​e​-​g​l​o​b​a​l​e​-​M​e​r​c​e​d​e​s​-​B​e​n​z​-​L​i​e​f​e​r​k​e​t​t​e​-​w​i​r​d​-​C​O​2​-​n​e​u​t​r​a​l​.​x​h​t​m​l​?​o​i​d​=​4​8​3​6​9​319

VW CO2-neu­tral: https://​www​.volks​wa​genag​.com/​d​e​/​n​e​w​s​/​s​t​o​r​i​e​s​/​2​0​2​0​/​1​0​/​2​9​-​c​l​i​m​a​t​e​-​m​e​a​s​u​r​e​s​-​o​f​-​t​h​e​-​v​o​l​k​s​w​a​g​e​n​-​g​r​o​u​p​.​h​tml

Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung: https://​www​.coburg​.de/​S​u​b​p​o​r​t​a​l​e​/​F​a​m​i​l​i​e​n​b​e​w​u​s​s​t​e​-​P​e​r​s​o​n​a​l​p​o​l​i​t​i​k​/​D​a​t​e​n​-​u​n​d​-​F​a​k​t​e​n​.​a​spx