Bam­ber­ger Mobi­li­täts­se­nat für Fort­set­zung der Biodiversitätsstrategie

Biodiversität am Hauptfriedhof. Foto: Jürgen Gerdes
Biodiversität am Hauptfriedhof. Foto: Jürgen Gerdes

Pro­gramm für mehr bio­lo­gi­sche Vielfalt

Eine Bilanz der „Bam­ber­ger Stra­te­gie für Bio­lo­gi­sche Viel­falt“ hat der Mobi­li­täts­se­nat in sei­ner jüng­sten Sit­zung gezo­gen – und zugleich eine Fort­set­zung des Pro­gramms bis zum Jahr 2028 beschlos­sen. Dabei sol­len auch ver­stärkt loka­le Wech­sel­wir­kun­gen von Bio­di­ver­si­tät und Kli­ma­wan­del mit­ein­be­zo­gen werden.

Im ersten Pro­gramm für die Jah­re 2014 – 2020 hat­te der Stadt­rat 16 stra­te­gi­sche Zie­le vor­ge­ge­ben. „Bei der Umset­zung sei­en teil­wei­se beträcht­li­che Fort­schrit­te erzielt wor­den“, stell­te Umwelt­re­fe­rent Jonas Glü­sen­kamp in sei­nem Bericht fest, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Aus­wei­tung der Natur­schutz­flä­chen, der Rena­tu­rie­rung von Flä­chen sowie der Maß­nah­men zum Arten­schutz und der Artenvielfalt.

Ins­ge­samt gibt es inzwi­schen im Bam­ber­ger Stadt­ge­biet 233 gesetz­lich geschütz­te Bio­to­pe in einer Grö­ße von 727 Hekt­ar. Dies ent­spricht 13,3 Pro­zent der städ­ti­schen Gesamt­flä­che. Der Anteil der Flä­chen, die unter Natur­schutz ste­hen, umfasst fast nun­mehr ein Drit­tel des Stadt­ge­biets, näm­lich 32,5 Prozent.

Arten­viel­falt hat zugenommen

Eini­ge Vogel- und Fle­der­maus­ar­ten konn­ten im Stadt­ge­biet neu nach­ge­wie­sen wer­den. Neu ist auch der Nach­weis der Hasel­maus im Haupt­s­moor­wald, die auf­grund ihres Bestands­rück­gan­ges euro­pa­weit streng geschützt ist. Der Biber hat sich in Bam­berg wie über­all in Bay­ern aus­ge­brei­tet und ver­füg­ba­re Revie­re weit­ge­hend besetzt. Die Anzahl der Zaun­ei­dech­sen hat sich erhöht, ins­be­son­de­re im Umfeld der Bahn­tras­se. In Bam­berg-Nord hat sich erst­ma­lig im Stadt­ge­biet eine Brut­ko­lo­nie der Saat­krä­he ange­sie­delt. „Es gibt durch­aus erfreu­li­che Ent­wick­lun­gen hin­sicht­lich der Arten­viel­falt“, urteil­te Dr. Jür­gen Ger­des, Sach­ge­biets­lei­ter für Natur­schutz und Arten­viel­falt im Kli­ma- und Umwelt­amt, in sei­nem Bericht an den Stadtrat.

Als Reak­ti­on auf den Volks­ent­scheid „Ret­tet die Bie­nen“ 2019 hat sich der Frei­staat Bay­ern ver­pflich­tet, 10 Pro­zent des baye­ri­schen Staats­wal­des nicht mehr zu bewirt­schaf­ten. Zu die­sem Natur­wald gehö­ren auch Wald­flä­chen im Stadt­ge­biet: 78 Hekt­ar im Bru­der­wald und 1,2 Hekt­ar im Haupt­s­moor­wald. Dadurch soll u.a. dem Hirsch­kä­fer, dem Ere­mit und dem Gro­ßen Eichen­bock die Aus­brei­tung vom Bam­ber­ger Hain her ermög­licht wer­den. Um den Bru­der­wald wur­de der Hirsch­kä­fer in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wie­der ver­stärkt beobachtet.

Durch die Über­nah­me von Wald im Kon­ver­si­ons­ge­biet ist die städ­ti­sche Wald­flä­che auf 365 Hekt­ar ange­wach­sen. Dort schrei­te der Umbau vom Nadel­wald in einen Laub­misch­wald wei­ter vor­an. Auch wür­den gezielt Arten­schutz­maß­nah­men durch­ge­führt, z.B. durch die Anla­ge von Feucht­bio­to­pen. Ins­ge­samt zeich­net den Stadt­wald eine hohe Arten­viel­falt aus.

Im städ­ti­schen Teil des stark ver­sie­gel­ten Kon­ver­si­ons­ge­biet der Lagar­de-Kaser­ne wur­de eine Flä­che von 13 Hekt­ar ent­sie­gelt und damit dort erst­mals die Grund­la­ge für eine gute Durch­grü­nung geschaf­fen. Bei der Bewirt­schaf­tung der städ­ti­schen Grün­flä­chen wird auf den Ein­satz von Pesti­zi­den und che­mi­schem Dün­ger ver­zich­tet. Immer mehr Rasen­flä­chen wür­den in blü­ten­rei­che Wie­sen umge­wan­delt, die nur noch ein bis zwei Mal im Jahr geschnit­ten wer­den, wie im ERBA-Park, am Eichen­dorff-Gym­na­si­um, an der Blau­en Schu­le und im Haupt­fried­hof. Der Anteil bie­nen­freund­li­cher Pflan­zen wur­de fort­wäh­rend erhöht und beträgt mitt­ler­wei­le über 60 Pro­zent der im Mai nach den Eis­hei­li­gen gepflanz­ten Gewächse.

Info

Im Juli 2014 ver­ab­schie­de­te der Stadt­rat die „Bam­ber­ger Stra­te­gie für Bio­lo­gi­sche Viel­falt“. Sie basiert auf den Richt­li­ni­en des Bünd­nis­ses „Kom­mu­nen für Bio­lo­gi­sche Viel­falt“, dem Bam­berg seit 2010 ange­hört. Das Bünd­nis umfasst der­zeit 280 Kom­mu­nen. Die Mit­glie­der beken­nen sich dazu, dem Erhalt und der För­de­rung der Arten­viel­falt beim kom­mu­na­len Han­deln einen beson­de­ren Stel­len­wert ein­zu­räu­men. Für die näch­sten Jah­re wer­den u.a. fol­gen­de Maß­nah­men vorgeschlagen:

  • Aus­wei­tung des öko­lo­gi­schen Grün­flä­chen­ma­nage­ments auf allen öffent­li­chen Flä­chen. Die­se sol­len, sofern es die Nut­zung und die Ver­kehrs­si­cher­heit zulas­sen, als Wie­se gestal­tet und mit ein­hei­mi­schen, kli­ma­fe­sten Gehölz­grup­pen bepflanzt werden.
  • Die Flä­chen rund um Bäu­me (sog. „Baum­schei­ben“) sol­len hin­rei­chend groß, offen und natur­nah gestal­tet und, wenn mög­lich, zu Grün­strei­fen ver­bun­den werden.
  • Es sol­len ver­stärkt Flä­chen erwor­ben wer­den, die öko­lo­gisch auf­wert­bar sind (z.B. Ufer­rand­strei­fen von Gewäs­sern, Intensiväcker).
  • In Alt­bau­ge­bie­ten, die über­plant wer­den, soll auf den Alt­baum­be­stand beson­de­re Rück­sicht genom­men werden.
  • Bei der lau­fen­den Umstel­lung der Stra­ßen­be­leuch­tung soll neben der Ener­gie­ein­spa­rung auf größt­mög­li­che Insek­ten­freund­lich­keit geach­tet werden.
  • Öko­lo­gi­sche Belan­ge sol­len bei der Bau­leit­pla­nung auf­ge­wer­tet wer­den, sowohl was den Flä­chen­an­teil von Grün betrifft als auch des­sen Qua­li­tät. Dach- und Fas­sa­den­be­grü­nung sol­len – wo immer mög­lich – fest­ge­setzt wer­den, ggf. als Kom­bi­lö­sung mit Photovoltaik.
  • Schaf­fung von Nist­hil­fen für Vögel, die Gebäu­de als Brut­platz wäh­len (sog. „Gebäu­de­brü­ter“)
  • Die städ­ti­schen Mit­tel für Natur­schutz­maß­nah­men sol­len min­de­stens auf den Stand von 2009 erhöht wer­den (2021: 10.000 Euro; 2010 bis 2020: je 15.000 Euro; 2009: 30.000 €; 1990: 100.000 DM = 47.838 Euro)