Wie die Arbeit einer Tages­mut­ter im Land­kreis Bay­reuth aussieht

Tagesmutter Helga Richter
Tagesmutter Helga Richter

„Ich lie­be Kinder!“

Kin­der­be­treu­ung ist wich­tig – sie lässt sich nicht im Vor­bei­ge­hen erle­di­gen, son­dern bean­sprucht Zeit und vor allem das Enga­ge­ment und die Hin­ga­be vie­ler Kita-Fach­kräf­te, Tages­müt­ter und Tages­vä­ter. Bereits zum Tag der Kin­der­be­treu­ung am 10. Mai haben Land­rat Flo­ri­an Wie­de­mann und sei­ne Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter bereits mit einer Post­kar­tenund Ban­ner-Akti­on auf die enor­me Bedeu­tung des Berufs­fel­des hingewiesen.

Nun spricht eine Tages­mut­ter. Hel­ga Rich­ter aus Mistel­gau sagt: „Ich lie­be Kin­der!“ Im Inter­view gibt die 49-Jäh­ri­ge Ein­blicke in ihren Arbeits­all­tag, spricht über Vor­tei­le einer Betreu­ung bei einer Tages­mut­ter, aber auch über täg­li­che Her­aus­for­de­run­gen in die­sem Job.

Frau Rich­ter, war­um haben Sie sich dazu ent­schie­den, Tages­mut­ter zu werden?

Ich lie­be Kin­der ein­fach! Vor vie­len Jah­ren habe ich eine Aus­bil­dung im kauf­män­ni­schen Bereich abge­schlos­sen. Ich habe dann aber gemerkt, dass ein klas­si­scher Büro­job nichts für mich ist – also habe ich mich nach einem umfang­rei­chen Qua­li­fi­zie­rungs­kurs mit Abschluss­prü­fung im Jahr 2006 als Tages­mut­ter selbst­stän­dig gemacht. Ich bin abso­lut froh, dass ich die­sen Schritt gegan­gen bin. Tages­mut­ter zu sein, kann schon anstren­gend sein. Die Kin­der geben einem aber wahn­sin­nig viel zurück!

Wie vie­le Kin­der betreu­en Sie gleichzeitig?

Maxi­mal fünf.

Wel­che Her­aus­for­de­run­gen sind tag­täg­lich zu bewältigen?

Bei fünf Kin­dern kann es schon mal etwas chao­tisch wer­den. Das ist unver­meid­bar. Für mich geht es dann dar­um, wie­der Ruhe in die­ses Cha­os zu brin­gen – sei es durch Spie­le, Musik oder
Gesprä­che. Das Wickeln wird auch manch­mal zur Her­aus­for­de­rung, wenn gleich­zei­tig ein ande­res Kind weint oder hin­fällt. Als Tages­mut­ter hat man dann manch­mal irgend­wie das Gefühl, dass man mehr als nur zwei Hän­de bräuch­te (lacht). Bis­lang habe ich mit den Kin­dern aber alle Her­aus­for­de­run­gen gemei­stert – wir sind ein gutes Team!

Wie gehen Sie mit den Kin­dern um?

Ich behand­le sie, als wären sie mei­ne leib­li­chen Kin­der. Für mich ist Kin­der­be­treu­ung ein­fach Her­zens­sa­che. Als mein heu­te 18-jäh­ri­ger Sohn noch jün­ger war, ging es für mich bei mei­nem Job schon dar­um, nie­man­den zu bevor­zu­gen und alle gleich zu behan­deln. Gleich­zei­tig ist es bei Kin­dern, die neu in die Grup­pe kom­men, aber auch wich­tig, ihnen viel Auf­merk­sam­keit und das Gefühl von Gebor­gen­heit zu schen­ken. Man muss da oft sehr fein­füh­lig sein.

Wie ist der Ablauf eines klas­si­schen Arbeitsalltags?

Die Kin­der wer­den mei­stens zwi­schen 7 und 9 Uhr gebracht. Wir früh­stücken zunächst zusam­men, danach spie­len oder sin­gen wir. Die Kin­der, die ich bei mir habe, sind in der Regel ein bis drei Jah­re alt – daher geht es dar­um, auf spie­le­ri­sche Art und Wei­se die Din­ge zu lernen.

Wir expe­ri­men­tie­ren mit Fin­ger­far­ben, machen unse­re ersten Erfah­run­gen mit dem Basteln, kne­ten, schau­en uns Bücher an. All die­se Din­ge ste­hen neben dem Wickeln und dem gemein­sa­men Essen auf dem Plan. Natür­lich darf auch die Bewe­gung an der fri­schen Luft nicht zu kurz kom­men. Wir gie­ßen die Blu­men, machen den Spiel­platz unsi­cher, erkun­den den Wald und plan­schen im Som­mer in unse­rem Plansch­becken. Es ist also ein abwechs­lungs­rei­ches Pro­gramm für die Kids. Mit­tags schla­fen die mei­sten der Kin­der, ehe sie dann zu unter­schied­li­chen Zei­ten von ihren Eltern abge­holt werden.

Wel­che Vor­tei­le hat die Tages­pfle­ge gegen­über der Kita?

Ins­be­son­de­re für Kin­der in den ersten Lebens­jah­ren hat sich die­se Betreu­ungs­form bewährt, denn hier erhal­ten Kin­der in über­schau­ba­rem Rah­men die nöti­ge Zuwen­dung und Anspra­che. Hier las­sen sich Betreu­ungs­zei­ten indi­vi­du­el­ler, fle­xi­bler und fami­li­en­nä­her regeln als in der Kita. Wir Tages­müt­ter sind wich­ti­ge Bezugs­per­so­nen für die Kin­der, ein Art Zweit­fa­mi­lie und zudem Koope­ra­ti­ons­part­ner für Eltern. Unse­re Auf­ga­be ist es, Kin­der indi­vi­du­ell zu beglei­ten, zu umsor­gen, Anre­gun­gen und Impul­se zu set­zen. Wir haben die Mög­lich­keit, unse­ren All­tag mit den Kin­dern eigen­ver­ant­wort­lich, selb­stän­dig, abwechs­lungs­reich und indi­vi­du­ell und nach den Bedürf­nis­sen der Kin­der zu gestal­ten. Nicht ver­ges­sen darf man, dass der Geräusch­pe­gel dabei wesent­lich gerin­ger ist als in einer Kita, da wir sehr klei­ne Grup­pen haben. Und auch die Eltern­bei­trä­ge bei der Tages­mut­ter ori­en­tie­ren sich in den mei­sten Fäl­len an den Eltern­bei­trä­gen in der Kinderkrippe.

Was pas­siert, wenn die Kin­der Sie nach ein paar Jah­ren verlassen?

Der Abschied fällt natür­lich bei­den Sei­ten schwer, schließ­lich ist man als Tages­mut­ter neben den leib­li­chen Eltern eine sehr, sehr wich­ti­ge Bezugs­per­son. Es kommt jedoch oft vor, dass ich mit mei­nen ehe­ma­li­gen Schütz­lin­gen in den Fol­ge­jah­ren in Kon­takt blei­be. Manch­mal lan­den dann auch die jün­ge­ren Geschwi­ster bei mir, was sehr schön ist.

INFO: Ersatz­be­treu­ung in der Kindertagespflege

Der Land­kreis Bay­reuth bie­tet – in Zusam­men­ar­beit mit der Stadt – eine Ersatz­be­treu­ung an.

Die­se steht bei­spiels­wei­se dann zur Ver­fü­gung, wenn eine Tages­mut­ter frei hat oder krank­ge­mel­det ist. Die Kin­der haben dann die Mög­lich­keit, den soge­nann­ten Kin­der­ta­ges­treff „Mark­gra­fen-Frö­sche“ in der Mark­gra­fen­al­lee (direkt neben dem Land­rats­amt) zu besuchen.

Außer­dem kom­men im Kin­der­ta­ges­treff nor­ma­ler­wei­se immer wie­der Tages­müt­ter und ‑väter mit ihren Grup­pen zusam­men, um sich aus­zu­tau­schen und den Kin­dern das Umfeld der Ersatz­be­treu­ung näher­zu­brin­gen. Wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie ist dies aller­dings nicht der Fall.

Im Kin­der­ta­ges­treff sind der­zeit drei Mit­ar­bei­te­rin­nen beschäf­tigt. Die Ein­rich­tung besteht seit 2009 und ist in der Regi­on eine ech­te Seltenheit.

Sie möch­ten Tages­mut­ter oder Tages­va­ter im Land­kreis wer­den? Oder Sie benö­ti­gen selbst eine Tages­mut­ter oder einen Tages­va­ter? Bei Fra­gen rund um die Kin­der­ta­ges­pfle­ge steht Ihnen Alex­an­dra Küf­ner (Tel. 0921/728–461 – alexandra.​kuefner@​lra-​bt.​bayern.​de) zur Verfügung.