Auch Bam­ber­ger Bür­ger­for­scher hel­fen beim Eichhörnchen-Zählen

Eichhörnchen, Foto: Heinz Ehrsam
Eichhörnchen, Foto: Heinz Ehrsam

Tipps zum Eichhörnchen-Schutz

Wo leben mehr Eich­hörn­chen – im Wald oder in der Stadt? So genau weiß das nie­mand. Der BUND Natur­schutz will das mit Hil­fe von enga­gier­ten Bürgerforscher*innen ändern. Seit einem Jahr sam­melt er nun in ganz Bay­ern via Eich­hörn­chen-App Daten über Eich­hörn­chen. „Wir wol­len wis­sen, wie es den Eich­hörn­chen in Bay­ern geht und wie sie in unse­rer moder­nen Land­schaft zurecht­kom­men. Dafür brau­chen wir die Unter­stüt­zung von Frei­wil­li­gen, die sich ger­ne in der Natur auf­hal­ten und uns zufäl­lig beob­ach­te­te Eich­hörn­chen mel­den“, erklärt Mar­tin Bücker vom BUND Natur­schutz Bam­berg. „Je mehr wir wis­sen, umso bes­ser kön­nen wir die flin­ken Klet­te­rer und ihren Lebens­raum schüt­zen“, so Bücker wei­ter. Obwohl Eich­hörn­chen in Bay­ern noch flä­chen­deckend ver­brei­tet sind, lei­den sie sehr unter dem zuneh­men­den Ver­lust alter Stadt­bäu­me und älte­rer Bäu­me in Laub- und Misch­wäl­dern. Nun gibt es eine erste Bilanz des Bür­ger­for­scher-Pro­jek­tes und Tipps für eine akti­ve Eichhörnchen-Hilfe.

Posi­ti­ve Ergeb­nis­se für den Eichhörnchen-Schutz

Im April 2020 star­te­te der BUND Natur­schutz das groß­an­ge­leg­te Bür­ger­for­scher-Pro­jekt „Eich­hörn­chen in Bay­ern“. Ehren­amt­li­che sol­len via App gesich­te­te Eich­hörn­chen mel­den und so dabei hel­fen, her­aus­zu­fin­den, wie sie in unse­ren Städ­ten, Dör­fern und Wäl­dern zurecht­kom­men. Ziel ist es, mehr über ihre Ver­brei­tung zu erfah­ren und das Wis­sen über Ent­wick­lung und Zustand der Eich­hörn­chen-Popu­la­tio­nen zu ver­bes­sern. Mehr als 45 Mel­dun­gen mit rund 49 Tie­ren wur­den seit Pro­jekt­start in Bam­berg gemel­det. Die Mel­dun­gen sind über die gan­ze Stadt ver­teilt und kon­zen­trie­ren sich nicht wie erwar­tet auf den Hain. Bay­ern­weit gab es sogar 10.400 Mel­dun­gen und rund 12.500 gemel­de­te Tie­re. „Das sind hoff­nungs­vol­le Zah­len für das Pilot­pro­jekt. Die Men­schen haben gro­ßes Inter­es­se an Eich­hörn­chen und möch­ten sich aktiv an ihrem Schutz betei­li­gen“, freut sich Mar­tin Bücker.

Die Teil­nah­me am Pro­jekt ist ganz ein­fach, so kann jeder mit­ma­chen und Eichhörnchen-Forscher*in wer­den. Frei­wil­li­ge mel­den dem BUND Natur­schutz, wann und wo sie Eich­hörn­chen gese­hen haben – schnell und ein­fach über die BN-Web­sei­te oder noch ein­fa­cher mit der Smart­pho­ne-App „Eich­hörn­chen in Bay­ern“, die es für Android und iOS Betriebs­sy­ste­me kosten­frei zum Down­load gibt.

Alle­en, Gär­ten, Fried­hö­fe oder Parks – Eich­hörn­chen haben unse­re Städ­te erobert

Die Nager gehö­ren viel­leicht zu den belieb­te­sten Wild­tie­ren. Trotz­dem haben sie es zuneh­mend schwer, gute Lebens­räu­me zu fin­den. Der ursprüng­li­che Lebens­raum des Eich­hörn­chens sind Wäl­der. Als soge­nann­te Kul­tur­fol­ger sind sie auch in Städ­ten und Gär­ten anzu­tref­fen. Dort ernäh­ren sie sind von ener­gie­rei­chen Baumsa­men und ‑früch­ten. Im Sied­lungs­be­reich pro­fi­tie­ren die Baum­klet­te­rer von den tra­di­tio­nel­len Streu­obst­wie­sen und Pflan­zun­gen von Wal­nuss­bäu­men und Haselnusssträuchern.

Wirft man einen Blick auf die inter­ak­ti­ve Bay­ern­kar­te der Pro­jekt­sei­te, gewinnt man den Ein­druck, dass Eich­hörn­chen nur in der Stadt leben. „Die­ser Anschein trügt. Momen­tan sind mehr Bür­ger­for­scher in den Städ­ten und Sied­lun­gen unter­wegs und mel­den dort ihre gesich­te­ten Tie­re. Aus die­sem Grund freu­en wir uns, wenn in Zukunft mehr Daten über Vor­kom­men von Eich­hörn­chen aus grö­ße­ren Wald­ge­bie­ten ein­ge­hen,“ erklärt Mar­tin Bücker Trotz­dem gilt: Jede Mel­dung ist wich­tig! „Die bis­her ein­ge­gan­ge­nen Mel­dun­gen sind sehr gut und ver­ra­ten uns eine Men­ge über das Ver­hal­ten der Eich­hörn­chen. Rich­tig gute Aus­sa­gen über die geo­gra­phi­sche Ver­tei­lung der Nager kön­nen wir aber erst tref­fen, wenn wir Daten aus allen Ecken Bay­erns erhal­ten und die Mel­dun­gen meh­re­rer Jah­re mit­ein­an­der ver­glei­chen kön­nen“, begrün­det der Naturschützer.

Tipps für akti­ven Eichhörnchen-Schutz

Die ein­fach­ste Hil­fe: Alte Bäu­me ste­hen las­sen! Die­se bie­ten, beson­ders wenn Tot­holz vor­han­den ist, auch für vie­le ande­re Tie­re gute Lebens­be­din­gun­gen. Anson­sten rei­chen oft schon ein paar Hand­grif­fe, um den Baum­klet­te­rern zu hel­fen und den eige­nen Gar­ten „hörn­chen­freund­lich“ zu gestal­ten. „Pflan­zen Sie nuss- und frucht­tra­gen­de Gehöl­ze, wie Hasel­nuss, Wal­nuss, Buchen, Kasta­ni­en oder Obst­bäu­me. So kön­nen sich die sym­pa­thi­schen Nager mit genü­gend Vor­rä­ten ein­decken“, rät Bücker. Regen­ton­nen kön­nen in Gär­ten zur Todes­fal­le wer­den! Aus die­sem Grund soll­te unbe­dingt ein Deckel oder ein sta­bi­les Draht­netz dar­über ange­bracht wer­den. Als Trän­ke ist eine fla­che Scha­le mit Was­ser geeig­net – die neh­men auch Vögel ger­ne an. Wil­de Ecken in Gär­ten sind außer­dem pfle­ge­leicht und schaf­fen zusätz­lich Lebens­räu­me für Igel und Wild­bie­nen. Dazu kann in einem Teil des Gar­tens die Wie­se ste­hen blei­ben und Laub und Geäst auf einem Hau­fen gesam­melt wer­den. Dies ermög­licht es den Tie­ren, Mate­ri­al für ihren Unter­schlupf zusammenzutragen.