Bay­reu­ther Bei­trag zum Fest­jahr „1700 Jah­re Jüdi­sches Leben in Deutschland“

Logo 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Jüdi­sches Bay­reuth und das Pro­gramm der Stadt zum Jah­res­the­ma 2021

Die Stadt Bay­reuth betei­ligt sich in Zusam­men­ar­beit mit der Israe­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de an den Fei­er­lich­kei­ten zu „1700 Jah­ren jüdi­sches Leben in Deutsch­land“. Es wird Kon­zer­te, Lesun­gen, Vor­trä­ge, Pup­pen­thea­ter, Film­vor­füh­run­gen sowie Aus­stel­lun­gen und Füh­run­gen rund um das jüdi­sche Leben in Deutsch­land und Bay­reuth geben. Das Pro­gramm und die Ter­mi­ne kön­nen Inter­es­sier­te einem Falt­blatt ent­neh­men, das unter ande­rem auf der städ­ti­schen Inter­net­sei­te unter www​.bay​reuth​.de zum Down­load zur Ver­fü­gung steht.

Die ersten Men­schen jüdi­schen Glau­bens haben sich in Bay­reuth in der Mit­te des 13. Jahr­hun­derts nie­der­ge­las­sen, nach­dem Burg­graf Fried­rich III. von Nürn­berg die Ansied­lung von Juden in Bay­reuth erlaub­te. Knapp 300 Jah­re spä­ter, im Jahr 1515, wur­de die jüdi­sche Bevöl­ke­rung durch Befeh­le des Mark­gra­fen Kasi­mir und Georg von Bran­den­burg wie­der aus Bay­reuth ver­trie­ben. Nur noch ein­zel­nen Juden wur­de spä­ter der Zuzug gestat­tet, meist nur aus geschäft­li­chen Grün­den. Am 5. März 1759 über­ließ Mark­graf Fried­rich III. sei­nem Hof­ban­kier und Münz­lie­fe­rant Moses Seckel das Komö­di­en- und Redou­ten­haus, dem Vor­läu­fer­bau des unmit­tel­bar benach­bar­ten Mark­gräf­li­chen Opern­hau­ses, für eine Zah­lung von 8250 Rhei­ni­schen Gul­den. Damit ein­her ging die Erlaub­nis zum Bau einer Syn­ago­ge, der Ansied­lung von zehn jüdi­schen Fami­li­en in Bay­reuth und der Grün­dung einer Gemein­de. Auf eige­ne Kosten ließ Seckel die erwor­be­nen Gebäu­de in ein barockes Got­tes­haus umbau­en. Nach einem Jahr Bau­zeit wur­de die Syn­ago­ge am 15. März 1760 ein­ge­weiht. Die heu­ti­ge jüdi­sche Gemein­de entstand.

Vor­erst blieb die reich aus­ge­schmück­te Syn­ago­ge im Pri­vat­ei­gen­tum Moses Seckels, der sie der Gemein­de unent­gelt­lich zur Ver­fü­gung gestellt hat­te. Erst mit Seckels Tod ging die Syn­ago­ge auf Wunsch sei­nes Bru­ders David und recht­mä­ßi­gen Erben in den Gemein­de­be­sitz über. In den fol­gen­den Jahr­zehn­ten und Jahr­hun­der­ten wuchs die Gemein­de ste­tig an, zähl­te jedoch nie mehr als rund 100 Fami­li­en. Nach lang­wie­ri­gen Ver­hand­lun­gen mit der Stadt Bay­reuth konn­te im Jahr 1787 der jüdi­sche Fried­hof durch eine neue Gemein­de­ver­fas­sung in Benut­zung genom­men wer­den. Vie­le Jah­re unter­stand die Bay­reu­ther Syn­ago­ge dem Distrikts­rab­bi­nat Bai­ers­dorf und ver­füg­te nur über einen Vize-Rab­bi­ner. Im Jahr 1829 wur­de Joseph Aub der erste Distrikts­rab­bi­ner des nach dem baye­ri­schen Juden­edikt von 1813 neu­ge­grün­de­ten Distrikts­rab­bi­nats Bay­reuth. Im Jahr 1837 leb­ten 530 Juden in Bay­reuth. Im Jahr der Macht­er­grei­fung durch die Natio­nal­so­zia­li­sten 1933 waren es noch 261, von denen nach den Pogro­men im Novem­ber 1938 nur noch 80 übrigblieben.

Im Zuge der Novem­ber­po­gro­me in der Nacht vom 9. auf den 10. Novem­ber 1938 wur­de die Syn­ago­ge ver­wü­stet. Dank der unmit­tel­ba­ren Nähe zum Mark­gräf­li­chen Opern­haus wur­de sie aber nicht in Brand gesteckt. Nach zwei Depor­ta­tio­nen 1941 und 1942 leb­ten nur noch weni­ge Juden, die christ­li­che Ehe­part­ner hat­ten, in Bay­reuth. In den 1960er Jah­ren wur­de das Gebäu­de not­dürf­tig wie­der­her­ge­stellt und umge­baut, am 1. April 1967 erneut ein­ge­weiht. Am 16. August 2013 wur­de im Gar­ten der Syn­ago­ge die Mikwe, ein ritu­el­les Tauch­bad, ein­ge­weiht. Das Was­ser gelangt über einen Arte­si­schen Brun­nen aus 70 Meter Tie­fe ohne Pum­pe in das Was­ser­becken. Anschlie­ßend wur­de das Gebäu­de erneut umge­baut und dabei weit­ge­hend ent­kernt. Der Ein­gang wur­de von der Stra­ßen­sei­te auf die West­sei­te zurück­ver­legt. Dort wur­den auch wie­der Rund­bo­gen­fen­ster ein­ge­baut. Sol­che bestan­den bis 1965 und muss­ten damals auf Drän­gen der Baye­ri­schen Schloss- und Gar­ten­ver­wal­tung durch recht­ecki­ge Fen­ster ersetzt wer­den. Im Früh­jahr 2018 konn­te die Syn­ago­ge wie­der­eröff­net werden.

Heu­te zählt die jüdi­sche Gemein­de Bay­reuth rund 500 Mit­glie­der und die Syn­ago­ge in der Münz­gas­se ist die älte­ste noch betrie­be­ne Syn­ago­ge Deutschlands.