Land­kreis Bam­berg: Wohin mit dem Klär­schlamm? – Frak­tio­nen machen sich Gedanken

Symbolbild_Klärschlammausbringung

Symbolbild_​Klärschlammausbringung

Wohin mit dem Klär­schlamm? Jetzt gilt es, die Wei­chen für die Zukunft rich­tig zu stel­len und Kli­ma­schutz mitzuden­ken! Frak­ti­ons­über­grei­fend set­zen sich Ver­bands­rä­te von DIE GRÜ­NEN, ÖDP und SPD für eine kli­ma­freund­li­che Klär­schlamm­ver­wer­tung unter dem Dach des Zweck­ver­ban­des Müll­heiz­kraft­werk Bamberg ein. Ziel ist eine gemein­sa­me Lösung, von der sowohl die Stadt Bam­berg, als auch der Land­kreis pro­fi­tie­ren. Die Zukunft der Klär­schlamm­ver­wer­tung muss in der Regi­on Bam­berg auf­grund gesetzli­cher Vor­ga­ben völ­lig neu auf­ge­stellt wer­den. Eine Mit­ver­bren­nung im Müll­heiz­kraft­werk (MHKW) Bam­berg, wie aktu­ell von der Klär­an­la­ge der Stadt Bam­berg prak­ti­ziert, oder eine land­wirt­schaft­li­che Nut­zung als Dün­ger, wie in vie­len Land­kreis­ge­mein­den gän­gi­ge Pra­xis, ist in naher Zukunft nicht mehr mög­lich. Für die Bam­ber­ger Klär­an­la­ge gilt ab 2029 das Gebot der Phos­phat­rück­ge­win­nung, für die kom­mu­na­len Klär­schläm­me im Land­kreis grei­fen immer strik­te­re Grenz­wer­te aus der Dün­ge­mit­telver­ord­nung.

Bis 2023 müs­sen alle Klär­an­la­gen­be­trei­ber ein Ver­wer­tungs­kon­zept für ihre Schläm­me vor­le­gen. Ins­be­son­de­re die Stra­te­gie zur Phos­phat­rück­ge­win­nung muss dar­in dar­ge­legt wer­den. Stadt­rat Lucas Büch­ner (ÖDP) erläu­tert: „Phos­phat ist ein wert­vol­ler Dün­ger, der in Deutsch­land nicht als Roh­stoff zur Ver­fü­gung steht und welt­weit end­lich ist. Klär­schläm­me dür­fen zukünf­tig nicht mehr, wie bis­her prak­ti­ziert, in Kraft­wer­ken wie unse­rem MHKWmit­ver­brannt wer­den, da hier kei­ne Phos­phat­rück­ge­win­nung mög­lich ist. Die unmit­tel­ba­re Nach­bar­schaft der Bam­ber­ger Klär­an­la­ge zum MHKW eröff­net aber ver­schie­den Mög­lich­kei­ten, bei denen einer­seits die Exper­ti­se der Fach­leu­te des MHKW, aber auch Syn­er­gien bei der Wär­me- und Strom­erzeu­gung genutzt wer­den kön­nen.

Kreis­rat Tho­mas Ochs (Grü­ne) erklärt die Situa­ti­on im Land­kreis: „Die Klär­schlamm­ent­sor­gung wird für die Gemein­den immer mehr zu einem Rie­sen­pro­blem. Die Ent­sor­gungs­ko­sten stei­gen kon­ti­nu­ier­lich und vie­le Bür­ger­mei­ster wis­sen nicht wohin mit den Schläm­men, brau­chen aber bis 2023 eine trag­fä­hi­ge Lösung. Die Suche nach einer gemein­sa­men Lösung mit der Stadt Bam­berg ist daher aus­drück­lich zu begrü­ßen und der bereits bestehen­de Zweck­ver­band MHKW die idea­le Platt­form dafür!“ In der Sit­zung des Zweck­ver­bands MHKW am 13.04.2021 wur­de nun eine von der Lei­tung des MHKW beauf­trag­te Stu­die vor­ge­stellt, in der meh­re­re Ver­fah­ren der Klär­schlamm­ver­wer­tung auf­ge­zeigt wer­den. Für das wei­te­re Vor­ge­hen wer­den in die­ser Stu­die aller­dings nur dieKon­zep­ti­on einer sog. „Mono­ver­bren­nung“ am Stand­ort Bam­berg und eine Anla­ge zur Klär­schlamm­t­rock­nung mit Wei­ter­ver­ar­bei­tung des getrock­ne­ten Klär­schlamms in einer wei­ter ent­fern­ten Mono­ver­bren­nung (z.B. in Strau­bing) in den Blick genom­men. „Kli­ma­po­li­tisch ist es Irr­sinn den Klär­schlamm erst zu trock­nen und dann zu ver­bren­nen, ganz abge­se­hen von den Trans­port­we­gen, die dabei anfallen. 

Dabei wer­den erheb­li­che Men­gen CO2 emit­tiert. Alter­na­ti­ve Ver­fah­ren (Pyro­ly­se, HTC, etc) bie­ten hin­ge­gen die Mög­lich­keit, Kohlen­stoff im Mate­ri­al dau­er­haft (min­de­stens über Jahr­hun­der­te) zu bin­den und dadurch kli­ma­po­si­tiv zu wir­ken. Dies wird in vor­lie­gen­der Stu­die aber über­haupt nicht berück­sich­tigt,“ stellt der ener­gie­po­li­ti­sche Spre­cher der Stadt­rats­frak­ti­on GRÜ­NES BAM­BERG, Andre­as Eichen­se­her, fest. Bür­ger­mei­ster Wolf­gang Metz­ner (SPD) ergänzt: „Die inno­va­ti­ven,kli­ma­freund­li­chen Ver­fah­ren kosten zudem nicht mehr als die rei­ne Ver­bren­nung, bie­ten aber die Chan­ce, För­der­gel­der zu akqui­rie­ren.“ Bür­ger­mei­ster Jonas Glü­sen­lamp (Grü­ne)ver­deut­licht: „Neben den rein wirt­schaft­li­chen Kenn­zah­len muss bei einem Pro­jekt die­ser Grö­ßen­ord­nung unbe­dingt der Kli­ma­schutz bei den Pla­nun­gen berück­sich­tigt wer­den. Aktu­ell lau­fen vie­le For­schungs­pro­jek­te zu inno­va­ti­ven und öko­lo­gisch sinn­vol­len Ver­fah­ren der Klär­schlamm­ver­wer­tung. Als Stich­worte seien hier nur die sog. Pyro­ly­se oder das HTC-Ver­fah­ren erwähnt, bei denen als End­pro­dukt ein fer­ti­ger Phos­phat­dün­ger ent­steht. Wich­tig ist es, hier eine ergeb­nis­of­fe­ne Dis­kus­si­on zu füh­ren. Ich bin sehr froh, dass die Ver­bands­ver­samm­lung dies in gro­ßem Kon­sens fest­ge­stellt hat und die Lei­tung des MHKW um eine brei­te­re Daten­ba­sis zur Bewer­tung der Verfah­ren gebe­ten hat.“

Abschlie­ßend resü­mieren Ochs, Eichen­se­her, Büch­ner und Metz­ner: „Wir möchten, dass Stadt und Land­kreis auch bei der Klär­schlamm­ver­wer­tung eine Vor­rei­ter­rol­le ein­neh­men und hierregio­nal eine wirk­lich nach­hal­ti­ge Lösung gefun­den wird. Daher haben wir den frak­ti­ons­über-grei­fen­den Antrag initi­iert, die Bewer­tung der ver­schie­de­nen Klär­schlamm­ver­wer­tungs­op­tio­nen um eine CO2-Bilanz, eine siche­re Mög­lich­keit des Phos­phor-Recy­clings sowie eine kri­ti­sche öko­lo­gi­sche Betrach­tung des mate­ri­el­len Stoff­kreis­laufs zu ergän­zen.“ Der Antrag wur­de in der ver­gan­ge­nen Ver­bands­ver­sammlung ein­stim­mig ange­nom­men. „Es ist wich­tig, dass wir umfas­sen­de Infor­ma­tio­nen vor­lie­gen haben, um auch im Lich­te wich­ti­ger öko­lo­gi­scher Kenn­zah­len sinn­vol­le Ent­schei­dun­gen für die Zukunft zu tref­fen“, so die Stadt- und Kreis­rä­te, die sich in der wei­te­ren Dis­kus­si­on auch Mut und Offen­heit für Neu­es wünschen.

Anla­ge Ergän­zungs­an­trag zu TOP 04 der Sit­zung der Ver­bands­ver­samm­lung des Zweck­ver­bands Müll­heiz­kraft­werk vom 13.04.2021

2021_​04_​13_​Antrag_​Klärschlammverwertung öko­lo­gi­sche Bewertungskriterien