Aus der Gos­ber­ger Leser­post: Stel­lung­nah­me zum Bericht „Braucht das Land neue Wege? (FT 21.4.2021)

leserbrief-symbolbild

Leicht ver­än­dert zitie­re ich den Zoo­lo­gen Grzimek: „Auch die Bäu­me gehö­ren allen Men­schen.“ Oft ver­ste­hen wir das zu spät, wenn nur noch ihre Spu­ren sicht­bar sind, nach Brand­ro­dun­gen im Urwald oder nach lieb­ge­won­ne­nen Streu­obst­at­mo­sphä­ren, die aus öko­no­mi­schen Grün­den ver­schwun­den sind. Der Dich­ter Brecht schreibt in sei­ner Bal­la­de vom Baum und den Ästen: „Mehr her, schrei­en die Gäste, bis der Wirt die Rech­nung zeigt.

Der Papst sagt: Jeder Mensch ist eine Mis­si­on. Das heißt, jeder hat einen Auf­trag als Erzie­her in der Wei­ter­ga­be des Glau­bens und der Über­zeu­gun­gen, als Gärt­ner in der Bewah­rung der Schöp­fung. Dazu gehört auch die Bereit­schaft zum Ver­zicht. Ein Gesprächs­part­ner sag­te mir ein­mal: „Ver­zicht gehört nicht zu mei­nem Wort­schatz.“ Und damit bin ich beim Kern­we­ge­netz. Wenn es um ein­zel­ne Ver­bes­se­run­gen gin­ge, bräuch­te es kein Netz. Wie hat denn bis­her die Arbeit der Bau­ern ohne Netz funk­tio­nie­ren kön­nen? Die Ver­sor­gung mit Grund­nah­rungs­mit­teln ist der Auf­trag, der häu­fig nicht mehr wahr­ge­nom­men wird. Denn die Groß­con­tai­ner trans­por­tie­ren kei­ne Kar­tof­feln oder Kraut.

Der Kunst­krei­sel am Ker­s­ba­cher Kreuz heißt in die heu­ti­ge Spra­che über­setzt: Für Mensch und Natur! Dass Lud­wig Tieck mit sei­ner Natur­lie­be und alle schöp­fe­ri­schen Berühmt­hei­ten unse­re Frän­ki­sche Schweiz und ihre Schön­heit mit­be­schüt­zen, kann ein Zitat von Karl Kraus (1909) bewei­sen, das man nicht buch­stäb­lich ver­ste­hen darf, son­dern nur in sei­nem Kern­ge­dan­ken: Es ist höch­ste Zeit aus einer Welt, die den Den­kern und den Dich­tern gehört, die Juri­sten und Medi­zi­ner hinauszujagen.

Kraus ist kein Coro­na-Leug­ner, es geht um die Ent­schei­dungs­hirar­chie. Die Ver­gan­gen­heit ist unse­re Leh­re­rin, deren Ergeb­nis­se wir beher­zi­gen, bevor die gro­ße Rech­nung kommt. Die Natur darf nicht wei­ter kom­mer­zia­li­siert wer­den, also muss das Kern­we­ge­netz vom Tisch.

Alfons Eger, Gosberg,