Kon­junk­tur im ober­frän­ki­schen Hand­werk – I. Quar­tal 2021

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Licht und Schat­ten im ober­frän­ki­schen Handwerk

Stei­gen­der Geschäfts­kli­ma­in­dex und opti­mis­ti­sche­re Erwar­tun­gen – Umfra­ge der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken unter 443 Betrie­ben mit 10.350 Beschäftigten

Das ober­frän­ki­sche Hand­werk beweist in der Pan­de­mie Robust­heit. So wei­sen wesent­li­che Kon­junk­tur­da­ten trotz der teils erheb­li­chen Ein­schrän­kun­gen für ein­zel­ne Gewer­ke nach oben, auch die Früh­jahrs­be­le­bung bil­det sich in den Zah­len ab. „Wir sind froh, dass das Hand­werk ins­ge­samt so sta­bil ist“, sagt der Vize­prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken, Mat­thi­as Graß­mann. „Aller­dings darf das Ergeb­nis nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass die wirt­schaft­li­che Lage in vie­len Gewer­ken nach wie vor sehr ange­spannt ist. Wir haben also sowohl viel Licht, als auch viel Schat­ten in der Kon­junk­tur.“ Beson­ders wich­tig sei aber, dass die Kon­junk­tur­ent­wick­lung des I. Quar­tals wie­der einen opti­mis­ti­sche­ren Blick in die Zukunft weist als das Ende 2020 der Fall war. So gehen mit 62% fast zwei Drit­tel der befrag­ten Unter­neh­men nicht von einer wei­te­ren Ver­schlech­te­rung aus, 21% rech­nen gar mit einer bes­se­ren Situation.

Der Geschäfts­kli­ma­in­dex im ober­frän­ki­schen Hand­werk stieg im I. Quar­tal 2021 auf den Wert von 111, obwohl gro­ße Tei­le der Wirt­schaft noch im Lock­down ver­har­ren, der Ende 2020 noch zu einem deut­li­chen Ein­bruch führ­te (99). Wesent­li­che Trei­ber des Hand­werks sind dabei nach wie vor die Bau- und Aus­bau­hand­wer­ke, denen die Kri­se kaum anzu­mer­ken ist. „Alle ande­ren Gewer­ke lei­den deut­lich stär­ker unter der Coro­na-Kri­se und haben wei­ter­hin mit teils gro­ßen Ein­bu­ßen zu kämp­fen“, dif­fe­ren­ziert Geschäfts­füh­rer Rai­ner Beck die Zah­len. „Daher kön­nen auch wir im Hand­werk noch kei­ne Ent­war­nung geben.“

Gro­ße kon­junk­tu­rel­le Unter­schie­de zwi­schen den ein­zel­nen Gewerken

Die gro­ßen kon­junk­tu­rel­len Unter­schie­de zwi­schen den ein­zel­nen Hand­werks­zwei­gen zei­gen sich vor allem bei der Betrach­tung der Kapa­zi­täts­aus­las­tung. Wäh­rend in den Bau- und Aus­bau­hand­wer­ken gut die Hälf­te der Betrie­be eine 100-pro­zen­ti­ge oder höhe­re Aus­las­tung bestä­tig­ten, kehrt sich das Bild in allen ande­ren Berei­chen um. Vor allem Fri­seu­re und Kos­me­ti­ker, die lan­ge geschlos­sen blei­ben muss­ten und auch jetzt erheb­li­che Anfor­de­run­gen bei den Hygie­neund Schutz­maß­nah­men zu erfül­len haben, aber auch indus­trie­na­he Zulie­fe­rer und Betrie­be des gewerb­li­chen Bedarfs arbei­ten noch immer weit unter ihren Mög­lich­kei­ten. Fast die Hälf­te mel­de­te eine Betriebs­aus­las­tung von maxi­mal 70%. Im Kfz-Bereich ist die Aus­las­tung sogar noch etwas nied­ri­ger, was in ers­ter Linie auf die Ein­schrän­kun­gen im Han­del zurück­zu­füh­ren sein dürf­te. „Über alle Gewer­ke hin­weg wei­sen die ober­frän­ki­schen Betrie­be der­zeit durch­schnitt­lich eine Aus­las­tung von 74% aus, was zwar dem Vor­quar­tals­wert ent­spricht, aber wei­ter­hin deut­lich unter dem Schnitt der letz­ten Jah­re liegt“, fasst Beck zusammen.

Hand­werk als Arbeit­ge­ber ver­läss­li­che Größe

Die Kon­junk­tur­zah­len der ers­ten drei Mona­te des Jah­res zei­gen damit auch, dass trotz begin­nen­der Erho­lung das Vor­kri­sen­ni­veau 2021 nicht mehr erreicht wird – auch wenn die Auf­trags­ein­gän­ge wie­der etwas zuge­nom­men haben, die Auf­trags­reich­wei­te gestie­gen ist (durch­schnitt­lich 9 Wochen) und eine Umsatz­stei­ge­rung erwar­tet wird. Gleich­wohl bleibt das Hand­werk als Arbeit­ge­ber für die­Sei­te 2 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in der Pan­de­mie eine ver­läss­li­che Grö­ße, der Arbeits­markt zeigt sich trotz leicht nega­ti­vem Sal­do sta­bil. Der Geschäfts­füh­rer: „Der nega­ti­ve Sal­do im I. Quar­tal dürf­te in ers­ter Linie sai­so­nal bedingt sein, die­se Schwan­kung gibt es Jahr für Jahr – unab­hän­gig von der Pandemie.“

„Jetzt end­lich Ver­läss­lich­keit gefordert“

Die­se Robust­heit des Hand­werks, die auch den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern in der Kri­se Halt und Sicher­heit gibt, darf aus Sicht des Vize­prä­si­den­ten der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken nun nicht mehr wei­ter belas­tet wer­den. „Wir brau­chen jetzt ange­sichts der neu­er­li­chen Ver­schär­fun­gen der Pan­de­mie-Regeln in Bay­ern und der Dis­kus­si­on um eine bun­des­ein­heit­li­che Rege­lung qua Gesetz, end­lich Pla­nungs­si­cher­heit für unser Betrie­be“, for­dert Mat­thi­as Graß­mann. „Die­se muss eine Ver­läss­lich­keit beinhal­ten, die dem ewi­gen Hin und Her Ein­halt gebie­tet und auch eine Öff­nungs­stra­te­gie skiz­ziert, die dann auch tat­säch­lich umge­setzt wird.“ Graß­mann lehnt auch die vom Bun­des­ka­bi­nett beschlos­se­ne, gesetz­li­che Ver­pflich­tung für Arbeit­ge­ber rund­weg ab, ihren Beschäf­tig­ten Tests anzu­bie­ten. „Das ist das fal­sche Signal und belas­tet unse­re Hand­werks­be­trie­be zusätz­lich in einer für sie ohne­hin schwie­ri­gen Lage. Die­se gesetz­ge­be­risch unnö­ti­ge Akti­on ist der Ver­such, die beim Staat lie­gen­de Ver­ant­wor­tung für die Pan­de­mie­be­kämp­fung auf die Wirt­schaft zu verlagern.“

Ein­schät­zung aus ein­zel­nen Handwerkszweigen

  • Die Bau- und Aus­bau­hand­wer­ke blei­ben die Kon­junk­tur­trei­ber im ober­frän­ki­schen Hand­werk und mel­den star­ke Wer­te. 95% bzw. 94,5% haben eine gute oder befrie­di­gen­de Geschäftslage.
  • Zulie­fe­rer und Betrie­be des gewerb­li­chen Bedarfs bewe­gen sich auf Vor­jah­res­ni­veau und ver­zeich­nen kei­ne merk­li­che Erho­lung. Den­noch ist die Lage bes­ser als in ande­ren Gewer­ken. 70% sind zumin­dest mit den Geschäf­ten zufrieden.
  • Im Kfz-Hand­werk hat sich die wirt­schaft­li­che Lage im Vor­jah­res­ver­gleich zwar leicht ver­bes­sert, den­noch lei­den die Betrie­be wei­ter­hin stark unter den Ein­schrän­kun­gen, sodass 46,5% eine schlech­te Geschäfts­la­ge vor­wei­sen. Das I. Quar­tal ist für den Auto­mo­bil­han­del schlecht gelaufen.
  • Die Nah­rungs­mit­tel­hand­wer­ke kom­men wei­ter­hin etwas bes­ser durch die Kri­se. Zwar haben auch sie merk­li­che Umsatz­aus­fäl­le, kön­nen die Ver­lus­te aber wenigs­tens teil­wei­se kom­pen­sie­ren. 38,5% haben eine gute, 43% noch eine befrie­di­gen­de Geschäftslage.
  • Bei den Gesund­heits­hand­wer­ken stellt sich die Lage wie im Vor­jahr wei­ter­hin schwie­rig dar. Bei 59% der Befrag­ten ist die Geschäfts­la­ge schlecht.
  • Fri­seu­re und Kos­me­ti­ker waren im I. Quar­tal 2021 erneut von behörd­lich ange­ord­ne­ten Betriebs­schlie­ßun­gen betrof­fen. Dem­entspre­chend beur­teilt die Mehr­heit mit 59% die wirt­schaft­li­che Lage als schlecht