Agrar­po­li­ti­scher Aus­tausch mit Jung­land­wir­ten aus Oberfranken

Pla­nungs­si­cher­heit, weni­ger Büro­kra­tie und mehr Wert­schät­zung – um die­se drei zen­tra­len Anlie­gen dreht sich ein lan­ger Dis­kus­si­ons­abend von ober­frän­ki­schen Land­wir­ten und poli­ti­schen Akteuren.

Zum vir­tu­el­len Aus­tausch ein­ge­la­den hat­ten Ober­fran­kens CSU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te ins­be­son­de­re Jung­land­wir­te aus der Regi­on, dazu die bei­den Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten Moni­ka Hohl­mei­er und Mar­le­ne Mortler.

Online-Diskussionsabend von oberfränkischen Landwirten und politischen Akteuren

Online-Dis­kus­si­ons­abend von ober­frän­ki­schen Land­wir­ten und poli­ti­schen Akteuren

„Wir ste­hen zu unse­rer Bau­ern­schaft, denn wir wol­len auch in Zukunft regio­nal pro­du­zier­te Lebens­mit­tel. Dafür brau­chen wir gera­de auch den Nach­wuchs in der Land­wirt­schaft und des­halb suchen wir den direk­ten Aus­tausch mit Ihnen“, macht Staats­mi­ni­ste­rin Mela­nie Huml aus Bam­berg gleich zu Beginn klar – ein Gesprächs­an­ge­bot, das inten­siv genutzt wird.

Insek­ten­schutz, Dün­ge­vor­schrif­ten und Tier­wohl­richt­li­ni­en gehö­ren zu den aktu­ell größ­ten Her­aus­for­de­run­gen. Außer­dem steht eine Reform der Gemein­sa­men Agrar­po­li­tik (GAP) der EU an.

„Wir sehen gera­de die Zukunft klei­ne­rer Höfe in Gefahr“, klagt eine Jung­land­wir­tin aus dem Land­kreis Bay­reuth und nennt als Bei­spie­le umfang­reich büro­kra­ti­sche Auf­la­gen, Inve­sti­ti­ons­be­darf und die Vor­ga­be der EU-Agrar­po­li­tik, wonach Flä­chen für einen Bio­top­ver­bund aus der Bewirt­schaf­tung genom­men wer­den sol­len. Denn gera­de Bau­ern, die nur klei­ne Bewirt­schaf­tungs­flä­chen haben, kön­nen auf kei­nen Qua­drat­me­ter ver­zich­ten.“ „Auch Land­wir­te wol­len mehr tun für Öko­lo­gie, Arten­viel­falt und Gewäs­ser­schutz, es darf dabei jedoch nicht ihre Exi­stenz gefähr­det wer­den. Des­we­gen küm­mern wir uns um einen fai­ren Aus­gleich zwi­schen gesell­schaft­li­chen Wün­schen und der Rea­li­tät auf den Bau­ern­hö­fen“, erklärt der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Mar­tin Schöf­fel aus Wun­sie­del, Vor­sit­zen­der des Arbeits­krei­ses Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und For­sten. „Seit das Geset­zes­pa­ket zum Insek­ten­schutz 2019 von Bun­des­um­welt­mi­ni­ste­rin Sven­ja Schul­ze vor­ge­legt wor­den ist, haben wir uns auf Bun­des­ebe­ne mas­siv ein­ge­bracht. Wir konn­ten unter ande­rem errei­chen, dass es über unser für Bay­ern beschlos­se­nes Arten­schutz­ge­setz hin­aus kei­ne groß­flä­chi­gen Unter­schutz­stel­lun­gen geben wird.

Auch unse­ren Ansatz der Frei­wil­lig­keit kön­nen wir wei­ter­ver­fol­gen und bei­spiels­wei­se den Ver­zicht von Pflan­zen­schutz­mit­teln in FFH-Gebie­ten för­dern anstatt dies pau­schal zu verbieten.

Insek­ten­schutz und Bio­di­ver­si­tät geht nur mit der Land­wirt­schaft und nicht gegen sie!“ Noch ist das „Akti­ons­pro­gramm Insek­ten­schutz“ nicht beschlos­sen, im Mai soll sich der Bun­des­rat damit befassen.

„Wir wer­den hier sehr genau dar­auf ach­ten, dass kein Auto­ma­tis­mus in Gang kommt. Für uns gilt ganz klar der Ver­trau­ens­schutz im FFH-Gebiet“, so Schöffel.

Ein wei­te­res heiß dis­ku­tier­tes The­ma des Abends: die Büro­kra­tie. „Wir sind Land­wir­te aus Über­zeu­gung und wir sind gern drau­ßen, bei unse­ren Tie­ren oder auf den Fel­dern. Tat­säch­lich aber müs­sen wir immer län­ger zuhau­se am Schreib­tisch sit­zen“, beginnt ein Jung­land­wirt aus dem Land­kreis Hof und erhält von allen Sei­ten Zustim­mung. Beson­ders zeit­auf­wän­dig sei die Dün­ge­ver­ord­nung mit ihrer kom­ple­xen Nähr­stoff­bi­lanz, erklärt ein Jung­land­wirt aus dem Land­kreis Coburg.

„Wir brau­chen schlicht­weg auch Pla­nungs­si­cher­heit“, betont ein Jung­land­wirt aus dem Land­kreis Wun­sie­del. „Wenn ich einen Stall baue, dann läuft die Finan­zie­rung über Jahr­zehn­te. Wie soll ich denn schon fünf oder zehn Jah­re spä­ter neue Tier­wohl­stan­dards umset­zen, wenn mein Stall noch längst nicht abbe­zahlt ist?“ Ein ande­rer Jung­land­wirt ergänzt: „Ja, wann ist end­lich Schluss mit den immer neu­en Auf­la­gen? Wann kön­nen wir ein­fach mal in Ruhe unse­ren Job machen?“ „Auf euro­päi­scher Ebe­ne sind wir gera­de dabei, die Leit­li­ni­en unse­rer Gemein­sa­men Agrar­po­li­tik GAP wei­ter zu ver­han­deln. Sie soll am 1. Janu­ar 2023 in Kraft tre­ten“, ant­wor­tet die Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Mar­le­ne Mor­t­ler aus Mit­tel­fran­ken und Mit­glied im Aus­schuss für Land­wirt­schaft und länd­li­che Ent­wick­lung. „In der neu­en GAP wür­de ich ger­ne ein Bela­stungs­mo­ra­to­ri­um fest­schrei­ben las­sen, wie es kürz­lich Mar­tin Schöf­fel vor­ge­schla­gen hat. Die­ses Mora­to­ri­um muss idea­ler­wei­se für alle poli­ti­schen Ebe­nen gel­ten. Unser Ziel als CSU-Abge­ord­ne­te sind prak­ti­ka­ble Lösun­gen für die Zukunft, dafür brau­chen wir aller­dings immer auch poli­ti­sche Mehr­hei­ten, aber zusam­men mit Moni­ka Hohl­mei­er und unse­ren wei­te­ren Euro­pa­kol­le­gen wer­den wir uns genau dafür ein­set­zen“, so Mortler.

Ein wei­te­res der­zeit heiß dis­ku­tier­tes The­ma spricht die ober­frän­ki­sche Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Moni­ka Hohl­mei­er direkt an: das geplan­te Mer­co­sur-Frei­han­dels­ab­kom­men mit Bra­si­li­en, Argen­ti­ni­en, Para­gu­ay und Uru­gu­ay. „Für uns ist wich­tig, dass wir einer­seits unse­re hei­mi­schen Land­wir­te schüt­zen und ihnen ande­rer­seits neue Markt­po­ten­tia­le eröff­nen. Wir brau­chen gute Han­dels­ab­kom­men nicht nur im Auto­mo­bil­be­reich, son­dern eben­so in der Land­wirt­schaft. Unse­re hohen Pro­duk­ti­ons­stan­dards dür­fen nicht unter­lau­fen wer­den“, so Hohlmeier.

Gün­sti­ge­re Pro­duk­ti­on im Aus­land zu gerin­ge­ren Stan­dards sor­gen schon jetzt für Frust unter ober­frän­ki­schen Land­wir­ten, ins­be­son­de­re in der Schwei­ne­zucht. „Allein aus Däne­mark und den Nie­der­lan­den wer­den 11 Mil­lio­nen Fer­keln nach Deutsch­land impor­tiert“, berich­tet ein Land­wirt aus dem Land­kreis Bam­berg und for­dert, das Ende der betäu­bungs­lo­sen Kastra­ti­on müs­se auch für Impor­te gelten.

„Der Preis­druck ist enorm. Mehr trifft mich jedoch, dass in den Schu­len teil­wei­se ein fal­sches Bild von unse­rer Arbeit ver­mit­telt wird, mit der Fol­ge, dass wir, auch mei­ne Kin­der, beschimpft wer­den“, berich­tet eine wei­te­re Jung­land­wir­tin aus dem Land­kreis Bayreuth.

„Hier sol­len die neu­en Lern­in­hal­te zur All­tags­kom­pe­tenz Posi­ti­ves bewir­ken. In die Lehr­plan­auf­stel­lung haben wir uns inten­siv ein­ge­bracht und zusam­men mit dem Baye­ri­schen Bau­ern­ver­band vie­le Unter­richts­ma­te­ria­li­en nach Mün­chen gege­ben“, berich­tet die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Gud­run Bren­del-Fischer aus Bay­reuth. Sie hat­te schon seit ihrem Ein­zug in den Land­tag 2007 immer Vor­stö­ße unter­nom­men, um mehr Anwen­dungs­be­zug und Hand­lungs­ori­en­tie­rung ver­bind­lich in die Schu­len zu brin­gen. Gelun­gen ist es schließ­lich mit dem soge­nann­ten Ver­söh­nungs­ge­setz beglei­tend zum Artenschutz-Volksbegehren.

Auch den Ein­satz der Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten für die Wald­be­sit­zer und den Wald­schutz in Ober­fran­ken lob­ten die Teil­neh­mer der Run­de. Dazu Mar­tin Schöf­fel: Unse­re Forst­kul­tu­ren lei­den seit Jah­ren unter feh­len­den Nie­der­schlä­gen und Insek­ten­be­fall. Mit unse­ren För­der­pro­gram­men zur insek­ti­zid­frei­en Bor­ken­kä­fer­be­kämp­fung konn­ten wir in den Nadel­wald­ge­bie­ten den Wald­schutz gut unter­stüt­zen. Allein in den Fran­ken­wald flos­sen aus die­sem För­der­pro­gramm 14 Mil­lio­nen Euro. Über eine hal­be Mil­li­on Fest­me­ter Käfer­holz konn­te so aus den Wäl­dern geschafft oder insek­ti­zid­frei unschäd­lich gemacht wer­den, um die ver­blei­ben­den Bestän­de zu schüt­zen. Vie­len Dank an die Wald­be­sit­zer für ihren Ein­satz zum Erhalt des Wal­des“, betont Schöf­fel. Die erfor­der­li­chen Wie­der­auf­for­stun­gen und Neu­an­pflan­zun­gen für den Auf­bau kli­ma­sta­bi­ler Wäl­der wür­den vom Frei­staat Bay­ern in ganz Ober­fran­ken eben­falls mit erheb­li­chen För­der­mit­teln bezuschusst.

Mehr Wert­schät­zung für die Arbeit der Land­wirt­schaft wünscht sich auch der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Hol­ger Dre­mel aus dem Land­kreis Bam­berg: „Unse­re Bäue­rin­nen und Bau­ern pro­du­zie­ren mit viel Kön­nen, Herz­blut und Schweiß nicht nur gesun­de Lebens­mit­tel, son­dern pfle­gen unse­re Kul­tur­land­schaft und prä­gen durch ihr Enga­ge­ment auch das Leben in unse­ren Dör­fern. Wir kämp­fen auf poli­ti­scher Ebe­ne um pra­xis­ge­rech­te Rege­lun­gen für die bäu­er­li­chen Fami­li­en­be­trie­be. Wir brau­chen aber auch die Unter­stüt­zung der Ver­brau­cher. Jeder kann durch sei­ne Kauf­ent­schei­dung regio­nal und hoch­wer­tig pro­du­zier­te Lebens­mit­tel fördern.“