Wöl­fe in der Regi­on: Natur­schutz­bund LBV beklagt gro­ße Ver­säum­nis­se in der Herdenschutzberatung

Wolf. Foto: Waldemar Brandt
Wolf. Foto: Waldemar Brandt

Nach zwei Wolfs-Zwi­schen­fäl­len ist die For­de­rung nach Beja­gung der fal­sche Weg – Frü­he­re Bera­tung hät­te Nutz­tie­re bes­ser geschützt

Der baye­ri­sche Natur­schutz­ver­band LBV ver­ur­teilt die völ­lig über­zo­ge­nen For­de­run­gen nach Abschuss und früh­zei­ti­ger Regu­lie­rung des Wol­fes aufs Schärf­ste, nach­dem es im Umfeld des Vel­den­stei­ner For­stes (Lkr. Bay­reuth) in jüng­ster Ver­gan­gen­heit zwei Mal zu Zwi­schen­fäl­len in pri­va­ten Wild­ge­he­gen mit Wöl­fen gekom­men ist. „Der Wolf ist durch EU-Recht geschützt. Da bei­de Gat­ter in kei­ner Wei­se wolfs­si­cher waren, bedarf es kei­ner Ver­schär­fung der Beja­gung, son­dern einer früh­zei­ti­gen, akti­ven Bera­tung. Die­se hät­te durch die zustän­di­gen Behör­den schon lan­ge erfol­gen müs­sen, wur­de jedoch ver­säumt“, so der LBV-Vor­sit­zen­de Dr. Nor­bert Schäf­fer. Aus Sicht des LBV hät­ten bei­de Zwi­schen­fäl­le so mit hoher Wahr­schein­lich­keit ver­hin­dert wer­den kön­nen. „Bevor die Jagd auf den Wolf eröff­net wird, wie es Bau­ern­ver­bands-Vize Gün­ther Felß­ner und die CSU-Abge­ord­ne­te Gud­run Bren­del-Fischer for­dern, müs­sen erst mal die im baye­ri­schen Akti­ons­plan-Wolf vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men der Prä­ven­ti­on umge­setzt wer­den, was auch EU-rechts­kon­form wäre“, for­dert Schäf­fer. „Eben­so soll­te Land­wirt­schafts­mi­ni­ste­rin Michae­la Kani­ber kei­nen Brand­brief nach Brüs­sel schrei­ben, son­dern die ihr unter­stell­ten AELFs zu einer akti­ven und kom­pe­ten­ten Bera­tung der poten­zi­ell betrof­fe­nen Tier­hal­ter auf­for­dern“, so der LBV-Vor­sit­zen­de weiter.

Aus Sicht des LBV wird der bestehen­de Wolf-Akti­ons­plan zum Her­den­schutz trotz einer jah­re­lang bekann­ten Anwe­sen­heit eines Rudels im betrof­fe­nen Gebiet nicht ver­nünf­tig durch das zustän­di­ge AELF (Amt für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und For­sten) umge­setzt, son­dern es wird erst nach­träg­lich nach einem Vor­fall reagiert. Dass kei­ne akti­ve Bera­tung durch das zustän­di­ge AELF erfolgt ist, zeigt die Tat­sa­che, dass die betrof­fe­nen Tier­hal­ter offen­bar nicht wuss­ten, dass sie an ihrem Stand­ort den Anspruch auf eine kom­plet­te För­de­rung eines wolfs­si­che­ren Gehe­ges gehabt hät­ten. Das Rudel im Vel­den­stei­ner Forst lebt ja nur weni­ge Kilo­me­ter von Bet­zen­stein ent­fernt. „Die­ses Vor­ge­hen hal­ten wir auch des­halb für fahr­läs­sig, weil die Ent­schä­di­gungs­zah­lung durch den Staat für nicht sach­ge­recht geschütz­te, geris­se­ne Nutz­tie­re in der Regi­on bereits am 30. April 2021 aus­läuft, also ein Jahr, nach­dem die För­der­ku­lis­se ein­ge­rich­tet wur­de“, so Schäffer.

Der LBV zeigt sich ver­är­gert, dass bei den aktu­el­len, reflex­ar­ti­gen For­de­run­gen nach dem Abschuss einer streng geschütz­ten Tier­art nicht berück­sich­tigt wird, dass der Zaun der betrof­fe­nen Gat­ter in kei­ner Wei­se wolfs­si­cher war und Wöl­fe an meh­re­ren Stel­len ohne Gra­ben ein­fach durch­schlüp­fen konn­ten. „Der Zaun bei bei­den betrof­fe­nen Tier­hal­tern ist nun wolfs­si­cher. Dank der Orga­ni­sa­ti­on durch Wiki­wol­ves und des gro­ßen Enga­ge­ments zahl­rei­cher Hel­fer vor Ort wur­de dies gera­de nach­ge­holt“, berich­tet Wil­li Rein­bold, Wolfs­be­auf­trag­ter des LBV, der dabei tat­kräf­tig mit­ge­wirkt hat.

Wie zahl­rei­che Bei­spie­le aus ande­ren Bun­des­län­dern wie bei­spiels­wei­se Baden-Würt­tem­berg zei­gen, wird dort auch der Arbeits­auf­wand des Zaun­baus bezahlt, in Bay­ern hin­ge­gen wer­den nur Mate­ri­al­ko­sten über­nom­men. „Die­se finan­zi­el­le Unter­stüt­zung beim Her­den­schutz müss­te doch auch im Frei­staat pro­blem­los mög­lich sein, denn eine der­ar­ti­ge För­de­rung wur­de für ande­re Regio­nen von der EU ja bereits noti­fi­ziert“, sagt Reinbold.

Nach dem baye­ri­schen Wolfs-Akti­ons­plan ist die Ent­nah­me eines Wol­fes nur dann mög­lich, wenn eine nach­ge­wie­se­ne Tötung von sach­ge­recht geschütz­ten Nutz­tie­ren mit Wie­der­ho­lungs­ge­fahr vor­liegt. „Das war hier in Bet­zen­stein defi­ni­tiv nicht der Fall“, so Wil­li Rein­bold. „Da die Tie­re in den bei­den Gehe­gen nun sach­ge­recht geschützt sind, for­dern wir als LBV, dass dies umge­hend bei allen Hal­tern im betrof­fe­nen Raum kon­se­quent geschieht, damit sich die Wöl­fe nicht an leicht erreich­ba­re Beu­te gewöh­nen“, so Reinbold.