Plech: Deut­sches Kame­ra­mu­se­um stat­tet TV-Pro­duk­ti­on über die Wim­ble­don-Jah­re von Boris-Becker aus

Wolfgang Schanderl und Andreas Wolf (von links) nahmen sich zusammen mit anderen Kollegen bei verschiedenen Gelegenheiten der zentnerschweren Neuzugänge des vergangenen Jahres an und schufen Ordnung in den verschiedenen Depoträumen. Es gab trotz Schließung immer etwas zu tun. Fotos: Kurt Tauber/Kameramuseum

Wolf­gang Schand­erl und Andre­as Wolf (von links) nah­men sich zusam­men mit ande­ren Kol­le­gen bei ver­schie­de­nen Gele­gen­hei­ten der zent­ner­schwe­ren Neu­zu­gän­ge des ver­gan­ge­nen Jah­res an und schu­fen Ord­nung in den ver­schie­de­nen Depo­träu­men. Es gab trotz Schlie­ßung immer etwas zu tun. Fotos: Kurt Tauber/​Kameramuseum

Weih­nach­ten schon im Herbst: Von einer nie­der­säch­si­schen Poli­zei­in­spek­ti­on erhielt das Deut­sche Kame­ra­mu­se­um in Plech rund 70 aus­ge­mu­ster­te ana­lo­ge Nikon-Spie­gel­re­flex­ka­me­ras ohne jeg­li­che Auf­la­ge. Die Appa­ra­te wären sonst auf dem Müll gelan­det. / Foto: Kurt Tauber

2021 besteht das Ple­cher Muse­um zehn Jah­re – Trotz Coro­na-Zei­ten sehr aktiv

PLECH – Nach außen hin ist es in den letz­ten Coro­na-Mona­ten etwas ruhig um das Deut­sche Kame­ra­mu­se­um in Plech gewor­den. Doch das täuscht: Die Arbeit ging – lei­der ohne Publi­kum – sehr erfolg­reich wei­ter: Bei­spiels­wei­se wur­den zwei Groß­spen­den an Expo­na­ten auf­ge­ar­bei­tet und inte­griert, ein pro­fes­sio­nel­ler Audio­gui­de mit 37 Sta­tio­nen wur­de erstellt. Eine ARD-Film­pro­duk­ti­on wur­de mit 60 Foto- und Film­ka­me­ras aus­ge­stat­tet und gera­de ist man damit beschäf­tigt, die Dreh­ar­bei­ten zu einem Fern­seh­film über Ten­nis­le­gen­de Boris Becker mit der Aus­lei­he ähn­lich vie­ler Foto­ap­pa­ra­te mög­lichst authen­tisch aus­zu­ge­stal­ten. Und, wegen Coro­na geht das etwas unter: Das Ple­cher Muse­um wird in die­sem Jahr zehn Jah­re alt!

Umzug des Museumsbüros

Wenn in den letz­ten Mona­ten weni­ger Infos über die Muse­ums­ak­ti­vi­tä­ten nach außen dran­gen, hat das auch einen ganz prak­ti­schen Hin­ter­grund: Muse­ums­grün­der Kurt Tau­ber ist im Dezem­ber nach zehn Jah­ren Auf­bau­ar­beit vor Ort in Plech mit sei­ner Pri­vat­woh­nung (und damit auch mit dem Muse­ums­bü­ro) aus fami­liä­ren Grün­den wie­der zurück nach Peg­nitz gezo­gen. Inzwi­schen ist alles halb­wegs ver­staut, Tele­fon, Com­pu­ter, Inter­net funk­tio­nie­ren wieder.

Aus­ge­fal­le­ne Fotobörse

Nach­dem die Ple­cher Foto­bör­se 2020 zwei­mal ver­scho­ben wer­den muss­te und dann für 2020 ganz aus­fiel fehl­ten dem Ver­ein beträcht­li­che Ein­nah­men, also muss­te man sich etwas ein­fal­len lassen.

Ein hüb­sches Sümm­chen erlö­ste der För­der­ver­ein durch einen Gerä­te­ver­leih (Kame­ras, Film­ge­rä­te, Pro­jek­to­ren) an eine Köl­ner Film­ge­sell­schaft und dann akti­vier­ten Bör­sen­or­ga­ni­sa­tor Andre­as Wolf und Schatz­mei­ster Tho­mas Wan­ka einen eBay-Account, über den man in den letz­ten Mona­ten attrak­ti­ve Gerä­te aus den Über­be­stän­den an den Mann brach­te, „selbst­ver­ständ­lich mit aus­drück­li­chem Ein­ver­ständ­nis der jewei­li­gen Spen­der“, wie Andre­as Wolf in der Pres­se­mit­tei­lung des Muse­ums betonte.

Groß­spen­de Poli­zei Osnabrück

Vor eini­gen Mona­ten hat das Muse­um von einer Poli­zei­in­spek­ti­on in Nie­der­sach­sen 70 aus­ge­mu­ster­te Nikon-Spie­gel­re­flex­ka­me­ras und vie­le wei­te­re Foto­ge­rä­te kosten­los über­eig­net bekom­men. Ein Team aus Andy Wolf, Tho­mas Wan­ka, Hol­ger Grzimek, Wolf­gang Schand­erl und Ulli Möl­ler Coro­na-kon­form die Poli­zei­ka­me­ras gesich­tet und sor­tiert. Die Guten ins Töpf­chen, die Schlech­ten in Kröpfchen.

Groß­spen­de DDR-Dia- und Filmprojektoren

Vor mitt­ler­wei­le einem Jahr brach­te ein Ehe­paar aus Mag­de­burg mit einem eigens ange­mie­te­ten Klein­trans­por­ter, der bis unters Dach bela­den war, unge­fähr 150 Dia­pro­jek­to­ren aus der frü­he­ren DDR nach Plech – die umfang­rei­che Samm­lung des ver­stor­be­nen Vaters der Spen­de­rin. Jetzt, wo das Muse­um ohne­hin auf­grund von Coro­na (und dann auf­grund der Win­ter­pau­se) geschlos­sen war, über­nahm Wolf­gang Schand­erl die Sisy­phus-Auf­ga­be, die Neu­zu­gän­ge und die Alt­be­stän­de an Dia­pro­jek­to­ren zu sor­tie­ren, zu kon­trol­lie­ren, zu foto­gra­fie­ren und zu kata­lo­gi­sie­ren. Mehr zu den aktuellen

Neu­zu­gän­ge auf der Home­page des Muse­ums unter https://www.kameramuseum.de/1‑neue-seiten.html

Pro­fes­sio­nel­ler Audio­gui­de mit 37 Stationen

Die Bun­des­re­gie­rung leg­te im Som­mer ein Coro­na-Hilfs­pro­gramm auf, mit dem Muse­en eine kon­takt­lo­se Füh­rung durch ihr Muse­um ermög­licht wer­den soll­te: Mit Hil­fe des Smart­pho­nes und von QR-Codes kön­nen Muse­ums­be­su­cher sich über die wich­tig­sten Sta­tio­nen im Muse­um informieren.

Das Pro­jekt belief sich auf ein Volu­men von rund 11.000 Euro, von denen 90 Pro­zent der Bund über­nahm. Her­aus kam ein pro­fes­sio­nel­ler Audio­gui­de mit stol­zen 37 Sta­tio­nen – die wich­tig­sten Attrak­tio­nen des Muse­ums, span­nend wie ein Hör­spiel: https://​www​.kame​ra​mu​se​um​.de/​a​u​d​i​o​g​u​i​de/. Damit wur­de sogar ein vir­tu­el­ler Muse­ums­be­such in Coro­na-Zei­ten möglich.

Aus­lei­hen an TV und Museen

Das Deut­sche Kame­ra­mu­se­um hat in der Ver­gan­gen­heit schon ver­schie­de­nen pri­va­ten und öffent­lich-recht­li­chen TV-Teams Film­auf­nah­men mit zeit­ge­nös­si­schen Foto­ge­rä­ten als Kulis­se ermög­licht. Zum Bei­spiel wur­de an die Köl­ner Pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaft „Zeit­sprung“ Foto- und Fil­me­quip­ment für Dreh­ar­bei­ten aus­ge­lie­hen. Die TV-Fil­me „Jack The Rip­per“ (Aus­strah­lung 2016 auf SAT 1) und im Jahr 2020 „Das wei­ße Haus am Rhein“ (ARD, Sen­dung geplant für Win­ter 2021) wur­den so mit jeweils Dut­zen­den Gerä­ten ausgestattet.

Aktu­ell bear­bei­ten die Muse­ums­ma­cher eine Anfra­ge, in der es um einen RTL-Film geht, in dem die Wim­ble­don-Jah­re von Ten­nis­le­gen­de Boris Becker neu erzählt wer­den. Dane­ben sind der­zeit etwa ein Dut­zend Expo­na­te aus dem Ple­cher Muse­um an gro­ße staat­li­che Muse­en in Süd­deutsch­land ausgeliehen.

Auch 2021 viel zu tun

Das Deut­sche Kame­ra­mu­se­um in Plech exi­stiert nur, weil es seit Mit­te der 1990er Jah­re einen immer grö­ßer gewor­de­nen Inter­net­auf­tritt gibt, der auch zu her­vor­ra­gen­den Platz­ie­run­gen bei Goog­le geführt hat. So fin­den poten­ti­el­le Besu­cher, inter­es­sier­te Medi­en und Spen­der die frän­ki­sche Einrichtung.

Inzwi­schen haben sich (Stand Febru­ar 2021) fol­gen­de Grö­ßen­ord­nun­gen des Web-Pro­jek­tes „www​.kame​ra​mu​se​um​.de“ erge­ben: 27.415 Datei­en ins­ge­samt mit einer Gesamt­grö­ße von 2,3 Giga­byte online; davon 16.239 Bil­der (rund zwei GB); 97.743 Hyper­links (davon 8.712 exter­ne Links auf frem­de Sei­ten) und 89.031 inter­ne Hyper­links (Links, die auf ande­re eige­ne Sei­ten ver­wei­sen). Die Besu­cher­sta­ti­stik weist für das Jahr 2020 täg­lich etwa 40.000 bis 65.000 ein­zel­ne Besu­cher mit 175.000 bis 225.000 ver­schie­de­nen Sei­ten­auf­ru­fen aus – eben­falls pro Tag.

Das heißt also: 50.000 Men­schen welt­weit haben jeden Tag im Jah­re 2020 die Inter­net­sei­ten des Kame­ra­mu­se­ums in Plech besucht und dabei durch­schnitt­lich jeweils vier Sei­ten ange­schaut. Man­che ver­brin­gen aber auch Stun­den im Muse­ums-Web, wie sie den Ver­ant­wort­li­chen immer wie­der ver­si­chern. Doch die Sei­ten – vie­le noch aus der Zeit um die Jahr­hun­dert­wen­de – benö­ti­gen drin­gend einen Relaunch zu moder­nem Lay­out und mit Anpas­sung an die neu­en End­ge­rä­te wie Smart­pho­nes und Tablets. Eine Mam­mut­auf­ga­be, für die das Muse­um noch Unter­stüt­zung von Fach­leu­ten sucht.

Dazu kommt noch die „nor­ma­le“ Muse­ums­ar­beit, unter ande­rem die Vor­be­rei­tung meh­re­rer Foto­aus­stel­lun­gen – sofern Coro­na das im „Jubi­lä­ums­jahr 2021“ über­haupt zulässt…