Kli­ma­li­ste Erlan­gen: VEP Erlan­gen – Lücke bei Ambi­ti­on und Umsetzung

Der Ver­kehrs­ent­wick­lungs- und Mobi­li­täts­plan Erlan­gen (VEP) ana­ly­sier­te syste­ma­ti­sche die aktu­el­le Ver­kehrs­si­tua­ti­on in Erlan­gen und zeigt dabei Schwach­stel­len und Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten auf. Der Umfang und die Metho­de, mit der die Daten erho­ben, struk­tu­riert und dar­ge­stellt wur­den ist gelun­gen und stellt eine soli­de Basis für zukünf­ti­ge Pla­nun­gen und Ent­wick­lun­gen. Der VEP wur­de mit regel­mä­ßi­ger Betei­li­gung von Bürger*innen ent­wickelt und Rück­mel­dun­gen wur­den in den Plan ein­ge­ar­bei­tet. Die Betei­li­gung für die Erstel­lung des VEP fand haupt­säch­lich in den Jah­ren 2013 bis 2019 im Rah­men des Forum VEP statt. Durch den zeit­li­chen Ver­satz zwi­schen Vor­stel­lung im Jahr 2021 und letz­ten Arbeits­tref­fen des Forum VEP im Jahr 2019 konn­ten wich­ti­ge Ent­wick­lun­gen der letz­ten zwei Jah­ren nicht mehr im Rah­men der Betei­li­gung berück­sich­tigt wer­den, bei­spiel­haft sind hier das Aus­ru­fen des Kli­ma-Not­stands, die Sofort­maß­nah­men im Rah­men des Kli­ma-Auf­bruchs und die Ver­hand­lun­gen mit der Initia­ti­ve Rad­ent­scheid zu nen­nen. Der damit ein­her­ge­hen­de gesell­schaft­li­che Wan­del in Bezug auf Mobi­li­tät spie­gelt sich in den vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men und Zie­len nicht wider, ein Abgleich mit dem Kli­ma-Not­stand und den benö­ti­gen Reduk­tio­nen zum Ein­hal­ten des 1,5‑Grad-Ziels fehlt kom­plett. Im VEP wird als Ziel in Bezug auf den moto­ri­sier­ten Indi­vi­du­al­ver­kehr (MIV) maß­geb­lich von Bün­de­lung und Begren­zung des Zuwach­ses gespro­chen, nicht jedoch von einer Reduk­ti­on. In den ersten Ana­ly­sen zum Inte­grier­ten Kli­ma­schutz­kon­zept (IKSK) “Erlan­gen kli­ma­neu­tral” wird beim Ver­kehr eine Soll-Ein­spa­rung durch Ver­la­ge­rung auf ÖPNV/​Fahrrad/​Fußgänger von 30% genannt, die­se taucht im VEP weder als Ziel auf, noch wer­den dafür geeig­ne­te Maß­nah­men und Ideen genannt.

Für die Umset­zung des VEP im Zusam­men­spiel mit dem Kli­ma-Not­stand wäre es zwin­gend not­wen­dig ein­deu­tig kli­ma­schäd­li­che Pro­jek­te wie den Bau von Orts­um­ge­hun­gen zu stop­pen. Die dadurch frei­wer­den­den Pla­nungs­ka­pa­zi­tä­ten in der Ver­wal­tung wer­den bei der Pla­nung von Fuß- und Rad­ver­kehrs­we­gen drin­gend benö­tigt. Des Wei­te­ren soll­te der VEP auch über den aktu­ell gül­ti­gen Rechts­rah­men hin­aus Ideen nen­nen, wie Mobi­li­tät zukünf­tig in Erlan­gen gestal­tet wer­den soll und bei­spiels­wei­se über den Städ­te­tag Ände­rung an Bun­des- und Lan­des­ge­set­zen for­dern (z.B. ver­ein­fach­te Ein­rich­tung von Tem­po 30 Zonen, Erhö­hung von Park­ge­büh­ren, Anpas­sung von Stra­fen bei Ver­stö­ßen). Es sind in den näch­sten 10 Jah­ren Ent­wick­lun­gen in Geset­zen zu erwar­ten und dar­an soll­te aktiv mit­ge­wirkt werden.

Einen gro­ßen Mehr­wert kann der VEP in Bezug auf Bürger*innenbeteiligung brin­gen, da die­se umfas­send statt­ge­fun­den hat. Für anste­hen­de Pro­jek­te kann daher der Pro­zess ver­kürzt wer­den, da eine grund­sätz­li­che Abstim­mung bereits statt­ge­fun­den hat. Die Bürger*innenbeteiligung soll­te nicht als Ver­zö­ge­rungs­tak­tik gegen Ver­än­de­run­gen genutzt wer­den, son­dern in einem ange­mes­se­nen Umfang zum Ein­be­zie­hen und Infor­mie­ren der Bürger*innen und Anwohner*innen.

Zusam­men­fas­send kann der VEP als umfas­sen­de und hoch­wer­ti­ge Bestands­auf­nah­men gewer­tet wer­den, es fehlt jedoch an Ambi­tio­nen bei den Ideen und Vor­schlä­gen der Umset­zung. Auch fehlt ein ambi­tio­nier­ter Zeit­plan für die Umset­zung und eine regel­mä­ßi­ge Über­prü­fung der Wirk­sam­keit von Maß­nah­men. Die­se Lücke zu schlie­ßen ist das Anlie­gen der Kli­ma­li­ste Erlangen.