Ober­frän­ki­sches Gärt­ner­vi­deo wird Inter­nethit – Gärt­ner aus ganz Bay­ern for­dern die umge­hen­de Öff­nung ihrer Betriebe

Gärtnermeister Anna-Lena Wiedow und David Schrüfer im Blumenmeer der Gärtnerei Wiedow in Gößweinstein. Foto: Thomas Weichert
Gärtnermeister Anna-Lena Wiedow und David Schrüfer im Blumenmeer der Gärtnerei Wiedow in Gößweinstein. Foto: Thomas Weichert

Nach­dem die Kirch­eh­ren­ba­cher Flo­ris­tin und Inha­be­rin der Gärt­ne­rei Wolf in Wai­schen­feld, Chris­ti­ne Kraus, mit ihrem Face­book-Video online ging und damit einen Rie­sen­er­folg erziehl­te hat haben sich nun auch 15 Gärt­ner und Flo­ris­ten aus ganz Bay­ern unter der Feder­füh­rung der Göß­wein­stei­ner Gärt­ner- und Flo­rist­meis­te­rin Anna-Lena Wie­dow zusam­men­ge­tan und am Mitt­woch­abend in Face­book ein gemeina­mes Video als „Hil­fe­ruf an unse­re Bevöl­ke­rung und Poli­tik“ veröffentlicht.

Hilferuf der Gärtner

Hil­fe­ruf der Gärt­ner. Screen­shot: T. Weichert

Seit­dem wur­de es bereits fast 600 mal geteilt und unzäh­li­ge Male auf­ge­ru­fen. Aus der Frän­ki­schen Schweiz und unse­rer Regi­on wir­ken in die­sem Video die Gärt­ne­rei­be­trie­be und Flo­ris­tik­fach­ge­schäf­te Wie­dow und Schrü­fer aus Göß­wein­stein, Kraus aus Wai­schen­feld, Blu­men Schmidt aus Hei­li­gen­stadt, Blu­men Betz aus Forch­heim, Meis­ter­blüm­chen aus Eber­mann­stadt, Natur­nah aus Kirch­eh­ren­bach, Blu­men Schlei­cher aus Herolds­bach und Gar­ten­bau Dechant aus Bam­berg mit. Wei­ter­hin die Gärt­ne­rei­en Ben­kert aus Wai­gols­hau­sen, Gramsch aus Markt­red­witz, Irr­gang Erleb­nis Grün aus Schwan­dorf, Kunst­mann aus Weis­main, Meer aus Rei­chen­schwand und Boes­ner aus Fürs­ten­zell. Sie alle appel­lie­ren vor allem an die Poli­tik ihre Gar­ten­bau­be­trie­be und Flo­ris­tik­ge­schäf­te umge­hend zu öffnen.

Chris­ti­an Kunst­mann von der gleich­na­mi­gen Gärt­ne­rei in Weis­main, der ober­frän­ki­scher Ober­meis­ter der Gärt­ne­rin­nung ist, sagt: „Lie­be Poli­ti­ker, den­ken Sie an die Öff­nung unse­rer Betrie­be, denn bei der Wahl von Ihnen haben wir Ihnen das Ver­trau­en geschenkt – bit­te schen­ken Sie uns jetzt Ihr Vetrau­en dass wir ver­ant­wor­tungs­voll umge­hen und sämt­li­che Hygie­ne­re­geln ein­hal­ten.“ „Es ist ver­ständ­lich das wir Gärt­ner und Flo­ris­ten das Ver­trau­en in die Poli­tik in den letz­ten Wochen etwas ver­lo­ren haben“, betont auch der Markt­red­wit­zer Gärt­ner­meis­ter Mar­tin Gramsch, ober­frän­ki­scher Bezirks­vor­sit­zen­der des Baye­ri­schen Gärt­ne­rei-Ver­bands. Was Gramsch und sei­ne Berufs­kol­le­gen beson­ders ärgert ist dass der Lebens­mit­tel­ein­zel­han­del den Blu­men­ver­kauf enorm aus­ge­wei­tet hat seit­dem die Gärt­ne­rei­en und Blu­men­fach­ge­schäf­te geschlos­sen sind. „Dort drän­geln sich die Leu­te um die Waren, die eigent­lich wir ver­kau­fen – ohne Abstand und Hygie­ne­vor­schrif­ten. Wir kön­nen das bes­ser“, macht Ober­fran­kens Ober­gärt­ner sei­nem Ärger Luft.

Hilferuf der "Grünen Branche". Screenshot: T. Weichert

Hil­fe­ruf der „Grü­nen Bran­che“. Screen­shot: T. Weichert

„Wir sind die Bran­che die am meis­ten garan­tie­ren kann, dass am wenigs­ten Anste­ckungs­ge­fahr bei uns herrscht, weil wir rie­si­ge Flä­chen haben“, so auch Chris­ti­an Irr­gang von „Irr­gangs Erleb­nis Grün“ aus dem ober­pfäl­zi­schen Schwan­dorf. Wie­so Gärt­ne­rei­en nicht sys­tem­re­le­vant ein sol­len, kann er nicht ver­ste­hen. Schließ­lich bie­te man auch Salat- und Kräu­ter­pflan­zen an die man gera­de in die­ser Jah­res­zeit in der Küche braucht.

„Die Situa­ti­on ist für alle schwie­rig, aber uns fehlt kom­plett die Per­spek­ti­ve wie es mit uns wei­ter­geht“, so Kat­ja Schmidt von „Blu­men Schmidt“ in Hei­li­gen­stadt. Gärt­ner­meis­ter Rupert Ben­kert aus Wai­gols­hau­sen steht inmit­ten sei­ner Pri­meln und Früh­lings­blü­her und hofft, dass er sie dies­mal vor Ostern ver­kau­fen kann. Schon letz­tes Jahr durf­te er das wegen Coro­na nicht und muss­te alles auf den Kom­post schmeißen.

Moni­ka Kraus von „Natur­nah“ aus Kirch­eh­ren­bach ist zwar rund um die Uhr tele­fo­nisch, per Mail oder über sozia­le Medi­en für ihre Kun­den erreich­bar, aber es reicht ein­fach nicht. Was ihr am meis­ten stinkt ist, dass sie nach einer Bestel­lung über Call & Coll­ect kei­ne Zuver­käu­fe machen darf wenn der Kun­de zum abho­len kommt und ihm noch eine Blu­me gefällt und das sie ihren kon­takt­lo­sen Selbsbe­die­nungs­tisch nicht mehr auf­stel­len darf. „Call & Coll­ect ist für uns kei­ne Opti­on, weil wir nicht ein­mal zehn Pro­zent des Umsat­zes damit schaf­fen“, gibt ihr der Göß­wein­stei­ner Gärt­ner­meis­ter David Schrü­fer recht. Schrü­fer for­dert die Poli­tik zum umge­hen­den Han­deln auf und eine fai­re Behand­lung der klei­nen Unter­neh­men gegen­über den Gro­ßen ein.

„Unse­re Kun­den möch­ten regio­nal ein­kau­fen, doch durch die Schlie­ßung ver­wei­gert ihnen die Poli­tik die­sen regio­na­len Ein­kauf, sagt Franz­si­ka Boes­ner von der gleich­na­mi­gen Gärt­ne­rei aus Fürs­ten­zell. Dies gefähr­det die Betrie­be, Arbeits- und Aus­bil­dungs­plät­ze, so die Gärtnermeisterin.

Phlipp Dechant von Gar­ten­bau Dechant aus Bam­berg steht eben­falls in sei­nem Blu­men­meer und betont, dass er den Platz nun eigent­lich für die Fol­ge­kul­tu­ren drin­gend bräuch­te. Er hofft auf die bal­di­ge Öff­nung sei­nes Gar­ten­cen­ters um eine Früh­lings­blü­her doch noch recht­zei­tig vor Ostern ver­kau­fen zu können.

Kon­rad Hof­stät­ter von „Blu­men Betz“ in Forch­heim appel­liert an die Poli­tik und betont dass die Lage dra­ma­tisch sei. „Stellt euch vor die gan­zen Gemü­se­pflan­zen, alles was der Gärt­ner anbie­tet, sol­len im Super­markt gekauft wer­den, weil die Gärt­ner kei­ne Mög­lich­keit haben zu pla­nen wie vie­le sie davon brau­chen und zum ande­ren nicht wis­sen, wie vie­le sie über­haupt davon ver­kau­fen kön­nen“, so Hof­stät­ter, der betont, dass man schon seit dem letz­ten Früh­jahr ein aus­ge­zeich­ne­tes Hygie­ne­kon­zept bei „Blu­men Betz“ habe.

Gärt­ner­meis­ter Felix Meer aus Rei­chen­schwand ruft die Regie­rung auf, die „grü­ne Bran­che“ gene­rell wie­der zu öff­nen und Bert­ram Schlei­cher von „Blu­men Schlei­cher“ aus Herolds­bach betont, dass auch sei­ne Kun­den, die nicht in sei­nen Laden dür­fen, die Situa­ti­on als „sehr belas­tend“ empfinden.

Ober­meis­ter Chris­ti­an Kunst­mann ver­weist auch dar­auf, das auch vie­le der Zulie­fer­fir­men enorm unter der Schlie­ßung der Gärt­ne­rei­en und Flo­ris­tik­fach­ge­schäf­te lei­den. Auch deren Exis­tenz­grund­la­ge sei dadurch bedroht, so Kunstmann.

„Wir müs­sen end­lich auf­sper­ren dür­fen, es kann so nicht wei­ter­ge­hen, die Men­schen brau­chen ihre Blu­men und Pflan­zen“ so Gärt­ner­meis­te­rin Anna-Lena Wie­dow die das Video geschnit­ten und online gestellt hat. „Wir wol­len end­lich wie­der ver­kau­fen und für unse­re Kun­den da sein und sie bera­ten“, gibt ihr Nadi­ne Gra­ßer von „Meis­ter­blüm­chen“ aus Eber­mann­stadt recht und Chris­ti­ne Kraus for­dert am Ende des sechs­mi­nü­ti­gen Clips die Öff­nung ihrer Wai­schen­fel­der Gärt­ne­rei Lieb­lings­stü­cke Wolf noch vor dem 1. Februar.

Minis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder (CSU) hat­te in sei­ner Ascher­mitt­wochs­re­de zwar ange­kün­digt, das die Gärt­ne­rei­en mit die ers­ten Betrie­be sein sol­len, die wie­der öff­nen dür­fen. Einen kon­kre­ten Zeit­punkt nann­te er jedoch nicht. Wenn es nach sei­nem Wirt­schafts­mi­nis­ter Hubert Aiwan­ger (FW) geht, aber so schnell wie mög­lich. Ges­tern hat­te Aiwan­ger auf sei­nem Face­book-Pro­fil ein Bild von einem Blu­men­meer einer Gärt­ne­rei mit den Wor­ten gepos­tet: „So schaut’s bei den Gärt­nern aus. Spä­tes­tens Anfang März muss das zu den Kun­den, nicht auf den Komposthaufen!“

Der Link zum Video: https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=3757306834327586&id=100001449206696