Bay­reu­ther Lohen­grin-Ther­me im Dornröschenschlaf

Technik-Chef Mario Schmitt kümmert sich mit seinen Kollegen auch während des Lockdowns um die Lohengrin Therme.
Technik-Chef Mario Schmitt kümmert sich mit seinen Kollegen auch während des Lockdowns um die Lohengrin Therme.

Seit fast vier Mona­ten befin­det sich die Lohen­grin Ther­me im Coro­na-beding­ten Lock­down. Wer glaubt, das Was­ser wäre abge­las­sen und sämt­li­che Pum­pen abge­stellt, liegt falsch. Ein Rund­gang mit dem stell­ver­tre­ten­den Ther­men-Chef Mario Schmitt.

Im Halb­dun­kel eilt Mario Schmitt durch die Gän­ge der Lohen­grin Ther­me. Über­all sieht er nach, ob alles in Ord­nung ist. Bade­gä­ste hat die Ther­me seit bald vier Mona­ten kei­ne mehr gese­hen. Kas­sen und Umklei­de­ka­bi­nen sind men­schen­leer. Der stell­ver­tre­ten­de Lei­ter der Ther­me und gleich­zei­tig Chef des Tech­ni­ker-Teams betritt die gro­ße Bade­hal­le, läuft zu einem der Becken und taucht die Fin­ger­spit­zen ins Ther­mal­was­ser – wenig­stens ein biss­chen Nor­ma­li­tät genie­ßen. Manch­mal sei der Anblick gespen­stisch, mur­melt er und setzt sei­nen Rund­gang fort.

Selt­sam füh­le sich die Situa­ti­on für ihn und sei­ne Tech­ni­ker-Kol­le­gen an. Im Gegen­satz zu den ande­ren Mit­ar­bei­tern der Lohen­grin Ther­me sind sie nicht in Kurz­ar­beit. „Das liegt ganz ein­fach dar­an, dass wir genug zu tun haben, weil die Ther­me nicht still­steht, son­dern auf Spar­flam­me läuft“, betont Mario Schmitt. Wo es geht, habe man an den Stell­schrau­ben gedreht, um die lau­fen­den Kosten zu drücken. „Wir sto­ßen aber lei­der schnell an Gren­zen“, erklärt er. „Wir kön­nen die Hei­zung und die Lüf­tungs­an­la­ge des Gebäu­des nicht kom­plett abstel­len, weil wir vor allem in den kal­ten Win­ter­mo­na­ten mit Schä­den rech­nen müss­ten.“ Dort, wo sonst Bade­gä­ste Erho­lung suchen, wür­den sich Schim­mel­flecken breit machen. Auch das Was­ser in den Becken muss die Tech­nik der Ther­me wei­ter behei­zen. „Wir haben die Tem­pe­ra­tur auf etwa 22 Grad abge­senkt, im Nor­mal­fall lie­gen wir bei 34 Grad. Exper­ten raten nicht wei­ter nach unten zu gehen, weil sonst das Beton­becken und die Flie­sen durch den Tem­pe­ra­tur­ab­fall beschä­digt wer­den könn­ten.“ Eben­falls kei­ne gute Idee: Das Was­ser ganz abzu­las­sen. Becken und Flie­sen kom­men mit Druck­un­ter­schie­den nicht gut klar. „Für uns wäre die Gefahr hoher Sanie­rungs­ko­sten ein­fach zu groß. Außer­dem müss­ten wir die Becken und die Auf­be­rei­tungs­tech­nik erst auf­wen­dig des­in­fi­zie­ren, bevor wir in Betrieb gehen könn­ten.“ Die letz­te Spar­mög­lich­keit ist die Was­ser­auf­be­rei­tung der Lohen­grin Ther­me: Über 800.000 Liter Ther­mal­was­ser beför­dern Pum­pen nor­ma­ler­wei­se jede Stun­de durch gro­ße Rohr­lei­tun­gen in den Kel­ler der Ther­me und wie­der zurück in die Becken. „Wir haben die Lei­stung der Anla­ge um die Hälf­te redu­ziert. Ganz aus­schal­ten kön­nen wir sie nicht, weil das Was­ser durch die Wär­me sonst ver­kei­men würde.“

Für Mario Schmitt und sein Team bedeu­tet das jede Men­ge Arbeit: „Weil die Tech­nik läuft, geht auch jeden Tag etwas kaputt, das wir repa­rie­ren müs­sen. Unse­re Arbeit geht eigent­lich nor­mal wei­ter.“ Pum­pen müs­sen über­holt wer­den, Che­mi­ka­li­en auf­ge­füllt und Lager der Lüf­tungs­an­la­ge müs­sen getauscht wer­den. „Auch wenn aktu­ell lei­der kei­ne Besu­cher kom­men dür­fen, haben wir die Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht für unse­ren gro­ßen Park­platz und die Wege zur und um die Ther­me. In den ver­gan­ge­nen Wochen muss­ten wir also mehr als ein­mal Schnee räumen.“

Kurz-Inter­view mit Mario Schmitt

Hohe lau­fen­de Kosten bei kei­ner­lei Ein­nah­men; ein Alp­traum für jedes Unter­neh­men. „Die poli­ti­sche Ent­schei­dung für den Lock­down war not­wen­dig und rich­tig, zeit­gleich ist die wirt­schaft­li­che Lage unse­rer Bäder ein ein­zi­ges Desa­ster“, betont Jür­gen Bay­er, Geschäfts­füh­rer der Stadt­wer­ke Bay­reuth, die neben der Lohen­grin Ther­me auch fürs Stadt­bad, das Kreuz­stein­bad und das Frei­luft­bad in der Bür­ger­reuth zustän­dig sind. Allein im ver­gan­ge­nen Jahr konn­te die Lohen­grin Ther­me wegen der Pan­de­mie nur ein hal­bes Jahr öff­nen. „Und die Zeit, in der wir Bade­gä­ste begrü­ßen durf­ten, hat dank eines stren­gen Hygie­nekon­zepts zwar gut geklappt, aber für deut­lich gerin­ge­re Besu­cher­zah­len gesorgt.“ Er rech­ne mit einem schlech­ten Jah­res­er­geb­nis 2020 im Bäder­be­reich. „Wir wer­den hier ein deut­lich höhe­res Defi­zit sehen, das wir durch unse­re Ener­gie- und Was­ser­spar­te auf­fan­gen müs­sen. Übri­gens eben­so wie die roten Zah­len, die unser Stadt­bus­ver­kehr schreibt“, betont Bay­er. Beson­ders bela­stend für die Stadt­wer­ke Bay­reuth: Im Gegen­satz zum ÖPNV sei für die Bäder der Stadt­wer­ke Bay­reuth noch kein Cent an öffent­li­cher Unter­stüt­zung geflos­sen. „Wären die Bäder unser ein­zi­ges Geschäfts­feld, wüss­te ich nicht, wie wir sie nach dem Lock­down wie­der öff­nen könnten.“

Kurz-Inter­view mit Jür­gen Bayer

Zumin­dest tech­nisch gese­hen ist die Lohen­grin Ther­me für das Ende des Lock­downs gerü­stet. „Wir sor­gen dafür, dass wir zügig start­klar sind“, unter­streicht Mario Schmitt. „Und soll­ten wir öff­nen dür­fen, wol­len wir nicht gleich wie­der für Revi­si­ons­ar­bei­ten schlie­ßen.“ Des­halb zie­hen er und sein Team den jähr­li­chen Tech­nik-Check vor. Nor­ma­ler­wei­se muss im Juni der Bade­be­trieb für eine Woche ruhen: Das Bad wird auf links gedreht – qua­si der gro­ße Kun­den­dienst für die Ther­me. Der größ­te Brocken ist die­ses Jahr eine Fil­ter­sa­nie­rung. „Das Fil­ter­ma­te­ri­al, unter ande­rem Sand und Aktiv­koh­le und die Fil­ter­ker­zen, müs­se regel­mä­ßig getauscht wer­den.“ Kei­ne Klei­nig­keit, immer­hin müs­sen Ton­nen bewegt wer­den. Gebucht hat Schmitt den ersten frei­en Ter­min bei einer Spe­zi­al­fir­ma. Ende Febru­ar wird sie mit schwe­rem Gerät anrücken – wenn das Wet­ter mit­spielt. „Die brau­chen ein gro­ßes Spe­zi­al­fahr­zeug, das mit­hil­fe von Was­ser den Sand und die Aktiv­koh­le her­aus­pumpt. Das geht lei­der nicht bei Minus­tem­pe­ra­tu­ren. Wir hof­fen alle, dass das funk­tio­niert, damit die Lohen­grin Ther­me schon bald aus ihrem Dorn­rös­chen­schlaf wach­ge­küsst wer­den kann. “