Jah­res­bi­lanz der Johan­ni­ter Oberfranken

Rettungsdienst der oberfränkischen Johanniter © Alexander Koerner
Rettungsdienst der oberfränkischen Johanniter © Alexander Koerner

Johan­ni­ter blicken auf 2020 zurück – Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie sind spürbar

„Es war sicher ein Jahr, das uns viel abver­langt hat, aber auch eines, in dem wir enger zusam­men­ge­rückt sind und viel erreicht haben“, so blickt Jür­gen Kel­ler, Dienst­stel­len­lei­ter der Johan­ni­ter in Bam­berg auf 2020 zurück. Auch bei den Johan­ni­tern war es vor allem die Pan­de­mie, die das Jahr geprägt hat. Gera­de im sozia­len Bereich, bei der Kin­der­be­treu­ung und im Ret­tungs­dienst waren die Her­aus­for­de­run­gen ange­sichts der gel­ten­den Schutz- und Hygie­ne­vor­schrif­ten groß. Ganz ein­ge­stellt wer­den muss­te zum Bei­spiel für meh­re­re Mona­te der Bereich Aus­bil­dung. In den wär­me­ren Mona­ten konn­ten dann unter stren­gen Auf­la­gen wie­der Erste-Hil­fe-Aus­bil­dun­gen durch­ge­führt werden.

Geprägt von der Pan­de­mie ist auch der Bereich der Ambu­lan­ten Pfle­ge. Hin­ter dem Team der Sozi­al­sta­ti­on Schlüs­sel­feld liegt eine anstren­gen­des, aber den­noch erfolg­rei­ches Jahr: Mehr als 22.500 Mal mach­ten sich die Pfle­ge­kräf­te zu Haus­be­su­chen auf den Weg. „Natür­lich ist die Bela­stung hoch: Das Arbei­ten mit Schutz­klei­dung, regel­mä­ßi­ge Tests, sicher auch die Angst vor Ansteckung – das ist nicht immer leicht, aber unse­re Mit­ar­bei­ter geben alles. Gera­de weil die von uns betreu­ten Men­schen im Moment mehr Zuwen­dung brau­chen als sonst“, erzählt Ursu­la Ben­ke, Lei­te­rin der Johanniter-Sozialstation.

Der Ret­tungs­dienst der Johan­ni­ter in Ober­fran­ken fuhr in 2020 von der Wache Schlüs­sel­feld aus über 1.600 Kran­ken­trans­por­te und über 900 Not­fall-/Not­arzt­ein­sät­ze. Ins­ge­samt wur­den dafür fast 120.000 Kilo­me­ter zurück­ge­legt. „Zu den eigent­li­chen Fahr­ten kamen noch die Kom­plett­rei­ni­gung und Des­in­fek­ti­on der Fahr­zeu­ge hin­zu, die nach jeder Ver­dachts­fahrt vor­ge­nom­men wur­de. Und auch die Arbeit mit Mas­ke und kom­plet­ter Schutz­aus­rü­stung ist kör­per­lich anstren­gen­der“, so Ret­tungs­dienst­lei­ter Tho­mas Roschmann.

Im Bereich der Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen gab es trotz Coro­na eine sta­bi­le Ent­wick­lung der Kin­der­zah­len, so konn­te im Wald­kin­der­gar­ten Schlüs­selau die Zahl der Kin­der seit dem Start 2019 ver­drei­facht wer­den, im lau­fen­den Jahr wird der Frei­luft­kin­der­gar­ten dann voll aus­ge­la­stet sein. Ein Leucht­turm­pro­jekt für den Regio­nal­ver­band Ober­fran­ken ist der Bau der ersten Johan­ni­ter-Kin­der­ta­ges­stät­te in Bam­berg, der 2020 begon­nen wur­de. Die ersten Kin­der wer­den im Sep­tem­ber 2021 einziehen.

Stark gewach­sen ist im ver­gan­ge­nen Jahr in Ober­fran­ken der Bereich Schul­be­glei­tung, obwohl in den ver­gan­ge­nen Mona­ten coro­nabe­dingt eine Betreu­ung in vie­len Fäl­len nicht mög­lich war. Aus­fal­len muss­ten in 2020 alle Ange­bo­te der Feri­en­be­treu­ung. Auch Lacri­ma, das Zen­trum für trau­ern­de Kin­der und Jugend­li­che in Ober­fran­ken konn­te im ver­gan­ge­nen Jahr nicht wie gewohnt für die Betrof­fe­nen da sein. Prä­senz­ter­mi­ne konn­ten so gut wie nicht statt­fin­den. Über Online­tref­fen und Bastel­pa­ke­te wur­de der Kon­takt zu den Grup­pen aber den­noch auf­recht­erhal­ten. Das Pro­jekt Lese­hun­de ist im ver­gan­ge­nen Jahr hin­ge­gen gewach­sen – trotz mona­te­lan­ger coro­nabe­ding­ter Pau­se: Inzwi­schen sind die ober­frän­ki­schen Teams an neun Schu­len in der Regi­on im Ein­satz, wenn es Coro­na zulässt.

Auch der Bereich Haus­not­ruf muss­te in der Pan­de­mie­zeit neue Wege gehen. Um einen Gerä­te­an­schluss ohne per­sön­li­chen Kon­takt zu ermög­li­chen, wer­den die Haus­not­ruf­ge­rä­te per Paket ver­sandt und die Instal­la­ti­on tele­fo­nisch beglei­tet. Aktu­ell betreu­en die ober­frän­ki­schen Johan­ni­ter fast 1000 Hausnotrufkunden.

Der Lini­en­fahr­dienst der ober­frän­ki­schen Johan­ni­ter war 2020 auf 30 festen Lini­en in Scheß­litz, Him­mel­kron, Kro­nach, Burg­kunst­adt und seit Novem­ber erst­mals auch in Bam­berg unter­wegs. Ins­ge­samt wur­den dabei über 870.000 Kilo­me­ter zurück­ge­legt und 270 Kin­der und Erwach­se­ne regel­mä­ßig zu För­der­stel­len, Werk­stät­ten und Schu­len trans­por­tiert. Im Pati­en­ten­fahr­dienst gab es im Jahr 2020 deut­li­chen Zuwachs: Durch­ge­führt wur­den rund 22.300 Fahr­ten, im Vor­jahr waren es ca. 16.700.

Jür­gen Kel­ler, der als neu­er Dienst­stel­len­lei­ter seit Sep­tem­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res für die 450 haupt- und ehren­amt­li­che Johan­ni­ter-Mit­ar­bei­ter in Ober­fran­ken zustän­dig ist, zieht trotz Coro­na­kri­se eine posi­ti­ve Bilanz für das Jahr 2020: „Wir wol­len den Stand­ort Ober­fran­ken wei­ter­ent­wickeln und dabei sind wir auf einem guten Weg. Die Coro­na-Kri­se hat uns auch gezeigt, dass wir auf Her­aus­for­de­run­gen schnell und fle­xi­bel reagie­ren kön­nen, des­halb schaue ich zuver­sicht­lich in die Zukunft“, so Kel­ler. „Mein beson­de­rer Dank geht an unse­re Ehren­amt­li­chen vor allem aus dem Bereich Bevöl­ke­rungs­schutz, die sich im Kri­sen­stab, aber auch im Coro­na-Test­zen­trum in Scheß­litz ein­ge­bracht haben“, ergänzt der 55-Jäh­ri­ge. „Ohne das Ehren­amt wäre eine sol­che Kri­se, wie wir sie aktu­ell erle­ben, nicht zu bewältigen.“