Genuss­re­gi­on Ober­fran­ken e.V. hielt Mitgliederversammlung

Corona macht's möglich: Bei der Mitgliederversammlung des Vereins Genussregion Oberfranken gab's in diesem Jahr eine Onlineverkostung von Bier, Schinken und Hofer Rindfleischwurst. Foto: Martin Bursch

Coro­na macht’s mög­lich: Bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung des Ver­eins Genuss­re­gi­on Ober­fran­ken gab’s in die­sem Jahr eine Online­ver­ko­stung von Bier, Schin­ken und Hofer Rind­fleisch­wurst. Foto: Mar­tin Bursch

Von der „unge­wöhn­lich­sten Mit­glie­der­ver­samm­lung“ sprach Klaus Peter Söll­ner, Land­rat in Kulm­bach und Vor­sit­zen­der der Genuss­re­gi­on Ober­fran­ken, beim Jah­res­tref­fen 2020 des Ver­eins. Statt wie sonst in einem ober­frän­ki­schen Wirts­haus bei Bier und Schäu­fe­le zusam­men­zu­sit­zen, tra­fen sich die Mit­glie­der dies­mal zur vir­tu­el­len Mit­glie­der­ver­samm­lung an ihren Bild­schir­men. Gemein­sam gespeist wur­de trotz­dem: Zwi­schen den Berich­ten der Ver­eins­füh­rung gab es Kost­pro­ben von Bier, Schin­ken und Hofer Rind­fleisch­wurst; Bier­som­me­lier Mar­kus Rau­pach aus Bam­berg mode­rier­te die Ver­ko­stung und stell­te in kur­zen Videobei­trä­gen auch die betei­lig­ten Betrie­be vor.

Mit immer­hin 101 Anmel­dun­gen war das Inter­es­se am Ver­eins­ge­sche­hen auch in die­sem Jahr erfreu­lich groß. Vor­sit­zen­der Klaus Peter Söll­ner ging in sei­nem Gruß­wort auf die Pan­de­mie-beding­ten Ein­schrän­kun­gen der Ver­eins­ar­beit im ver­gan­ge­nen Jahr ein: Zahl­rei­che Genuss­fe­ste muss­ten erst ver­scho­ben und dann kom­plett abge­sagt wer­den. Vie­le Betrie­be hät­ten sich in der Kri­se jedoch krea­tiv gezeigt und zum Bei­spiel Abhol­kon­zep­te für ihre Kun­den ent­wickelt. Söll­ner bedank­te sich aus­drück­lich bei der Ober­fran­ken­stif­tung, die zum einen das aktu­el­le För­der­pro­jekt – die Stär­kung und Wei­ter­ent­wick­lung der Qua­li­täts­kri­te­ri­en des Ver­eins – wegen der aktu­ell gel­ten­den Coro­na-Ein­schrän­kun­gen bis Sep­tem­ber 2021 ver­län­gert hat. Zum ande­ren stellt die Stif­tung dem Ver­ein danach für wei­te­re drei Jah­re 297.500 Euro zur Ver­fü­gung. Söll­ner: „Das ist ein dickes Brett. Wir sind der Ober­fran­ken­stif­tung für ihre groß­zü­gi­ge Unter­stüt­zung äußerst dank­bar!“ Die Ver­eins­ar­beit wird dann unter dem Mot­to „Kul­tur­er­be Ober­fran­ken“ ste­hen. Unter ande­rem soll geklärt wer­den, ob und wie die bei­den Ver­ei­ne Bier­land Ober­fran­ken und Genuss­re­gi­on enger zusam­men­ar­bei­ten können.

Geschäfts­füh­rer Nor­bert Heim­beck bedank­te sich eben­falls bei der Ober­fran­ken­stif­tung, dass er auf­grund der groß­zü­gi­gen För­de­rung dem ober­frän­ki­schen Genuss­hand­werk für wei­te­re drei Jah­re zur Ver­fü­gung ste­he. In sei­nem Rechen­schafts­be­richt sag­te Heim­beck, dass von der geplan­ten Work­shop-Rei­he nur ein Tages­se­mi­nar in Kulm­bach habe statt­fin­den kön­nen. Dabei wur­de den Gastro­no­men das wei­ter­ent­wickel­te Qua­li­täts­kon­zept des Ver­eins präsentiert.

Neue Kri­te­ri­en für Vereinsmitglieder

Bis­lang müs­sen Ver­eins­mit­glie­der aus der Gastro­no­mie fünf ver­schie­de­ne ober­frän­ki­sche Spe­zia­li­tä­ten auf der Kar­te haben, deren Zuta­ten zu min­de­stens 60 Pro­zent (bei Fisch und Salat) bezie­hungs­wei­se zu 80 Pro­zent (bei Fleisch, Obst und Gemü­se) aus der Regi­on stam­men müs­sen. Künf­tig soll jedes Haus ein Leit­ge­richt für sich defi­nie­ren, des­sen Haupt­zu­ta­ten zu 100 Pro­zent aus Ober­fran­ken sein sol­len. Heim­beck: „Uns ist schon klar, dass in Ober­fran­ken kein Salz abge­baut wird und auch etwa Pfef­fer nicht hier wächst. Aber die wich­tig­sten Zuta­ten sol­len künf­tig zu mög­lichst 100 Pro­zent aus der Regi­on stam­men.“ Die Betrie­be hät­ten sich beim Leit­ge­richt erfreu­lich auf­ge­schlos­sen gezeigt, sag­te der Geschäfts­füh­rer: „Es wur­den nicht nur die übli­chen Ver­däch­ti­gen wie Schäu­fe­le genannt. Einer unse­rer Gastro­no­men hat eine frän­ki­sche Bier­sup­pe zum Leit­ge­richt erho­ben, ein ande­rer bie­tet gefüll­te Täub­chen an. Auch Wild­bret und Bio-Sauer­bra­ten tau­chen in der Liste auf. Das ist krea­tiv und zeigt die kuli­na­ri­sche Son­der­stel­lung Ober­fran­kens.“ Wäh­rend der Coro­na-Locke­run­gen im Som­mer 2020 konn­ten zwölf Loka­le nach den neu­en Kri­te­ri­en zer­ti­fi­ziert wer­den. Bis Sep­tem­ber soll nun ver­sucht wer­den, die­ses System auf ande­re Bran­chen wie Bäcker und Metz­ger zu übertragen.

Eben­falls neu im ver­gan­ge­nen Jahr war der erste Genuss­at­las für Ober­fran­ken. Die Autoren Basti­an Bött­ner und Mar­kus Rau­pach stel­len dar­in die Mit­glie­der des Ver­eins Genuss­re­gi­on, zahl­rei­che Spe­zia­li­tä­ten und tou­ri­sti­sche Genuss­erleb­nis­se in der Regi­on vor. Der Füh­rer kann über den Buch­han­del oder direkt beim Ver­lag Gui­de­me­dia in Bam­berg bestellt werden.

Schatz­mei­ster Dr. Bernd Sau­er wies in sei­nem Kas­sen­be­richt beson­ders dar­auf hin, dass es gelun­gen sei, mit der Genuss­bot­schaf­ter-Aus­bil­dung eine Ein­nah­me­quel­le für den Ver­ein zu gene­rie­ren. Tat­säch­lich wur­de im März 2020 ein Semi­nar für 13 ange­hen­de Genuss­bot­schaf­ter ange­bo­ten, das aber Pan­de­mie-bedingt erst im Juli been­det wer­den konnte.

Unter Punkt Ver­schie­de­nes wies der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de Ste­phan Ertl auf die Gut­schein­ak­ti­on des Land­krei­ses Kulm­bach mit dem Hotel- und Gast­stät­ten­ver­band hin: „In nur drei Wochen haben wir Gut­schei­ne für 123.000 Euro ver­kauft. Das hilft unse­ren Gastro­no­men sehr,“ sag­te Ertl und bedank­te sich beim Land­kreis für die Unterstützung.