Markt­red­wit­zer Uro­lo­gie ist jetzt Aus­bil­dungs­zen­trum für robo­ter­ge­stütz­te Ope­ra­tio­nen der gut­ar­ti­gen Prostatavergrößerung

Roboter-gestützte Operation nach der „Aquablation“-Methode. © Klinikum Fichtelgebirge gGmbH

Neue OP-Metho­de am Kli­ni­kum Fich­tel­ge­bir­ge erhält den Samenerguss

Inzwi­schen wur­den über 80 Pati­en­ten mit der neu­en Metho­de erfolg­reich ope­riert. Die gro­ße Erfah­rung ermög­licht den Markt­red­wit­zer Uro­lo­gen nun ärzt­li­che Kol­le­gen auszubilden.

Eine völ­lig neue mini­mal­in­va­si­ve Behand­lungs­me­tho­de des „Benig­nen Pro­sta­ta­syn­droms” (BPS), also der gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung, stell­te Dr. Alex­an­der Kug­ler, Lei­ten­der Ober­arzt der Uro­lo­gie am Kli­ni­kum Fich­tel­ge­bir­ge vor knapp zwei Jah­ren vor. Im süd­deut­schen Raum war die Markt­red­wit­zer Uro­lo­gie damals Vor­rei­ter mit die­ser neu­en Metho­de, inzwi­schen wur­den 85 Pati­en­ten mit der neu­en Metho­de erfolg­reich behan­delt. Bei der „Aquablation“-Methode ent­fernt ein robo­ter­ge­stütz­tes auto­no­mes System – nach Plan und unter Auf­sicht des Chir­ur­gen – Gewe­be der Vor­ste­her­drü­se mit einem Was­ser­strahl. Damit behan­delt man vor allem jene Män­ner, deren – übli­cher­wei­se kasta­ni­en­gro­ße – Pro­sta­ta der­art gewach­sen ist, dass die Harn­röh­re zusam­men­ge­presst und das Was­ser­las­sen zuneh­mend erschwert wird.

Aus­bil­dungs ‑und Refe­renz­cen­ter für Robo­ti­sche Chirurgie

Die Urologie am Klinikum Fichtelgebirge ist nun Ausbildungs -und Referenzcenter für Robotische Chirurgie. Dr. Maximilian Schwiede (re.) vom Krankenhaus Barmherzige Brüder in München nimmt an einem der ersten Workshops von Dr. Alexander Kugler teil.

Die Uro­lo­gie am Kli­ni­kum Fich­tel­ge­bir­ge ist nun Aus­bil­dungs ‑und Refe­renz­cen­ter für Robo­ti­sche Chir­ur­gie. Dr. Maxi­mi­li­an Schwie­de (re.) vom Kran­ken­haus Barm­her­zi­ge Brü­der in Mün­chen nimmt an einem der ersten Work­shops von Dr. Alex­an­der Kug­ler teil. © Kli­ni­kum Fich­tel­ge­bir­ge gGmbH

Auf­grund der gro­ßen Anzahl von Pati­en­ten die Dr. Kug­ler inzwi­schen mit die­ser Metho­de behan­delt hat, ver­fügt er inzwi­schen mit über die größ­te Erfah­rung in Süd­deutsch­land mit die­ser inno­va­ti­ven Metho­de. Des­halb wur­de die Markt­red­wit­zer Uro­lo­gie nun zum Aus­bil­dungs ‑und Refe­renz­cen­ter für Robo­ti­sche Chir­ur­gie vom ame­ri­ka­ni­schen Her­stel­ler „PRO­CEPT Bio­Ro­bo­tics“ ernannt.

„Die Pro­sta­ta wächst im Lau­fe eines Lebens und das wirkt dann wie ein Fuß auf dem Gar­ten­schlauch“, erläu­tert Kug­ler. Schon ab dem Alter von 35 Jah­ren kann die Vor­ste­her­drü­se all­mäh­lich an Volu­men zuneh­men. Ab dem 75. Lebens­jahr fin­det sich bei nahe­zu allen Män­nern eine gut­ar­ti­ge Ver­grö­ße­rung der Prostata.

Der Ein­griff dau­ert ins­ge­samt nur 30 bis 40 Minuten

Gold­stan­dard der BPS-The­ra­pie ist bis­lang die „Tran­sur­ethra­le Resek­ti­on“ mit Strom oder LASER und- sel­ten- die offe­ne Ope­ra­ti­on. Dr. Kug­ler erklärt: „Die endo­sko­pi­sche Pro­sta­ta-Ope­ra­ti­on durch die Harn­röh­re ist Mil­li­me­ter­ar­beit und braucht viel Erfah­rung und Kön­nen des Ope­ra­teurs.” Am Kli­ni­kum Fich­tel­ge­bir­ge wer­den pro Jahr etwa 150 sol­cher Pro­sta­ta­t­ope­ra­tio­nen durch­ge­führt. Dabei wird für jeden Pati­en­ten, nach gründ­li­cher Unter­su­chung, das idea­le Ver­fah­ren aus­ge­wählt: unter Berück­sich­ti­gung des All­ge­mein­zu­stands, der Pro­sta­ta­grö­ße, des PSA-Wer­tes oder Begleit­fak­to­ren wie Stei­ne oder Harnröhrenenge.

Mit der „Aqu­a­b­la­ti­on“ hat man im Fich­tel­ge­bir­ge viel Erfah­rung gesam­melt: „Es bedurf­te bei ihr anfangs tech­nisch klei­ner Opti­mie­run­gen, sie ist jetzt aber ein stan­dar­di­sier­tes und siche­res Ver­fah­ren.“ Dr. Kug­ler hat sich hier­zu mit den inter­na­tio­na­len Kol­le­gen und dem Her­stel­ler häu­fig aus­ge­tauscht und gehol­fen, die Ope­ra­ti­on wei­ter zu opti­mie­ren. Die Metho­de ist für Pati­en­ten unge­eig­net, die ihre Gerin­nungs­hem­mer nicht abset­zen dür­fen. Für ande­re auch mit stär­ke­ren Ver­grö­ße­run­gen bie­tet die­se Kran­ken­kas­sen­lei­stung den Vor­teil „der com­pu­ter­ge­stütz­ten exak­ten OP-Tech­nik und der kur­zen rei­nen Robo­ter-OP-Zeit von fünf Minu­ten bei ent­spre­chen­der Erfah­rung der Ärz­te”. Die Pati­en­ten, die bis­her mit dem neu­en Ver­fah­ren behan­delt wur­den, sind durch­wegs zufrie­den: „Der Harn­strahl war wie­der zufrie­den­stel­lend und der Rest­harn konn­te deut­lich redu­ziert wer­den“ beschreibt Dr. Kug­ler die Ergeb­nis­se der bis­her behan­del­ten Pati­en­ten. Durch das Ver­mei­den von Hit­ze­schä­den an der Pro­sta­t­a­drü­se ist die Abhei­lungs­zeit zudem kür­zer als bei allen ande­ren OP-Techniken.

„Ein anfangs von uns unter­schätz­tes Plus der neu­en Metho­de ist der von den Anwen­dern in den USA schon beschrie­be­ne Erhalt der Eja­ku­la­ti­on. Wir haben hier­zu auch eine Stu­die 60 Teil­neh­mern durch­ge­führt und konn­ten dies bestä­ti­gen. Die her­kömm­li­chen OP-Metho­den hat­ten anschlie­ßend häu­fig eine retro­gra­de Eja­ku­la­ti­on zur Fol­ge. Bei die­ser bleibt der Bla­sen­hals, der sich gewöhn­lich beim Samen­er­guss schließt, offen, sodass der Samen rück­wärts in die Harn­bla­se gelangt. In unse­ren Vor- und Nach­ge­sprä­chen zeig­ten sich vie­le Pati­en­ten erfreut, dass mit der Aqu­a­b­la­ti­on-Metho­de der ursprüng­li­che Samen­er­guss deut­lich häu­fi­ger – bei in etwa 75% der Pati­en­ten- erhal­ten bleibt.“