Grä­fen­ber­ger Grü­ne Stadt­rats­frak­ti­on nimmt Stel­lung zum Steinbruch

Stel­lung­nah­me der Stadt­rats­frak­ti­on zum Tages­ord­nungs­punkt Stein­bruch in der heu­ti­gen Stadt­rats­sit­zung. Dabei gilt das gespro­che­ne Wort:

Sehr geehr­te Damen und Her­ren, lie­be Kol­le­gin­nen und Kollegen,
als Frak­ti­on Bünd­nis 90 / Die Grü­nen im Stadt­rat Grä­fen­berg neh­men wir zur Dis­kus­si­on um die Ver­fül­lung von bela­ste­ten Mate­ria­li­en im Stein­bruch Grä­fen­berg wie folgt Stellung:

Wir begrü­ßen aus­drück­lich, dass sich die Ver­wal­tungs­vor­la­ge hin­ter wesent­li­che Kri­tik­punk­te der Ein­wen­dun­gen im Inter­es­se der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger stellt und die­se unter­stützt. Ins­be­son­de­re ist die For­de­rung nach Durch­füh­rung einer Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung (UVP), die Ableh­nung von Gleis­schot­ter, die Begren­zung des Bau­schut­t­an­teils auf 10 Pro­zent, die Begren­zung der Ent­fer­nung auf 30 Kilo­me­ter, usw. in unse­rem Sinn und wir unter­stüt­zen dies­be­züg­lich voll und ganz die Ver­wal­tungs­vor­la­ge – abge­se­hen von einer For­mu­lie­rungs­än­de­rung, durch die wir errei­chen wol­len, dass der Stadt­rat sich kon­se­quent hin­ter die Auf­fas­sung stellt, dass eine UVP-Pflicht besteht.

Im vor­letz­ten Jahr hat der Stadt­rat dem Antrag der Fir­ma Bärn­reu­ther und Deu­er­lein ein­stim­mig zuge­stimmt. Die Zustim­mung erfolg­te damals im Wesent­li­chen auf Basis der fol­gen­den Aus­sa­gen, die im Antrag vor­la­gen oder von den Ver­tre­tern der Fir­ma als Antrag­stel­le­rin getrof­fen wurden:

  • Es gehe haupt­säch­lich um die Ver­fül­lung von geo­ge­nem Erd­aus­hub aus der Regi­on, der auf­grund natür­lich vor­kom­men­der Schad­stof­fe eine höhe­re Bela­stung auf­wei­se. Die­ses Pro­blem kön­nen nicht anders als durch den damals vor­lie­gen­den Antrag gelöst wer­den, da sonst ein gro­ßer büro­kra­ti­scher Auf­wand oder lan­ge Trans­port­we­ge in Kauf genom­men wer­den müssten.
  • Bau­schutt sei eben im zitier­ten Regel­werk auf­ge­führt, spie­le aber bei der geplan­ten Ver­fül­lung in Grä­fen­berg so gut wie kei­ne Rol­le. Das wur­de so in der Stadt­rats­sit­zung von den Exper­ten der Fir­ma Bärn­reu­ther und Deu­er­lein so behauptet.
  • Es gebe so gut wie kei­ne Risi­ken, da der Stand­ort unemp­find­lich sei. Das sei unstrittig.
  • Es sei qua­si „Stand der Tech­nik“, Z1.2‑Materialien in einem Stein­bruch zu verfüllen.

Nichts davon ent­spricht der Wahr­heit! Im Gegenteil:

  • Für geo­ge­nen Erd­aus­hub aus der Regi­on, der auf­grund natür­lich vor­kom­men­der Schad­stof­fe eine höhe­re Bela­stung auf­weist, gibt es sehr wohl Lösun­gen, die ohne gro­ßen büro­kra­ti­schen Auf­wand und lan­ge Trans­port­we­ge aus­kom­men und für die kei­ne pau­scha­le Zulas­sung hoch-bela­ste­ter Mate­ria­li­en erfor­der­lich ist.
  • Geo­ge­ner Erd­aus­hub aus der Regi­on ist kei­nes­falls der Haupt­grund für den Antrag. Viel­mehr spre­chen die Ver­tre­ter der Fir­ma ganz offen davon, dass es ihr Geschäfts­mo­dell sei, Schot­ter an Infra­struk­tur­pro­jek­te zu lie­fern und Bau­schutt, auch wenn er durch Gleis­schot­ter ver­un­rei­nigt ist, gleich wie­der mitzunehmen.
  • Bau­schutt spielt daher bei der geplan­ten Ver­fül­lung in Grä­fen­berg kei­nes­wegs so gut wie kei­ne Rol­le. Im Gegen­teil: Die Fir­ma Bärn­reu­ther und Deu­er­lein plant, Bau­schutt und Gleis­schot­ter in nen­nens­wer­tem Anteil zu verfüllen.
  • Es ist auch kei­nes­falls unstrit­tig, dass es so gut wie kei­ne Risi­ken gebe, weil der Stand­ort unemp­find­lich sei. Auch hier ist das Gegen­teil der Fall! Noch vor 15 Jah­ren wur­de der Stand­ort vom Was­ser­wirt­schafts­amt auf­grund der geo­lo­gi­schen Ver­hält­nis­se – Malm­karst, geo­lo­gi­sche Ver­wer­fun­gen, etc. – als hoch­emp­find­lich ein­ge­stuft und aus­schließ­lich Z0-Mate­ria­li­en für die Ver­fül­lung zugelassen.
  • Es ist des wei­te­ren nicht „Stand der Tech­nik“, Z1.2‑Materialien in einem Stein­bruch zu ver­fül­len. In ande­ren Bun­des­län­dern dür­fen Z1.2‑Materialien und jeg­li­cher Bau­schutt und Gleis­schot­ter nicht ver­füllt wer­den. Selbst in Bay­ern dür­fen nur in weni­ger als vier Pro­zent der Brü­che und Gru­ben Z1.2‑Materialien ver­füllt wer­den. Soll Grä­fen­berg ein Allein­stel­lungs­merk­mal erhal­ten, beson­ders hoch bela­ste­te Mate­ria­li­en auf­zu­neh­men und dies in einem Gebiet ober­halb des Stadt­ge­biets, bei dem die Emp­find­lich­keit zumin­dest geo­lo­gisch strit­tig ist?

Wir sind folg­lich bei der Beschluss­fas­sung im vor­letz­ten Jahr von nicht zutref­fen­den Vor­aus­set­zun­gen aus­ge­gan­gen und sehen es als not­wen­dig und gut begrün­det an, die dama­li­ge Ent­schei­dung heu­te in Fra­ge zu stel­len. Wir hal­ten es auch für gerecht­fer­tigt, jetzt im Zuge der Stel­lung­nah­me zu den Ein­wen­dun­gen auf die Unge­reimt­hei­ten ein­zu­ge­hen, da sich die Ein­wän­de zum gro­ßen Teil genau dar­auf bezie­hen. Aus unse­rer Sicht müs­sen die genann­ten Punk­te min­de­stens durch eine UVP geprüft werden.

Bündnis 90 / Die Grünen
Ortsverband „Gräfenberger Oberland“