BN-Kreis­grup­pe Bam­berg bean­tragt Solar­pflicht und Wind­kraft­aus­bau in Gemeinden

Windpark Königsfeld, Quelle: Johannes Otto Först
Windpark Königsfeld, Quelle: Johannes Otto Först

Offe­ner Brief: Appell an die Bür­ger­mei­ste­rin­nen und Bür­ger­mei­ster in Stadt und Land­kreis Bam­berg zum Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gien im Stromsektor

Sehr geehr­ter Herr Bürgermeister,

mit die­sem Schrei­ben möch­ten wir Sie ermu­ti­gen, eine Solar­pflicht bei Neu­bau­ten ein­zu­füh­ren und die Mög­lich­kei­ten der Bau­leit­pla­nung zur Errich­tung von Wind­kraft­an­la­gen zu nutzen.

Aktu­ell beträgt die Erzeu­gung von Strom aus Erneu­er­ba­ren Quel­len im Bereich von Stadt und Land­kreis Bam­berg etwa 50% des Ver­brauchs (Land­kreis ca. 75%, Stadt ca. 15%). Damit liegt die Regi­on Bam­berg in etwa im Bundesdurchschnitt.

Um die Kli­ma­zie­le der ver­schie­de­nen Ebe­nen (Kli­maal­li­anz, Bun­des­re­gie­rung, EU) zu errei­chen, gehen wir vom BUND Natur­schutz Bam­berg davon aus, dass mit­tel­fri­stig eine Ver­vier­fa­chung der PVLei­stung und eine Ver­dop­pe­lung der Wind­kraft­lei­stung nötig ist. Dabei muss bedacht wer­den, dass wir zukünf­tig mehr Strom durch die hin­zu kom­men­den bzw. wach­sen­den Ver­brauchs­fel­der E‑Mobilität, Wär­me­pum­pen und Erzeu­gung von grü­nem Was­ser­stoff benö­ti­gen werden.

Beim wei­te­ren Aus­bau der Erzeu­gung von Strom aus Erneu­er­ba­ren Ener­gien wer­den in der Regi­on Bam­berg Pho­to­vol­ta­ik und Wind­kraft die ent­schei­den­den Stüt­zen sein.

Den Kom­mu­nen kommt dabei eine zen­tra­le Rol­le zu. Wir sehen Sie daher gemein­sam mit Ihrem Gemein­de- bzw. Stadt­rat in der Ver­ant­wor­tung, in den bei­den fol­gen­den Berei­chen aktiv zu werden:

1. Aus­bau der Pho­to­vol­ta­ik – Solar­pflicht bei Neubauten:

Als Trä­ger öffent­li­cher Belan­ge wird der BUND Natur­schutz immer wie­der bei Stel­lung­nah­men von Bebau­ungs­plä­nen ein­be­zo­gen. Dabei fällt auf, dass durch­wegs die Pflicht zur Nut­zung von Pho­to­vol­ta­ik in den Bebau­ungs­plä­nen fehlt. Dies ist nicht mehr zeit­ge­mäß. Um tat­säch­lich kli­ma­neu­tral zu wer­den, brau­chen wir drin­gend eine gene­rel­le Solar­pflicht für pri­va­te, öffent­li­che und gewerb­li­che Neu­bau­ten. Eine Solar­pflicht haben schon eini­ge Kom­mu­nen und sogar Bun­des­län­der ein­ge­führt. Auch die Stadt Bam­berg hat in ihrer Kli­ma­son­der­sit­zung am 13.10.20 zumin­dest beschlos­sen, dass die Ver­wal­tung bei den Bebau­ungs­plä­nen auf die Anbrin­gung von PV-Anla­gen hin­wir­ken solle.

Wir hof­fen, dass die­se Solar­pflicht „light“ auch ambi­tio­niert umge­setzt wird.

Wir wei­sen dar­auf hin, dass die Anla­gen von den Bau­her­ren nicht unbe­dingt gekauft wer­den müs­sen. Wer die höhe­ren Inve­sti­ti­ons­ko­sten ver­mei­den will, kann auf Pacht­mo­del­le aus­wei­chen. Bei die­sen Model­len kann z.B. das Dach ver­pach­tet wer­den oder eine gan­ze Anla­ge gepach­tet wer­den. Sol­che Model­le wer­den von ver­schie­de­nen Fir­men ange­bo­ten, so auch von den Stadt­wer­ken Bamberg.

Natür­lich gilt bei der Solar­pflicht auch die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Eine PVAn­la­ge muss nur gebaut wer­den, wenn dies wirt­schaft­lich auch ver­tret­bar ist. So muss nie­mand eine Solar­an­la­ge auf ein Dach bau­en, das zu stark beschat­tet ist. Die Wirt­schaft­lich­keit ist in den aller­mei­sten Fäl­len gege­ben. Durch die Novel­lie­rung des Erneu­er­ba­ren Ener­gien Geset­zes (EEG 2021) sind nun auch grö­ße­re Haus­an­la­gen bis 30 kW von der EEG-Umla­ge befreit. Dies erhöht die Wirt­schaft­lich­keit auch grö­ße­rer Anla­gen. Im neu­en EEG wur­den die Bedin­gun­gen für Mie­ter­strom­pro­jek­te ver­bes­sert. So las­sen sich für Miets­häu­ser gute Lösun­gen fin­den, bei denen sowohl Mie­ter wie Ver­mie­ter pro­fi­tie­ren kön­nen. Mie­ter­strom-Model­le bie­ten die Stadt­wer­ke Bam­berg an. Die Fir­ma Natur­strom ist eben­so in die­sem Geschäfts­be­reich tätig und weist hier viel Erfah­rung auf. Prin­zi­pi­ell wäre auch für die Regio­nal­wer­ke Bam­berg ein Enga­ge­ment im Mie­ter­strom­be­reich und bei Pacht­mo­del­len für PV-Anla­gen denkbar.

Unser drin­gen­der Appell: Bit­te füh­ren Sie in Ihrer Gemein­de bei Neu­bau­ten eine Solar­pflicht ein.

Auch wenn PV-Anla­gen vor­dring­lich auf die Dächer gehö­ren, so wer­den für den nöti­gen Zubau auch wei­ter­hin Frei­flä­chen-Anla­gen not­wen­dig sein. So befür­wor­ten wir wei­ter­hin den Bau von Frei­flä­chen­an­la­gen, nicht nur ent­lang der Auto­bah­nen, son­dern auch dezen­tral in den ein­zel­nen Gemeinden.

2. Errich­tung von Windkraftanlagen:

Wie Ihnen sicher bekannt ist, hat der regio­na­le Pla­nungs­ver­band Ober­fran­ken West nach einem umfang­rei­chen Abwä­gungs- und Pla­nungs­pro­zess 2014 Vor­rang­ge­bie­te für den Bau von Wind­kraft­an­la­gen aus­ge­wie­sen. Lei­der hat jedoch die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung kurz dar­auf die 10H-Rege­lung beschlos­sen, wonach der Abstand von einem Wind­rad zur Bebau­ung die 10-fache Ent­fer­nung der Höhe des Wind­rads betra­gen muss. Dar­auf ist der Aus­bau der Wind­kraft im Land­kreis Bam­berg völ­lig zum Erlie­gen gekom­men. Die Kom­mu­nen haben aller­dings die Mög­lich­keit über die Bau­leit­pla­nung Wind­rä­der auch inner­halb der 10H-Gren­zen zu ermög­li­chen. Beim Dia­log mit den Bür­gern und der Schaf­fung von Akzep­tanz bie­tet das baye­ri­sche Wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­um über soge­nann­te Wind­küm­me­rer seit kur­zem Unter­stüt­zung bei der Umset­zung von Wind­kraft­pro­jek­ten an.

Für die Fort­füh­rung der Ener­gie­wen­de im Land­kreis Bam­berg muss die Nut­zung von Wind­ener­gie aus­ge­baut wer­den. Gera­de die Wind­kraft zeich­net sich durch hohe Lei­stun­gen bei gerin­gem Flä­chen­ver­brauch aus.

Des­halb unser Appell: Nut­zen Sie die aus­ge­wie­se­nen Wind­vor­rang­ge­bie­te aus, um den Wind­kraft­aus­bau über die Bau­leit­pla­nung in Ihrer Gemein­de vor­an zu bringen.

Aktu­ell sind im Land­kreis Bam­berg fol­gen­de Wind­vor­rang­ge­bie­te noch nicht bebaut: Prie­gen­dorf-West, Sas­sen­dorf-West, Deus­dorf-West, Star­ken­schwind-West, Lau­ter-West, Brunn-Nord, Die­ten­dorf-Ost, Trep­pen­dorf-West, Trep­pen­dorf-Süd­west und Unte­robern­dorf-Ost (sie­he www​.ober​fran​ken​-west​.de/​m​e​d​i​a​/​c​u​s​t​o​m​/​2​4​9​9​_​3​2​_​1​.​P​D​F​?​1​4​1​7​0​0​9​295).

Wir for­dern wei­te­re Vor­rang­ge­bie­te in die Regio­nal­pla­nung auf­zu­neh­men, weil davon aus­zu­ge­hen ist, dass nicht alle bis­her aus­ge­wie­se­nen Vor­rang­ge­bie­te auch tat­säch­lich bebaut wer­den. Bei wei­te­ren Aus­wei­sun­gen soll­ten Land­schafts­schutz­ge­bie­te nicht gene­rell als Aus­schluss­kri­te­ri­um fest­ge­legt wer­den. Gera­de vie­le geeig­ne­te und wind­star­ke Stand­or­te fal­len dadurch heraus.

Den Kom­mu­nen kommt eine zen­tra­le Bedeu­tung beim Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gien zu. Ger­ne unter­stüt­zen wir Sie vom BUND Natur­schutz bei Ihren Planungen.

Mit freund­li­chen Grüßen
Mar­tin Bücker
Erich Spran­ger
Chri­sti­ne Hertrich