Impf­si­tua­ti­on im Land­kreis Kronach

Corona Maske Symbolbild

Seit 27. Dezem­ber sind zwei mobi­le Impf­teams im Land­kreis Kro­nach unter­wegs, um beson­ders gefähr­de­te Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner der Alten- und Pfle­ge­hei­me sowie im medi­zi­ni­schen Bereich täti­ges Per­so­nal gegen das Coro­na-Virus zu imp­fen. Für den ärzt­li­chen Lei­ter des Kro­nacher Impf­zen­trums, Huber­tus Franz, sowie Koor­di­na­tor Ralf Schmidt ist damit ein erster wich­ti­ger Schritt im Kampf gegen die Pan­de­mie erfolgt. Im Inter­view blicken sie auf die ersten Impf­ak­tio­nen zurück und geben einen Aus­blick auf die wei­te­ren Planungen.

Wie vie­le Men­schen konn­ten bis­lang geimpft werden?

Ärztlicher Leiter Hubertus Franz bereitet eine Impfdosis vor. Foto: LRA Kronach

Ärzt­li­cher Lei­ter Huber­tus Franz berei­tet eine Impf­do­sis vor. Foto: LRA Kronach

Ralf Schmidt: Wir befin­den uns aktu­ell in einer Pha­se, in der wir rund 75 bis 80 Pro­zent aller Per­so­nen in den ein­gangs erwähn­ten Ein­rich­tun­gen geimpft haben. Bis Anfang kom­men­der Woche wer­den dies rund 1100 Per­so­nen sein.

War­um wur­de gera­de in die­sen Ein­rich­tun­gen mit dem Imp­fen begonnen?

Ralf Schmidt: Es ist wich­tig, zuerst die Bevöl­ke­rungs­grup­pen zu imp­fen, für die es am not­wen­dig­sten ist. Dazu zäh­len eben auch die Senio­rin­nen und Senio­ren in Alten- und Pfle­ge­hei­men sowie all­ge­mein Per­so­nen, die am Pati­en­ten arbei­ten. Wenn Per­so­nal im Bereich der Pfle­ge bzw. der Betreu­ung weg­bricht, kann eine rie­si­ge Ver­sor­gungs­lücke ent­ste­hen. Das wol­len wir vermeiden.

Es gab ja die Situa­ti­on in einer Ein­rich­tung, dass sich Men­schen mit dem Coro­na-Virus infi­ziert haben, obwohl sie bereits die erste Imp­fung erhal­ten haben. Wie kommt das?

Huber­tus Franz: Laut Robert-Koch-Insti­tut ent­wickelt der Impf­stoff nach Ver­ab­rei­chung der ersten Dosis inner­halb von sie­ben bis 14 Tagen eine Wirk­sam­keit von 50 bis 80 Pro­zent. Exper­ten gehen davon aus, dass dadurch eine rele­van­te Anzahl an Fäl­len und auch an Todes­fäl­len ver­hin­dert bzw. schwe­re Krank­heits­ver­läu­fe abge­mil­dert wer­den. Vor die­sem Hin­ter­grund ist also davon aus­zu­ge­hen, dass wir durch die erste Impf­rei­he ein grö­ße­res Aus­bruchs­ge­sche­hen in der genann­ten Ein­rich­tung bei uns im Land­kreis ver­mei­den konn­ten. Die bis­lang vor­lie­gen­den Daten geben im Übri­gen kei­nen Hin­weis dar­auf, dass die Imp­fung nach bereits unbe­merkt durch­ge­mach­ter Infek­ti­on eine Gefähr­dung darstellt

Wann ist der Impf­pro­zess an einer Per­son abgeschlossen?

Für den ärztlichen Leiter Hubertus Franz war es eine Selbstverständlichkeit, sich selbst impfen zu lassen und damit als gutes Beispiel im Kampf gegen die Corona-Pandemie voranzugehen. Foto: LRA Kronach

Für den ärzt­li­chen Lei­ter Huber­tus Franz war es eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, sich selbst imp­fen zu las­sen und damit als gutes Bei­spiel im Kampf gegen die Coro­na-Pan­de­mie vor­an­zu­ge­hen. Foto: LRA Kronach

Huber­tus Franz: Abge­schlos­sen ist der Impf­pro­zess erst nach Ver­ab­rei­chung der zwei­ten Impf­do­sis, die 21 Tage nach der ersten erfol­gen soll. Der aus­rei­chen­de Impf­schutz beginnt sie­ben Tage nach der zwei­ten Imp­fung. Nach dem der­zei­ti­gen Kennt­nis­stand sind dann 95 von 100 geimpf­te Per­so­nen vor einer Erkran­kung geschützt.

Wie sehen die wei­te­ren Pla­nun­gen aus?

Ralf Schmidt: Wir gehen davon aus, dass wir in den Ein­rich­tun­gen bereits ab dem 16. Janu­ar mit der Fol­ge­imp­fung, also mit der Ver­ab­rei­chung der zwei­ten Impf­do­sis, begin­nen kön­nen. Im Anschluss wird der Schwer­punkt unse­rer Arbeit auf dem Impf­be­trieb im Impf­zen­trum liegen.

War­um wur­de das Impf­zen­trum bis­lang noch nicht für die Bevöl­ke­rung geöffnet?

Ralf Schmidt: Sicher­lich hät­ten wir bereits ver­ein­zelt Ter­mi­ne ver­ge­ben, aber der Schwer­punkt liegt momen­tan ein­fach auf den bereits erwähn­ten Per­so­nen­grup­pen in den Ein­rich­tun­gen. Wenn wir das Impf­zen­trum für die Bevöl­ke­rung öff­nen, dann wol­len wir das zunächst schwer­punkt­mä­ßig für alle über 80-Jäh­ri­gen tun, um auch nicht in der Lage sein zu müs­sen, ein­zel­ne Per­so­nen abwei­sen zu müs­sen, weil viel­leicht gera­de nicht aus­rei­chend Impf­stoff zur Ver­fü­gung steht.

Apro­pos Impf­stoff: Wie sieht es mit der Ver­sor­gung aus?

Ralf Schmidt: Wir stel­len Impf­plä­ne auf, auf deren Basis wir eine Impf­stoff-Bestel­lung an die Regie­rung abge­ben. Uns sind ab der kom­men­den Woche fest zwei Lie­fe­run­gen pro Woche zuge­sagt, was die Pla­nungs­si­cher­heit erhöht und natür­lich den Impf­pro­zess wei­ter vor­an­trei­ben wird.

Sie spre­chen den Impf­pro­zess an. Wie sieht es mit den Sicher­heits­maß­nah­men aus?

Huber­tus Franz: Das Qua­li­täts­ni­veau und die Hygie­ne­maß­nah­men sind extrem hoch. Vor jedem Ein­satz unter­zie­hen sich die Mit­glie­der der Impf­teams einem Anti­gen-Schnell­test. Dar­über hin­aus gibt es kon­kre­te Ver­fah­rens­an­ord­nun­gen, die detail­liert doku­men­tiert wer­den müs­sen. Dem­nach erhal­ten alle im Impf­pro­zess han­deln­den Per­so­nen in den jewei­li­gen Tätig­keits­be­rei­chen eine Unter­wei­sung, so dass der kom­plet­te Impf­pro­zess einem hohen Maß an Sicher­heit unterliegt.

Ab wann kön­nen Ter­mi­ne im Impf­zen­trum ver­ein­bart werden?

Ralf Schmidt: Eine ent­spre­chen­de Platt­form zur Online-Ter­min­ver­ga­be wird zeit­nah zur Ver­fü­gung ste­hen. Natür­lich wird auch eine Hot­line frei­ge­schal­tet, über die tele­fo­nisch Ter­mi­ne ver­ein­bart wer­den kön­nen. Wer die­sen Weg wählt und zu den in die­ser Pha­se impf­be­rech­tig­ten Per­so­nen zählt, wird dann auch einen Ter­min erhal­ten. Eine ent­spre­chen­de Infor­ma­ti­on über den Start­zeit­punkt wird über die Medi­en sowie über die Kom­mu­nen erfolgen.