Kli­ni­kum Forchheim-​Fränkische-​Schweiz unter­stützt For­schungs­vor­ha­ben “Psy­cho­the­ra­pie am Arbeitsplatz”

Symbolbild Gesundheit

For­schungs­pro­jekt hilft Men­schen mit psy­chi­schen Bela­stun­gen direkt im Betrieb – Unter­neh­men als Koope­ra­ti­ons­part­ner gesucht

Psy­chi­sche Erkran­kun­gen sind laut Aus­wer­tun­gen der Kran­ken­kas­sen eine der häu­fig­sten Ursa­chen für Krank­heits­ta­ge in Deutsch­land. Wesent­li­che Pro­ble­me im Zusam­men­hang mit psy­chi­schen Beschwer­den am Arbeits­platz sind die oft erst spät gestell­ten Dia­gno­sen und die lan­gen War­te­zei­ten für eine Behand­lung. Genau an die­sem Punkt setzt nun das Ver­bund­pro­jekt „Frü­he Inter­ven­ti­on am Arbeits­platz“ (FRIAA) der Psy­cho­so­ma­ti­schen und Psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Kli­nik des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Erlan­gen in Koope­ra­ti­on mit dem Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Ulm sowie wei­te­ren Ver­bund­part­nern an. Sven Oel­kers, Geschäfts­füh­rer des Kli­ni­kums Forch­heim-Frän­ki­sche-Schweiz, unter­stützt das Studienvorhaben.

Im Rah­men des For­schungs­pro­jekts ver­las­sen die Wis­sen­schaft­ler ihre Kli­nik und kom­men in das Lebens­um­feld ihrer Pati­en­ten, wenn erwünscht, direkt an den Arbeits­platz. „Die psy­cho­so­ma­ti­sche Sprech­stun­de unse­rer Fach­ärz­te und Psy­cho­the­ra­peu­ten fin­det in meh­re­ren Zen­tren in der Regi­on, unter ande­rem auch in Forch­heim, statt“, erläu­tert Prof.

Dr. (TR) Yesim Erim, Lei­te­rin der Psy­cho­so­ma­tik des Uni-Kli­ni­kums Erlan­gen und Chef­ärz­tin der psy­cho­so­ma­ti­schen Abtei­lung des Kli­ni­kums Forch­heim-Frän­ki­sche Schweiz in Eber­mann­stadt. „Unser Ziel ist es, psy­chisch bela­ste­te Beschäf­tig­te schnell zu erken­nen und zu behan­deln und damit ihren Ver­bleib am Arbeits­platz zu för­dern.“ Mit ihrem all­tags­na­hen Ange­bot erhof­fen sich die Ver­bund­part­ner, sowohl das Wohl­be­fin­den und die Gesund­heit der Mit­ar­bei­ter zu erhö­hen als auch die koope­rie­ren­den Unter­neh­men zu unter­stüt­zen. Die Initia­to­ren der Stu­die sind Prof. Dr. Harald Gün­del und Dr. Eva Rother­mund vom Uni- Kli­ni­kum Ulm. Die Co-Stu­di­en­lei­tung hat Prof. Dr. Peter Ange­rer vom Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Düs­sel­dorf inne. Wei­te­re Betei­lig­te sind Prof. Dr. Chri­stoph Krö­ger von der Stif­tung Uni­ver­si­tät Hil­des­heim und Prof. Dr. Vol­ker Köll­ner vom Reha-Zen­trum See­hof. Die qua­li­ta­ti­ven Unter­su­chun­gen wer­den von der Bun­des­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin über­nom­men. Die Uni­ver­si­tät Hei­del­berg und das Bezirks­kran­ken­haus Günz­burg unter­stüt­zen bei der Datenauswertung.

Ver­trau­li­che Beratung

Inner­halb der psy­cho­so­ma­ti­schen Sprech­stun­de erhal­ten alle inter­es­sier­ten Mit­ar­bei­ter eine Dia­gno­stik und Bera­tung zu mög­li­chen Behand­lungs­op­tio­nen. Falls not­wen­dig kön­nen anschlie­ßend The­ra­pie­sit­zun­gen wahr­ge­nom­men wer­den. Alle Ter­mi­ne fin­den anonym statt: Der Arbeit­ge­ber weiß nicht, wer zu den Bera­tun­gen und zur The­ra­pie kommt und erhält kei­ner­lei Infor­ma­tio­nen dar­über. Der Betriebs­arzt wird mit Ein­ver­ständ­nis des Beschäf­tig­ten hin­zu­ge­zo­gen, unter­liegt aber der Schweigepflicht.

Pro­ban­den gesucht

Die­ses Ange­bot hat in Vor­stu­di­en bereits viel­ver­spre­chen­de Ergeb­nis­se gelie­fert. Die Wirk­sam­keit soll jetzt in einer deutsch­land­wei­ten ran­do­mi­sier­ten und kon­trol­lier­ten Unter­su­chung über­prüft wer­den. Die Stu­die, die vom Bun­des­mi­ni­ste­ri­um für Bil­dung und For­schung und der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung mit 2,3 Mio. Euro geför­dert wird, soll bis zu 600 Teil­neh­mer an fünf Stand­or­ten ein­schlie­ßen. Die Pro­ban­den – psy­chisch bela­ste­te Beschäf­tig­te der koope­rie­ren­den Unter­neh­men – wer­den zufäl­lig einer von zwei Grup­pen zuge­teilt. Die eine Grup­pe erhält eine umfang­rei­che Dia­gno­stik und eine Erst­be­ra­tung durch die The­ra­peu­ten des Uni-Kli­ni­kums Erlan­gen und wird im Anschluss an ambu­lan­te Anbie­ter ver­wie­sen. Bei der ande­ren Grup­pe folgt auf die Dia­gno­stik und die Erst­be­ra­tung noch eine Kurz­zeit­the­ra­pie mit Arbeits­platz­be­zug durch die Stu­di­en­the­ra­peu­ten. Ein wesent­li­cher Bestand­teil der Psy­cho­the­ra­pie ist die Unter­stüt­zung bei der anschlie­ßen­den Reinte­gra­ti­on an den Arbeits­platz; hier­bei wer­den auch die Betriebs­ärz­te in den Kreis der Hel­fen­den auf­ge­nom­men. An der Stu­die teil­neh­men kön­nen psy­chisch erkrank­te Arbeit­neh­mer, die z.B. an Angst­stö­run­gen, Schlaf­stö­run­gen oder unter somato­for­men Stö­run­gen wie Müdig­keit, Erschöp­fung oder Schmerz­sym­pto­men lei­den. Die Auf­nah­me in die Stu­die erfolgt durch die Betriebs­ärz­te, ist aber auch auf eige­nen Wunsch der Betrof­fe­nen möglich.

Zoom-Mee­tings für inter­es­sier­te Unter­neh­men am 13. und 28. Janu­ar 2021

Mit den Bera­tun­gen und den The­ra­pien soll im Sep­tem­ber 2021 begon­nen wer­den. Dafür suchen die Wis­sen­schaft­ler aktu­ell klei­ne und mit­tel­stän­di­sche, aber auch gro­ße Unter­neh­men aus der Regi­on als Koope­ra­ti­ons­part­ner. Im Rah­men von vier Zoom-Mee­tings am Mitt­woch, 13. Janu­ar 2021, und am Don­ners­tag, 28. Janu­ar 2021, stel­len die Wis­sen­schaft­ler das Pro­jekt vor und beant­wor­ten Fra­gen. Die Video­kon­fe­ren­zen fin­den an bei­den Tagen jeweils um 16.00 Uhr und um 19.00 Uhr statt. Auf Wunsch ist außer­dem ein per­sön­li­cher Kon­takt mit dem For­scher­team möglich.

Hohe Lei­stungs­be­reit­schaft – Gefahr für psy­chi­sche Gesundheit

„In Fran­ken leben wir in einer Regi­on mit Men­schen, die von sich selbst höch­ste Lei­stun­gen abver­lan­gen“, so Prof. Erim. „Die hohe Arbeits­mo­ral hat die­se Regi­on einer­seits zu einer Wie­ge von Wis­sen­schaft und Inno­va­tio­nen gemacht.

Ande­rer­seits hat die anhal­tend hohe Ver­aus­ga­bungs­be­reit­schaft – manch­mal gepaart mit dop­pel­ten Bela­stun­gen durch Lohn­ar­beit und fami­liä­re Not­wen­dig­kei­ten – Beein­träch­ti­gun­gen der psy­chi­schen Gesund­heit zur Fol­ge. Unse­re Stu­die will aus­lo­ten, ob frü­he Inter­ven­tio­nen, die in den Betrie­ben begin­nen, die Arbeits­fä­hig­keit der Beschäf­tig­ten deut­lich erhö­hen kön­nen.“ Ziel der Stu­die sei letzt­lich die dau­er­haf­te Eta­blie­rung der psy­cho­so­ma­ti­schen Sprech­stun­de am Arbeits­platz im Kata­log der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen. „Das Pro­jekt wird auch einen Bei­trag dazu lei­sten, dass die Erschöp­fungs­zu­stän­de, die durch hohe Arbeits­an­for­de­run­gen zustan­de kom­men, von Betrof­fe­nen und behan­deln­den Ärz­ten frü­her erkannt wer­den“, sagt Prof. Erim. „Schließ­lich sol­len Men­schen mit psy­chi­schen Stö­run­gen nicht dis­kri­mi­niert, son­dern dia­gno­sti­ziert und zeit­nah behan­delt werden.“