Sonn­tags­ge­dan­ken: Advent

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

„Bit­te war­ten Sie hier!“ sag­te ich zu dem Blin­den und ließ ihn an einer geschütz­ten Ecke des Groß­stadt­bahn­ho­fes zurück. Ich woll­te ihm das Gedrän­ge vor dem Schal­ter erspa­ren. Zurück­keh­rend sah ich ihn schon von wei­tem an sei­nem Platz ste­hen. Er stand ruhig da, war­tend. Die Schrit­te, die Stim­men, die Hek­tik, die vie­ler­lei Geräu­sche um ihn her schie­nen ihn nicht zu beküm­mern. Er wuss­te nicht, wann ich käme, aber dass ich kom­men wür­de, dar­auf ver­trau­te er, dar­auf war er ange­wie­sen. Sein Gesicht spie­gel­te zuver­sicht­li­che, ruhi­ge Vor­freu­de mit­ten in all dem Durch­ein­an­der. Da blitz­te es in mir auf: So müss­te das Gesicht eines Chri­sten aus­se­hen, das Gesicht advent­li­cher Vorfreude.“

Die­se Geschich­te von Heinz Schä­fer trifft auch unse­re Situa­ti­on. Man führt und schiebt uns, zunächst die Eltern, die Leh­rer, spä­ter der Arbeit­ge­ber, die Poli­ti­ker. Wir füh­len uns oft hilf­los ange­sichts der Wirr­nis in unse­rer Welt. Man­cher stu­diert sein Horo­skop, die Asia­ten mar­kie­ren eif­rig Glücks- und Unglücks­ta­ge in ihren Kalen­dern. Als Chri­sten dür­fen wir gewiss sein, dass wir kei­nen dunk­len Schick­sals­mäch­ten aus­ge­lie­fert sind, dass die Macht der Obe­ren begrenzt ist. Zwar wis­sen wir nicht, wann Jesus Chri­stus wie­der­kommt, aber dass. Dar­auf sind wir ange­wie­sen, denn mensch­li­che Kräf­te und Weis­hei­ten kom­men irgend­wann an ihr Ende, spä­te­stens vor dem fin­ste­ren Tor des Todes. Der Advent rich­tet nun unse­ren Blick nach vorn, nach oben auf Got­tes neue Welt, und möch­te unser Leben schon heu­te fro­her und frei­er machen. Unse­re nega­ti­ven Erfah­run­gen, die Gemein­hei­ten der Mit­men­schen kön­nen uns nicht mehr nie­der­drücken, denn Jesus Chri­stus wird kom­men, auch für mich und Sie!

Wei­te­re Sonn­tags­ge­dan­ken

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

Infos zu Chri­sti­an Karl Fuchs:

  • geb. 04.01.66 in Neustadt/​Aisch
  • Stu­di­um der evang. Theo­lo­gie 1985 – 1990 in Neuendettelsau
  • Vika­ri­at in Schorn­weiss­ach-Vesten­bergs­greuth 1993 – 1996
  • Pro­mo­ti­on zum Dr. theol. 1995
  • Ordi­na­ti­on zum ev. Pfar­rer 1996
  • Dienst in Nürnberg/​St. Johan­nis 1996 – 1999
  • seit­her in Neustadt/​Aisch
  • blind