Zum 100. Geburts­tag des Forch­hei­mer Kom­po­ni­sten Franz Hofmann

Sen­dung auf BR Klas­sik am Don­ners­tag, 10.12.2020 von 19:05 bis 20:00 Uhr

Franz Hofmann. © Franz Hofmann und Sophie Hagemann Stiftung

Franz Hof­mann. © Franz Hof­mann und Sophie Hage­mann Stiftung

Franz Hof­mann wur­de am 13. Dezem­ber 1920 in Forch­heim gebo­ren. Sei­ne Fami­lie stammt aus Ober­fran­ken und war über Genera­tio­nen im Leh­rer­be­ruf tätig.

Auf­ge­wach­sen in Nürn­berg erhielt Franz Hof­mann den ersten Kla­vier­un­ter­richt von sei­ner Tan­te Gre­te Wit­tig, die auch zahl­rei­che Lied­tex­te für ihn ver­fass­te. Auf­grund sei­ner gro­ßen musi­ka­li­schen Bega­bung wur­de Franz Hof­mann schon wäh­rend sei­ner Schul­zeit Stu­dent am Städ­ti­schen Kon­ser­va­to­ri­um in Nürn­berg. Hier stu­dier­te er ab 1935 Kla­vier im Haupt­fach bei Karl Rast und im Neben­fach Vio­li­ne bei Seby Hor­vath. Als Pri­vat­schü­ler wur­de er zudem vom ehe­ma­li­gen Direk­tor des Kon­ser­va­to­ri­ums Carl Rorich in Musik­theo­rie und Kom­po­si­ti­ons­leh­re unterrichtet.

Neben dem Musi­zie­ren galt sei­ne Lie­be vor allem dem Kom­po­nie­ren. Sei­ne ersten Kom­po­si­tio­nen schrieb Franz Hof­mann im Alter von 14 Jah­ren. 1936 kom­po­nier­te er die Kla­vier­so­na­te in fis-moll und wid­me­te sie dem Direk­tor des Kon­ser­va­to­ri­ums Carl Rorich. Nach­dem Franz Hof­mann die Sona­te sei­nem Leh­rer vor­ge­spielt hat­te, schenk­te die­ser sei­nen Blüth­ner-Flü­gel dem jun­gen Komponisten.

Nach sei­nem Abitur im Juli 1939 wur­de Franz Hof­mann im August zum Arbeits­dienst ein­ge­zo­gen. Zu Beginn des Krie­ges erfolg­te im Sep­tem­ber 1939 sei­ne Ein­be­ru­fung zum Musik­korps nach Wien. Hier hat­te Hof­mann die Mög­lich­keit, neben dem Mili­tär­dienst an der Aka­de­mie für Musik und dar­stel­len­de Kunst Kla­vier (Prof. Wüh­rer) und Diri­gie­ren (Prof. Leo­pold Reich­wein) zu stu­die­ren. Am 17. Juni 1943 absol­vier­te er als exter­ner Stu­dent die künst­le­ri­sche Rei­fe­prü­fung in den Haupt­fä­chern „Kapell­mei­ster­schu­le“ und „Kla­vier“ mit „vor­züg­li­chem Erfolg“.

Vor allem wäh­rend sei­ner Zeit im Musik­korps ent­stan­den zahl­rei­che Kam­mer­mu­sik­wer­ke in ver­schie­de­nen Beset­zun­gen: Lie­der, Sona­ten für Gei­ge und Kla­vier sowie das Vio­lin­kon­zert. Die Vio­lin­so­na­ten wur­den von Franz Hof­manns Ehe­frau, der Gei­ge­rin Sophie Hage­mann in Mann­heim, Nürn­berg und Wien auf­ge­führt, die Urauf­füh­rung des Vio­lin­kon­zerts durch die Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker konn­te 1944 aller­dings nicht mehr erfolgen.

Im Sep­tem­ber 1944 wur­de Franz Hof­mann als Gefrei­ter an die Ost­front geschickt. Trotz der Gefech­te kom­po­nier­te er wei­ter, bis er im Novem­ber 1944 durch einen Kopf­schuß schwer ver­wun­det wur­de. Nach einer Ope­ra­ti­on wur­de Hof­mann am 12. Novem­ber 1944 ins Laza­rett nach Königs­berg ver­legt, wo er bis Anfang Febru­ar 1945 lag und sich trotz sei­ner Ver­wun­dung vom Kom­po­nie­ren nicht abhal­ten ließ. Zur glei­chen Zeit erfuhr er, dass sein Trio für Flö­te, Vio­li­ne und Vio­la bei einem Kom­po­si­ti­ons­wett­be­werb in Prag den ersten Preis erhal­ten hatte.

In sei­nem letz­ten Brief aus dem Feld­la­za­rett Pillau teil­te er am 6. Febru­ar 1945 sei­ner Frau mit: „Das ersehn­te Schiff will nicht kom­men, trotz­dem habe ich den 3. Satz der ‚Klei­nen Sona­te´ fer­tig gemacht.“ Ver­mut­lich befand sich Franz Hof­mann auf dem Schiff „Steu­ben“, das am 9. Febru­ar 1945 tor­pe­diert wur­de und unter­ging. Seit­dem gilt er als vermisst.

Über die Sinn­lo­sig­keit des Krie­ges schrieb Franz Hof­mann 1944: „[…] wie unsin­nig ist alles. Die Men­schen brin­gen sich um, spä­hen nach einer Lücke beim Geg­ner, um Blut flie­ßen zu las­sen. Die Men­schen, die zuhau­se so glück­lich sein könn­ten, müs­sen an der Front in Dreck und Speck sein, fern von ihren Lie­ben zuhau­se, immer ein Ende vor Augen. Man möch­te sich auf­leh­nen dage­gen – aber was hilft´s?“

Quel­le: http://​www​.hof​mann​-hage​mann​-stif​tung​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​i​d​=​1​4​760

Anmer­kung der Redak­ti­on: Auf You­tube fin­det sich ein Bei­trag “Franz Hof­mann (1920–1945): Vio­lin con­cer­to in E minor (1943), soloist: Dani­el Gaede” unter https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​6​t​i​N​i​7​o​h​hPs