Inter­na­tio­na­ler Tag gegen Gewalt an Frau­en am 25.11.2020

Symbolbild Polizei

Mit­tel­fran­ken (ots) – Der „Inter­na­tio­na­le Tag gegen Gewalt an Frau­en“, ist ein am 25. Novem­ber jähr­lich abge­hal­te­ner Gedenk- und Akti­ons­tag zur Bekämp­fung von Dis­kri­mi­nie­rung und Gewalt jeder Form gegen­über Frau­en und Mäd­chen. Auch das PP Mit­tel­fran­ken betei­ligt sich hier­an mit Aktio­nen, um ein Zei­chen gegen Gewalt an Frau­en zu setzen.

Jeder Strei­fen­be­am­te kennt die­se Situation:

Man wird zu einem Fami­li­en­streit geru­fen. Das zumeist weib­li­che Opfer berich­tet über häus­li­che Gewalt ist viel­leicht sogar ver­letzt. Die Beam­ten neh­men sich der Frau an, tref­fen im Rah­men der recht­li­chen Mög­lich­kei­ten Maß­nah­men wie die Aus­spra­che eines Platz­ver­wei­ses oder die Anord­nung eines poli­zei­li­chen Kontaktverbots.

Weni­ge Tage spä­ter mel­det sich die Geschä­dig­te bei den Beam­ten und teilt mit, dass sie nun doch kei­ne Anzei­ge erstat­ten möch­te und sich wie­der mit ihrem Ehe­mann ver­tra­gen hat. Für Außen­ste­hen­de mög­li­cher­wei­se völ­lig unverständlich.

Nicht aber dann, wenn man sich mit der oft schwe­ren und aus­weg­los erschei­nen­den Situa­ti­on von Opfern häus­li­cher Gewalt befasst.

Der Ter­mi­nus Häus­li­che Gewalt umfasst alle For­men von Miss­hand­lun­gen – sowohl psy­chi­sche, phy­si­sche und sexu­el­le Gewalt – wel­che zwi­schen Ehe­leu­ten, Lebens­ge­fähr­ten oder Lebens­part­nern began­gen wer­den. Opfer sind zumeist Frau­en und Täter in der Mehr­zahl Männer.

Häus­li­che Gewalt ist ein Phä­no­men, das Frau­en aller sozia­len Schich­ten betrifft.

Sie kommt in allen Län­dern vor, quer durch alle Kul­tu­ren, Klas­sen oder Her­kunfts­län­der. Sie betrifft Frau­en aller Bil­dungs­gra­de und Ein­kom­mens­schich­ten sowie jeden Alters.

„Nie­mals hät­te ich gedacht, dass mir so etwas pas­siert“. Die Fol­gen häus­li­cher Gewalt sind für die Opfer schwer­wie­gend. Die Lebens­qua­li­tät betrof­fe­ner Frau­en wird wesent­lich beein­träch­tigt. Sie ver­lie­ren ihr Selbst­wert­ge­fühl bis hin zum Ver­lust der Selbstachtung.

Häus­li­che Gewalt hat vie­le For­men: Trit­te, Schlä­ge oder unfrei­wil­li­ge sexu­el­le Hand­lun­gen. Aber auch Nöti­gun­gen, Belei­di­gun­gen oder Demü­ti­gun­gen gehö­ren dazu.

Das heim­tücki­sche an die­ser Form von Gewalt ist, dass sie dort statt­fin­det, wo jeder Mensch eigent­lich Schutz fin­den soll­te: zu Hau­se. Daher ist sie für Außen­ste­hen­de oft unsichtbar.

Betrof­fe­ne Frau­en fin­den sich nach dem ersten Über­griff in einer Spi­ra­le der Gewalt wie­der. Einem Teu­fels­kreis aus Macht­aus­übung, Kon­trol­le, Eifer­sucht. Aus Ent­schul­di­gun­gen, Beteue­run­gen, es wür­de nie wie­der gesche­hen, Hoff­nung und wie­der Enttäuschung.

Häus­li­che Gewalt stellt in der Sta­ti­stik kei­ne eige­ne Delikts­form dar. Man spricht daher von einem „Phä­no­me­n­be­reich“, der ver­schie­de­ne Straf­ta­ten auf­wei­sen kann. Im Jahr 2019 ver­zeich­ne­te das Poli­zei­prä­si­di­um Mit­tel­fran­ken etwa 3400 Fäl­le von häus­li­cher Gewalt. In ca. 1100 Fäl­len wur­den Frau­en nach einer Tren­nung Opfer. In rund 1000 Fäl­len ereig­ne­ten sich die Taten zwi­schen Ehe­part­nern. In 80 Pro­zent die­ser Fäl­le waren die Opfer weib­lich und die Täter männ­lich. In über 40 Pro­zent der Fäl­le waren Kin­der bei der Tat­aus­füh­rung anwe­send und muss­ten somit zumin­dest mit­tel­bar ent­spre­chen­de Gewalt­er­fah­run­gen erleben.

Gera­de in der momen­ta­nen „coro­na­ge­präg­ten“ Zeit ist es für betrof­fe­ne Frau­en beson­ders schwer. Sind Men­schen über län­ge­re Zeit auf eng­stem Raum zusam­men, ent­la­den sich Span­nun­gen und Gewalt schnel­ler. Hin­zu kom­men zusätz­li­che Bela­stun­gen wie Sor­gen um die eige­ne Gesund­heit, einem Job­ver­lust oder Zukunfts­äng­sten. Den­noch ist sei­tens des PP Mit­tel­fran­ken seit März 2020 kein signi­fi­kan­ter Anstieg von Fäl­len häus­li­cher Gewalt zu ver­zeich­nen. Das Dun­kel­feld ist jedoch gera­de in die­sem Bereich sehr hoch und Opfer zei­gen Straf­ta­ten oft­mals erst nach Jah­ren vol­ler Gewalt­er­fah­run­gen bei der Poli­zei an.

Was hin­dert Frau­en nun dar­an, sich hil­fe­su­chend an Poli­zei oder Opfer­schutz­ein­rich­tun­gen zu wen­den? Oft­mals ist es Scham, Schuld wird bei sich selbst gesucht, das gesell­schaft­li­che Tabu ist groß. Frau­en wur­den durch ihre Pei­ni­ger iso­liert, sozia­le Kon­tak­te sind rar gewor­den. Die Angst, das Leben, auch und vor allem in finan­zi­el­ler Hin­sicht, nicht allei­ne mei­stern zu kön­nen, über­wiegt. Letzt­end­lich sind Kin­der ein ganz ent­schei­den­der Fak­tor. Die Dro­hung des Man­nes, der Frau die Kin­der zu neh­men oder ihnen gar etwas anzu­tun, lässt Frau­en in ihrer unaus­halt­sa­men Situa­ti­on verharren.

Am heu­ti­gen Tag, dem Tag gegen Gewalt an Frau­en, sol­len Opfer von häus­li­cher Gewalt ermu­tigt wer­den, die­sen Schritt, her­aus aus der Gewalt­spi­ra­le, zu gehen.

Nie­mand steht mit sei­nen Äng­sten allei­ne da! Es gibt viel­fäl­ti­ge Hilfs­an­ge­bo­te. Men­schen, die mit viel Enga­ge­ment und Ein­füh­lungs­ver­mö­gen pro­fes­sio­nell hel­fen und schüt­zen. Aus­zugs­wei­se möch­ten wir fol­gen­de Ein­rich­tun­gen nennen:

Um aus dem Kreis­lauf der Gewalt aus­bre­chen zu kön­nen, ist ver­ständ­nis­vol­le Hil­fe von außen unbe­dingt not­wen­dig. Betrof­fe­ne Frau­en brau­chen Augen, die hin- und nicht weg­se­hen, Ohren, die zuhö­ren und Hän­de, die sie aus der Not führen.