Buckenhof/​Landkreis ERH: Wie­viel Poli­tik darf ein Mit­tei­lungs­blatt enthalten?

Bucken­hof (ah) – Dür­fen Par­tei­en und poli­ti­sche Wäh­ler­grup­pie­run­gen im Mit­tei­lungs­blatt der Ver­wal­tungs­ge­mein­schaft, oder auch in den Mit­tei­lungs­blät­tern der ein­zel­nen Gemein­den Sach­ver­hal­te ver­öf­fent­li­chen und wenn ja in wel­cher Form? Zäh­len Wäh­ler­grup­pie­run­gen? Am Ende der Bera­tun­gen über die Art und Wei­se von poli­ti­scher Bericht­erstat­tung blie­ben jede Men­ge Fra­gen offen, so dass kur­zer­hand der Tages­ord­nungs­punkt per Geschäfts­ord­nungs­an­trag ver­tagt wurde.

Es war zu ver­mu­ten, dass die­ser Tages­ord­nungs­punkt für genü­gend poli­ti­schen Zünd­stoff in der jüng­sten Gemein­schafts­ver­samm­lung der Ver­wal­tungs­ge­mein­schaft Utten­reuth sorg­te, wel­che am ver­gan­ge­nen Mon­tag im Saal des Hal­l­erho­fes statt­fand. Vor­ge­schla­gen hat­te die VG-Vor­sit­zen­de Astrid Kai­ser im vor­ge­leg­ten Beschluss, dass künf­tig kei­ner­lei Inhal­te (auch Ver­an­stal­tungs­hin­wei­se) der ört­li­chen Par­tei­en und Wäh­ler­grup­pie­run­gen im Mit­tei­lungs­blatt ver­öf­fent­licht wer­den dür­fen. Anstel­le der redak­tio­nel­len, poli­ti­schen Inhal­te woll­te Kai­ser den Par­tei­en und poli­ti­schen Wäh­ler­grup­pie­run­gen die Mög­lich­kei­ten bie­ten, jeweils am Ende des Mit­tei­lungs­blat­tes bezahl­te Anzei­gen „schal­ten“ zu kön­nen. Außer­dem ver­wies Kai­ser auf die VG-Sit­zun­gen vom 26.09.2019 und 19.11.2019 in denen das The­ma bereits kon­tro­vers dis­ku­tiert wurde.

Chri­sti­ne Alt­mann (UBB) sag­te, dass das Mit­tei­lungs­blatt künf­tig ein „neu­tra­les Blatt“ blei­ben sol­le und par­tei­po­li­ti­sche Wer­bung dort nichts zu suchen habe; Ver­an­stal­tungs­an­kün­di­gun­gen von poli­ti­schen Par­tei­en und Wäh­ler­grup­pie­run­gen soll­ten aber erlaubt sein und blei­ben. Spar­dorfs Bür­ger­mei­ster Andre­as Wasie­lew­ski (SPD) bezwei­fel­te, ob die VG-Ver­samm­lung über­haupt das rich­ti­ge Gre­mi­um sei, um über die Mit­tei­lungs­blät­ter der ein­zel­nen Gemein­den zu beschlie­ßen. Bir­git Herbst (FW) aus Spar­dorf sag­te, dass die Dis­kus­si­on zei­ge, dass man drin­gend Regu­la­ri­en für den Umgang mit der Ver­öf­fent­li­chung von poli­ti­schen Inhal­ten in Mit­tei­lungs­blät­tern brau­che. Die Kom­mu­nal­auf­sicht des Land­krei­ses Erlan­gen-Höchstadt habe der VG Utten­reuth bereits im letz­ten Jahr ange­ra­ten, drin­gend sol­che Regu­la­ri­en für die Ver­öf­fent­li­chung im Mit­tei­lungs­blatt zu fassen.

Herbst über­rasch­te die Ver­samm­lung mit einem ande­ren Antrag an die­sem Abend. Per VG-Beschluss woll­te sie Spar­dorfs Bür­ger­mei­ster Andre­as Wasie­lew­ski (SPD) dazu ver­pflich­ten, dass er als Bür­ger­mei­ster künf­tig wie­der die Rubrik „aus der Gemein­de­rats­sit­zung“ wie­der in das Amts­blatt auf­neh­me und aus Spar­dorf genau­so wie­der im Mit­tei­lungs­blatt über die Abstim­mungs­er­geb­nis­se der ein­zel­nen Gemein­de­rats­be­schlüs­se aus den Sit­zun­gen berich­tet wer­de, wie auch aus den ande­ren VG-Gemein­den. Der wie­der­um woll­te den Antrag sei­ner Mit­kon­kur­ren­tin bei den dies­jäh­ri­gen Kom­mu­nal­wah­len um das Amt des Bür­ger­mei­sters, aber so gar nicht hin­neh­men und erklär­te, dass die Ver­wal­tungs­ge­mein­schaft das „fal­sche Gre­mi­um“ für sol­che Anträ­ge sei, da man hier kei­ne Beschlüs­se über „die Köp­fe“ der Bür­ger­mei­ster hin­weg fas­sen kön­ne, sag­te ein vom Antrag von Herbst sicht­lich brüs­kier­ter „Rat­haus-Chef“. Utten­reuths Bür­ger­mei­ster Fre­de­ric Ruth sah für die Mit­tei­lungs­blät­ter der ein­zel­nen VG-Gemein­den die jewei­li­gen Bür­ger­mei­ster in der Ver­ant­wor­tung, sag­te aber auch, dass als Her­aus­ge­ber des VG-Mit­tei­lungs­blat­tes wie­der­um die Ver­wal­tungs­ge­mein­schaft zustän­dig sei.

Man­fred Scher­zer (CSU) aus Utten­reuth, sag­te, dass er eine ganz ande­re Sicht­wei­se hät­te. Was unter­schei­de die Jah­res­haupt­ver­samm­lung eines Sport­ver­eins von der Jah­res­haupt­ver­samm­lung einer Par­tei, stell­te er in die Run­de. Sei­ner Mei­nung nach dürf­ten sehr wohl poli­ti­sche Bericht­erstat­tun­gen – wie auch bei ande­ren Ver­ei­nen – ver­öf­fent­licht wer­den. Außer­dem pflich­te­te Scher­zer der Mei­nung von Wasie­lewk­si bei, dass die VG nicht über die Köp­fe der Bür­ger­mei­ster ent­schei­den kön­ne, wel­che Inhal­te in Mit­tei­lungs­blät­tern ver­öf­fent­licht wer­den dürf­ten und wel­che nicht. Noch bevor er sei­nen Geschäfts­ord­nungs­an­trag auf Ver­ta­gung des Tages­ord­nungs­punk­tes stel­len konn­te, kam ihm Fre­de­ric Ruth zuvor und stell­te – wegen der noch vie­len offe­nen Fra­gen – den Geschäfts­ord­nungs­an­trag zur Ver­ta­gung des The­mas. So kam es dann auch, auch wenn nach Ruths Antrag auch noch eini­ge Zeit wei­ter dis­ku­tiert wur­de. Am Ende wur­de der Tages­ord­nungs­punkt dann doch ver­tagt. Wie das Mit­tei­lungs­blatt der VG Utten­reuth und ihrer Mit­glieds­ge­mein­den zukünf­tig aus­se­hen wird, wird sich noch zeigen.

Die­ses The­ma wird zukünf­tig wahr­schein­lich noch in der einen oder ande­ren Sit­zung für aus­rei­chend Dis­kus­si­ons­stoff sor­gen und auch die Ver­ein­ba­rung von Regu­la­ri­en für künf­ti­ge Ver­öf­fent­li­chung in Mit­tei­lungs­blät­ter – mit BGH-kon­for­men Inhal­ten – wird kei­ne leich­te Auf­ga­be. Man darf gespannt sein, wie ande­re Gemein­den im Land­kreis Erlan­gen-Höchstadt mit dem BGH-Urteil und in wel­cher Form die Recht­spre­chung auch Ein­fluss auf ande­re Mit­tei­lungs­blät­ter haben wird, sag­te ein Gemein­schafts­mit­glied am Ran­de der Sit­zung. Alex­an­der Hitschfel

Info­ka­sten

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te mit Urteil vom 20.12.2018 ent­schie­den, dass „Jour­na­lis­mus Sache der Pres­se und nicht des Staa­tes sei“ und damit die dama­li­ge Kla­ge eines Zei­tungs­ver­la­ges bestä­tigt, wonach poli­ti­sche Bericht­erstat­tun­gen in gemeind­li­chen Amts- und Mit­tei­lungs­blät­tern nicht zu suchen hät­ten. Kurz zur Erläu­te­rung: Die Bür­ger in Crails­heim bekom­men das dor­ti­ge Stadt­blatt regel­mä­ßig kosten­los zuge­stellt. Inhal­te war hier auch immer wie­der all­ge­mei­ne Arti­kel über das Stadt­le­ben, wie Berich­te von Sport­er­eig­nis­sen oder Volks­fe­sten. Dage­gen war die Süd­west­pres­se, ein Zei­tungs­ver­lag gericht­lich vor­ge­gan­gen. Die Begrün­dung für die Kla­ge: „Jour­na­lis­mus ist Sache der Pres­se und nicht des Staa­tes“. Genau die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­te der Bun­des­ge­richts­hof und bestä­tig­te eben die­se Ansicht. Die Stadt Crails­heim wur­de also per BGH-Urteil dazu auf­ge­for­dert es zu unter­las­sen, das Stadt­blatt in die­ser Form zu ver­tei­len. Denn auch das Grund­ge­setz for­de­re, dass die Pres­se staats­fern sein müs­se. Der Staat dür­fe da nicht selbst Pres­se spie­len, begrün­de­ten damals die Rich­ter am BGH. „Infor­mie­ren über alles was die Stadt­ver­wal­tung betrifft – sei erlaubt“, so das höchst­rich­ter­li­che Urteil. Aber redak­tio­nel­le Arti­kel über Loka­les oder Sport – das sei Auf­ga­be der Zei­tun­gen, so die Rich­ter damals in ihrer Urteils­be­grün­dung. Das Urteil ist des höch­sten deut­schen Gerich­tes ist rechtskräftig.