“Kel­ler­zwei­klang” bekommt Wan­der­weg: Mit der Fle­der­maus vom Stei­ger­wald in die Haßberge

Zusam­men mit dem Fluss­pa­ra­dies Fran­ken und der Volks­kund­le­rin Bar­ba­ra Spies haben Bür­ger­mei­ste­rin Regi­na Wohl­part (Viereth-Trun­stadt) und Bür­ger­mei­ster Car­sten Jon­ei­tis (Ober­haid) nach dem Kel­ler­zwei­klang-Auf­takt im letz­ten Jahr auch die­ses Jahr wie­der eine kin­der­wa­gen­taug­li­che Wan­de­rung von Viereth durchs Main­tal nach Unter­haid orga­ni­siert. Im Mit­tel­punkt stand erneut die Fle­der­maus, die ihr Win­ter­quar­tier ger­ne in frän­ki­schen Bier­kel­lern bezieht. Die Anmel­de­li­sten hat­ten sich schnell gefüllt und so kamen am 16. Okto­ber 2020 vie­le Fami­li­en mit Kin­dern aber auch ande­re am The­ma Inter­es­sier­te zum Rat­haus in Viereth.

Bar­ba­ra Spies erzähl­te von der Brun­nen­stu­be als erster Was­ser­ver­sor­gung des Ortes und dem 2019 restau­rier­ten Berg­bräu­kel­ler. Fast alle nutz­ten dann die Mög­lich­keit, selbst in den Berg­bräu­kel­ler hin­ab­zu­stei­gen. Für die anschlie­ßen­de Wan­de­rung durchs Main­tal hat­te Anne Schmitt vom Fluss­pa­ra­dies Fran­ken unter­wegs eini­ge „Fle­der­mäu­se“ ver­steckt. Sobald die Main­brücke über­quert war, rann­ten die älte­ren Kin­der begei­stert vor­aus, um die näch­ste „Fle­der­maus“ zu fin­den. Dann wur­den jeweils deren Beson­der­hei­ten vor­ge­stellt. Da traf es sich gut, dass sogar ein ech­ter Fle­der­maus­ex­per­te dabei war. Er erzähl­te bei­spiels­wei­se, dass bei den Stett­fel­der Bag­ger­se­en im Herbst mit etwas Glück der Gro­ße Abend­seg­ler beob­ach­tet wer­den kann. Die­se größ­te hei­mi­sche Fle­der­maus­art ist qua­si der „Zug­vo­gel“ unter den Fle­der­mäu­sen. Sie legt sehr wei­te Strecken zwi­schen ihrem Som­mer- und Win­ter­quar­tier zurück und ist in der Däm­me­rung hoch am Him­mel unter­wegs. Die Fle­der­mäu­se, die abends im Zick-Zack-Flug quer durch den Gar­ten flit­zen, sind dage­gen meist Zwerg­fle­der­mäu­se. Die­se wie­gen nur so viel wie ein Stück Wür­fel­zucker. Jede Fle­der­maus­art ist auf eine bestimm­te Umge­bung spe­zia­li­siert: Im Main­tal zu Hau­se ist die Was­ser­fle­der­maus, die ihre Beu­te mit ihren ver­hält­nis­mä­ßig gro­ßen Füßen im Flug von der Was­ser­ober­flä­che schnap­pen kann.

Am Eingang zum Bergbräukeller in Viereth. Foto: Gemeinde Oberhaid.

Am Ein­gang zum Berg­bräu­kel­ler in Viereth. Foto: Gemein­de Oberhaid.

Unter­wegs gab es auch sonst viel zu ent­decken: an der Kanu­an­le­ge­stel­le durf­ten die Kin­der Schle­hen direkt vom Strauch pro­bie­ren und alle der Hör­ge­schich­te zur Schleu­se Viereth lau­schen. Die­se kann über ein neu mon­tier­tes Täfel­chen mit­tels QR-Code direkt von der soge­nann­ten „Klin­gen­den Land­kar­te“ (www​.klin​gen​de​-land​kar​te​.de) abge­ru­fen wer­den. Nach einen kur­zen Stopp am Spiel­platz in Unter­haid ging es dann wei­ter zum Ziel der Wan­de­rung: der histo­ri­schen Kel­ler­gas­se. Da die Fle­der­mäu­se auf­grund der mil­den Wit­te­rung ihr Win­ter­quar­tier noch nicht bezo­gen hat­ten, durf­te sogar der Fle­der­maus­kel­ler noch besich­tigt wer­den. Und als beson­de­ren Abschluss des herbst­li­chen Natur­er­leb­nis-Nach­mit­tags hat­te die DLRG Bamberg/​Gaustadt für jedes Kind ein Fle­der­maus-Bastel­set vor­be­rei­tet. Als Ersatz für das Fle­der­maus­schmin­ken, das lei­der dies­mal nicht statt­fin­den konnte.

Umriss der Bechsteinfledermaus. Grafik: Flussparadies Franken

Umriss der Bech­stein­fle­der­maus. Gra­fik: Fluss­pa­ra­dies Franken

Viel­leicht kann es zur Eröff­nung des Fle­der­maus­wan­der­wegs im kom­men­den Früh­jahr nach­ge­holt wer­den. Dann soll der Weg zwi­schen Viereth und Unter­haid mit einer Fle­der­maus als „Wan­der­we­ge­zei­chen“ mar­kiert sein, damit Schul­klas­sen oder Fami­li­en die vier Kilo­me­ter lan­ge Strecke vom Stei­ger­wald durchs Main­tal in die Haß­ber­ge eigen­stän­dig erkun­den kön­nen. Man­fred Sper­ber, Wan­der­we­ge­wart der Gemein­de Viereth-Trun­stadt, hat den Mate­ri­al­be­darf bereits ermit­telt. Der Umriss der Bech­stein­fle­der­maus mit ihren auf­fal­lend lan­gen Ohren soll das neue Wege­zei­chen werden.

Die Natur­park-Ran­ge­rin­nen Kat­ja Win­ter­ling (Haß­ber­ge) und Vere­na Kri­ti­kos (Stei­ger­wald), die bei der Wan­de­rung mit dabei waren und Aus­flugs­mög­lich­kei­ten in der Regi­on vor­stell­ten, fin­den es gut, dass mit die­sem Wan­der­weg die Ver­bin­dung zwi­schen ihren Gebie­ten gestärkt wird. Anne Schmitt hofft, dass mit dem Pro­jekt auch das Ver­ständ­nis dafür wächst, wie wich­tig fle­der­maus­freund­li­che Bau­ten und natur­na­he Wäl­der dafür sind, dass vie­le Fle­der­maus­ar­ten hier lang­fri­stig hei­misch blei­ben. Als Teil des euro­päi­schen Schutz­ge­biets­net­zes NATU­RA 2000 sind dabei die Main­tal­hän­ge um Viereth-Trun­stadt und Ober­haid sowie die Schleu­sen­halb­in­sel bei Viereth wich­ti­ge Bausteine.

Tipp: Wer selbst zur Fle­der­maus­ex­per­tin wer­den will, dem emp­fiehlt Anne Schmitt das neu gestar­tet Arten­ken­ner­pro­jekt der BN Kreis­grup­pe Bam­berg. Erwach­se­ne und Jugend­li­che 15 Jah­ren wer­den in der Bestim­mung von Tier- und Pflan­zen­ar­ten aus­ge­bil­det. Ein Kurs fin­det spe­zi­ell zum The­ma Fle­der­mäu­se statt https://​bam​berg​.bund​-natur​schutz​.de/​a​r​t​e​n​k​e​n​n​e​r​p​r​o​j​e​k​t​/​f​l​e​d​e​r​m​a​e​use