GEW Bay­ern: “Leh­rer am Limit – Ent­la­stung jetzt sofort!”

Symbolbild Bildung

Für heu­te, 4. 11. lud die Staats­kanz­lei erneut zum Schul­gip­fel. Und mitt­ler­wei­le sind sich die Leh­rer­ver­bän­de, die Eltern­ver­bän­de und auch der Lan­des­schü­ler­rat der Gym­na­si­en mit der GEW einig: an den Schu­len fehlt es an einem trag­fä­hi­gen Kon­zept mit der Coro­na-Kri­se umzu­ge­hen. Ein­ge­la­den sind jedoch nicht alle Tei­le der Schulgemeinschaft.

Die GEW hat­te schon sehr früh Beden­ken geäu­ßert und die jet­zi­gen Zustän­de vor­aus­ge­sagt sowie alter­na­ti­ve Ansät­ze vor­ge­schla­gen. Den­noch wird sie als die Bil­dungs­ge­werk­schaft im DGB mit 280.000 Mit­glie­dern deutsch­land­weit nicht ein­mal ange­hört und wie schon beim letz­ten Schul­gip­fel nicht betei­ligt, obwohl der Kul­tus­mi­ni­ster nicht müde wird zu beto­nen, dass „alle Mit­glie­der der Schul­fa­mi­lie“ ange­hört wurden.

Dazu Mar­ti­na Bor­genda­le, stell­ver­tre­ten­de GEW-Vor­sit­zen­de: „Mitt­ler­wei­le bro­delt es bei allen Betei­lig­ten und es lan­den immer mehr Brand­brie­fe im Kul­tus­mi­ni­ste­ri­um. Schüler*innen, Eltern und Lehr­kräf­te schla­gen Alarm und sind sich einig: es läuft über­haupt nicht mehr rund an den Schu­len im Freistaat.“

Das schon zum Ende der Som­mer­fe­ri­en deut­lich auf­ge­weich­te Stu­fen­mo­dell wird an den mei­sten Orten in Bay­ern nicht umge­setzt. Eigent­lich soll­ten ab einer Inzi­denz von 50 die Klas­sen geteilt wer­den. Dies geschieht aber nur sehr ver­ein­zelt. Obwohl nur noch weni­ge Land­krei­se und kreis­freie Städ­te unter 100 lie­gen. Der Gesund­heits­schutz aller Betei­lig­ten wird an den Schu­len so wenig beach­tet wie sonst kaum irgend­wo. Vom Frei­staat wur­de zwar Geld für Luft­rei­ni­gungs­ge­rä­te zur Ver­fü­gung gestellt, die Kom­mu­nen schaf­fen die Gerä­te aber nur sehr zöger­lich an.

In einer baye­ri­schen Groß­stadt war das Gesund­heits­amt bereits vor den Herbst­fe­ri­en schon so über­la­stet, dass die Schul­lei­tung die Lehr­kräf­te einer Klas­se in Qua­ran­tä­ne schick­te. Nur um dann drei Tage spä­ter wie­der anzu­ru­fen, ob sie nicht doch in die Schu­le kom­men könn­ten, weil bereits so vie­le Lehr­kräf­te feh­len. An ande­ren Schu­len stu­fen Gesund­heits­äm­ter Lehr­kräf­te gene­rell nicht als Kon­takt­per­son eins ein und nur die Schüler*innen gehen in Qua­ran­tä­ne. Es kann nicht sein, dass die Coro­na-Bekämp­fung an den Schu­len inkon­se­quent umge­setzt wird, nur weil man ein System künst­lich am Lau­fen hal­ten will, das in Wahr­heit bereits zusam­men­ge­bro­chen ist.

Die Kol­le­gi­en sind bereits aus­ge­dünnt, Kolleg*innen feh­len wegen Beschäf­ti­gungs­ver­bot in der Schwan­ger­schaft, Lehr­kräf­te sind in Qua­ran­tä­ne und auch eini­ge (weni­ge) gehö­ren einer Risi­ko­grup­pe an und unter­rich­ten im Home­of­fice zusam­men mit einer Teamlehrkraft.

„Mit die­ser per­so­nel­len Aus­stat­tung sol­len sie dann unter regel­mä­ßi­gen „Lüf­tungs­pau­sen“ den Stoff des ver­gan­ge­nen Schul­jah­res nach­ho­len und den neu­en Stoff durch­neh­men. Und, wie ihnen in den Schu­len gesagt wur­de, mög­lichst schnell Noten machen, falls wie­der eine Schlie­ßung fol­ge“, so Bor­genda­le wei­ter. „Dies ist weder human noch päd­ago­gisch sinn­voll mit Kin­dern und Jugend­li­chen, die in die­ser Kri­se selbst eini­ges zu ver­ar­bei­ten haben. Statt­des­sen müss­ten Lehr­plä­ne und Stun­den­ta­feln unbe­dingt vor­über­ge­hend redu­ziert werden.“

Der GEW Lan­des­vor­sit­zen­de Anton Salz­brunn ergänzt: „Um die Chan­cen­un­gleich­heit in der Bil­dung nicht noch wei­ter zu ver­schär­fen, wäre es drin­gend not­wen­dig gewe­sen, benach­tei­lig­te Kin­der aus sozi­al schlecht gestell­ten Eltern­häu­sern ohne Angst und Noten­druck zu för­dern. Beson­ders die­se Kin­der haben wäh­rend den Schul­schlie­ßun­gen oft den Anschluss verpasst.“

Auch beim The­ma Digi­ta­li­sie­rung sieht es nicht bes­ser aus. Die Lizenz für Win­dows Teams an den staat­li­chen Schu­len läuft Ende Dezem­ber aus und es weiß noch nie­mand, wie es danach wei­ter­ge­hen soll. Und noch immer fehlt es an Leih­ge­rä­ten für alle Schüler*innen, die Bedarf haben.

Die GEW unter­stützt grund­sätz­lich das Ansin­nen, einen Prä­senz­un­ter­richt so lan­ge wie mög­lich auf­recht zu erhal­ten. Es müs­sen dann aber trag­fä­hi­ge und beson­ders rea­li­sti­sche Kon­zep­te da sein, die an den Schu­len vor Ort auch umge­setzt wer­den kön­nen. Da der Mini­ster­prä­si­dent Söder die GEW heu­te beim Schul­gip­fel nicht zu Wort kom­men lässt, laden wir ihn zum Stu­di­um unse­rer letz­ten Pres­se­mit­tei­lun­gen ein und sind auch in Zukunft gesprächsbereit.