Ein­bre­cher abschrecken – Tipps und Tricks von der Kriminalpolizei

Symbol-Bild Tipps & Tricks

„Löcher in den Mauern“

OBER­FRAN­KEN. Eine dich­te Hecke. Im offe­nen Schup­pen steht ein Spa­ten. Die Fen­ster sind 40 Jah­re alt. „Das hier sind para­die­si­sche Zustän­de für einen Ein­bre­cher“, sagt Rai­ner Peter­son zu den halb­wegs ent­setzt drein­blicken­den Haus­be­sit­zern. Peter­son ist Poli­zist. Eine sei­ner Auf­ga­ben ist es, Haus­be­sit­zer zu bera­ten. Das gan­ze Jahr über – nicht nur am kom­men­den Sonn­tag, 25. Okto­ber, dem dies­jäh­ri­gen Tag des Einbruchschutzes.

Wohn­haus oder Festung: „Letzt­lich geht es beim The­ma Ein­bruch­schutz immer um Löcher in der Mau­er, also Fen­ster und Türen“, sagt der Fach­mann für Ein­bruch­schutz und begut­ach­tet mit kri­ti­schem Blick die alten Holz­fen­ster des Hau­ses: „Hier wäre ein Ein­bre­cher in 15 Sekun­den drin.“ Sein Tipp: Auf­schraub­ba­re Nach­rüst­si­che­run­gen, die sich hin­ter der Gar­di­ne ver­ber­gen las­sen. Das wäre eine schnel­le und rela­tiv preis­gün­sti­ge Hil­fe und vor allem bei Fen­stern, die nicht regel­mä­ßig geöff­net wer­den müs­sen, gut geeig­net. „Ich bin grund­sätz­lich ein Freund von Mecha­nik“, sagt Peter­son: Sogar Git­ter sind bei dau­er­ge­kipp­ten Fen­stern wie der Gäste­toi­let­te auch heu­te noch eine gute Alter­na­ti­ve. Auch Vor­le­ge­stan­gen sei­en eine alt­her­ge­brach­te aber nach wie vor wirk­sa­me Opti­on, um zum Bei­spiel Kel­ler­au­ßen­tü­ren zu sichern.

Ein­bruch­hem­mung statt Ein­bruch­ver­hin­de­rung: Da ein Ein­bre­cher vor­her nahe­zu nie weiß, ob sich der Auf­wand lohnt, wählt er in der Regel nur ein­fa­che Wege, erklärt Peter­son. Wenn der Täter wahr­nimmt, dass ein ver­meint­lich ein­fach zu öff­nen­des Fen­ster zusätz­lich gesi­chert ist, lässt er im Zwei­fel lie­ber davon ab. „Hier gilt es, auf dem schma­len Grat zwi­schen Sicher­heit und Kom­fort jeweils eine gute und indi­vi­du­el­le Lösung zu fin­den“, sagt der Exper­te. Häu­fig genutz­te Fen­ster brau­chen hin­ge­gen eine ande­re – und meist teu­re­re – Lösung. Erster wich­ti­ger Schritt sind abschließ­ba­re Grif­fe und eine wei­te­re zusätz­li­che Ver­rie­ge­lung an der Gegen­sei­te. Beson­ders wich­tig sei dies bei Ter­ras­sen­tü­ren. „Ein­bre­chers Lieb­ling“, sagt Peter­son dazu – weil sich das Die­bes­gut so bequem hin­aus­tra­gen lässt.

Haus­bau oder Nach­rü­sten: Die vier ober­frän­ki­schen Fach­be­ra­ter bera­ten ger­ne und auch schon wäh­rend der Bau­pla­nung. Bei Neu­bau­ten wer­de heu­te häu­fig auf viel Elek­tro­nik gesetzt – es gilt aber auf eine gute Mischung zu ach­ten, betont Peter­son. Die spe­zi­ell geschul­ten Poli­zi­sten sind aber genau­so Exper­ten für das Nach­rü­sten und des­sen Finan­zie­rung – denn nach­träg­lich ein­zu­bau­en­der Ein­bruch­schutz kann je nach Auf­wand ins Geld gehen. So gebe es gün­sti­ge Mög­lich­kei­ten über die Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau, erklärt Peterson.

Rich­tig oder falsch: Sehr viel aus­rich­ten kann bereits rich­ti­ges Ver­hal­ten, sagt Peter­son. „Ein gekipp­tes Fen­ster ist ein offe­nes Fen­ster“ – die­se alte Poli­zi­sten­weis­heit gel­te nach wie vor. Haus­tü­ren müs­sen nicht nur zuge­zo­gen, son­dern abge­sperrt wer­den und Roll­lä­den run­ter­ge­las­sen. Hilf­reich sei auch, Büsche und Hecken im Herbst zu beschnei­den, denn sie bie­ten poten­zi­el­len Ein­bre­chern guten Sicht­schutz. Eine abschrecken­de Wir­kung habe zudem Licht im Haus. Es geht dabei vor allem um die Pha­se zwi­schen Däm­me­rung und Schla­fens­zeit, in den kom­men­den Wochen also zwi­schen etwa 17 und 22 Uhr. Es brau­che dafür aller­dings kei­nen Zufalls­ge­ne­ra­tor. „Denn Ein­bre­cher obser­vie­ren nicht“, sagt Peter­son. „Das Licht muss ein­fach nur an und das Gan­ze ein biss­chen glaub­haft sein.“

Ein­fa­che Tipps für mehr Sicherheit

  • Wenn Sie Ihr Haus oder die Woh­nung ver­las­sen – auch nur für kur­ze Zeit – sper­ren Sie unbe­dingt Ihre Haus­tür ab.
  • Ver­schlie­ßen Sie immer Fen­ster, Bal­kon- und Ter­ras­sen­tü­ren. Gekipp­te Fen­ster sind kein Hindernis.
  • Erhö­hen Sie das Ent­deckungs­ri­si­ko, bei­spiels­wei­se durch gute Beleuch­tung mit Hil­fe von Bewegungsmeldern.
  • Wenn Sie Ihren Schlüs­sel ver­lie­ren, wech­seln Sie den Schließ­zy­lin­der aus.
  • Geben Sie auf ihrem Anruf­be­ant­wor­ter oder in sozia­len Medi­en kei­ne Hin­wei­se auf Ihre Abwesenheit.
  • Betreu­en Sie die Woh­nung län­ger abwe­sen­der Nach­barn und erwecken dort einen bewohn­ten Ein­druck, indem Sie bei­spiels­wei­se den Brief­ka­sten lee­ren oder die Roll­lä­den zur Nacht­zeit schließen.
  • Ach­ten Sie auf Frem­de in Ihrer Wohn­an­la­ge oder auf dem Nachbargrundstück.
  • Notie­ren Sie sich Kenn­zei­chen und Beschrei­bun­gen ver­däch­ti­ger Autos und Personen.
  • Infor­mie­ren Sie bei ver­däch­ti­gen Beob­ach­tun­gen sofort die Poli­zei und auch ihre Nachbarn!

Hin­ter­grund:

Die Zahl der Woh­nungs­ein­bruch­dieb­stäh­le in Ober­fran­ken geht seit dem Jahr 2017 zurück. Damals wur­den 417 Fäl­le gezählt, im Jahr 2018 waren es 315, im ver­gan­ge­nen Jahr 214. „Dies ist viel­leicht auch auf den ver­bes­ser­ten Ein­bruch­schutz zurück­zu­füh­ren“, sagt Peter­son. „Genau lässt sich Prä­ven­ti­ons­ar­beit aller­dings nie mes­sen.“ Loh­nens­wert sei sie aber in jedem Fall: Denn ein Woh­nungs­ein­bruch geht über den mate­ri­el­len Scha­den oft hin­aus. „Es gibt Men­schen, die müs­sen irgend­wann ihr Haus ver­kau­fen, weil sie nicht ver­kraf­ten, dass jemand Frem­des ein­ge­drun­gen ist“, erzählt der Fachberater.

Sich mit dem The­ma zu beschäf­ti­gen lohnt sich – der „Tag des Ein­bruch­schut­zes“, jähr­lich am Tag der Zeit­um­stel­lung, kann dafür ein guter Anlass sein. Unter dem Mot­to „Eine Stun­de für mehr Sicher­heit“ regt die Poli­zei dazu an, sich rund um den Ein­bruch­schutz und die Sicher­heits­emp­feh­lun­gen zu infor­mie­ren. Die kri­mi­nal­po­li­zei­li­chen Bera­tungs­stel­len hel­fen dabei.

Ihre regio­na­len Ansprech­part­ner fin­den Sie unter https://​www​.poli​zei​.bay​ern​.de/​s​c​h​u​e​t​z​e​n​v​o​r​b​e​u​g​e​n​/​b​e​r​a​t​u​n​g​/​a​d​r​e​s​s​e​n​/​i​n​d​e​x​.​h​t​m​l​/​725

All­ge­mei­ne Sicher­heits­tipps gibt es auf der Inter­net­sei­te https://www.k‑einbruch.de/sicherheitstipps/