Natur­schutz­ver­band LBV hält erste Online-Dele­gier­ten­ver­samm­lung in 111 Jah­ren

LBV fei­ert erfolg­rei­ches Debut einer lan­des­wei­ten vir­tu­el­len Jah­res­haupt­ver­samm­lung – Wis­sen­schaft auch bei Zwil­lings­kri­se wich­tig

Zum ersten Mal in sei­ner 111-jäh­ri­gen Geschich­te hat der Natur­schutz­ver­band LBV sei­ne jähr­li­che Dele­gier­ten­ver­samm­lung vir­tu­ell durch­ge­führt. Die ursprüng­lich an die­sem Tag mit über 300 Teilnehmer*innen aus ganz Bay­ern in Strau­bing geplan­te Ver­an­stal­tung hat­te der LBV bereits vor meh­re­ren Wochen auf­grund der unsi­che­ren Ent­wick­lun­gen durch die Coro­na-Pan­de­mie zu einer digi­ta­len Ver­an­stal­tung umge­wan­delt. An der vir­tu­el­len Jah­res­haupt­ver­samm­lung nah­men nun rund 250 Dele­gier­te und Gäste teil. In sei­nem Rechen­schafts­be­richt beton­te der LBV-Vor­sit­zen­de Dr. Nor­bert Schäf­fer unter ande­rem, wie wich­tig es sei, auch zur Bewäl­ti­gung ande­rer Kri­sen zukünf­tig auf die Wis­sen­schaft zu hören: „Wir fol­gen den Wissenschaftler*innen zurecht in der Coro­na-Pan­de­mie, doch beim Arten­ster­ben und der Kli­ma­kri­se igno­rie­ren wir sie. War­um kön­nen wir nicht auch beim Kampf gegen die­se Zwil­lings­kri­se sinn­vol­le Maß­nah­men akzep­tie­ren?“

Neben neu­en digi­ta­len Lösun­gen hat die Coro­na-Pan­de­mie auch gezeigt, wie sinn­voll und ziel­füh­rend es ist, sich in Kri­sen­zei­ten auf die Ein­schät­zung von Wissenschaftler*innen zu ver­las­sen. Die­ses Ver­trau­en in die Wis­sen­schaft soll­te nicht nur in der Pan­de­mie erfol­gen, son­dern auch auf die Zwil­lings­kri­se von Arten­ster­ben und Kli­ma­wan­del über­tra­gen wer­den. „Einen Impf­stoff gegen das Coro­na-Virus wird es irgend­wann geben. Einen Impf­stoff gegen die Kli­ma- und Bio­di­ver­si­täts­kri­se wer­den wir jedoch nie bekom­men“, sagt der LBV-Vor­sit­zen­de. „Wir haben in die­ser Kri­se gelernt, Ver­hal­tens­re­geln zu akzep­tie­ren und zu schät­zen. Des­halb brau­chen wir so schnell wie mög­lich auch im Natur- und Arten­schutz end­lich ver­bind­li­che Regeln.“ Stren­ge­re Regeln for­der­te Schäf­fer auch im Umgang mit dem täg­li­chen Flä­chen­ver­brauch in Bay­ern. Er warf der Staats­re­gie­rung in die­sem Punkt ein­deu­ti­ges Ver­sa­gen vor, bei ihrem Ver­such, die­sen ein­zu­däm­men. „Mit 10,8 Hekt­ar pro Tag im Jahr 2019 blieb die Poli­tik klar unter ihrer Ziel­vor­ga­be aus dem Koali­ti­ons­ver­trag von fünf Hekt­ar.“

Das Jahr im Zei­chen der Coro­na-Pan­de­mie bedeu­te­te für den LBV, neue Wege als Natur­schutz­ver­band zu gehen. „Uns war schnell bewusst, dass unse­re Rol­le in die­ser Kri­sen­zeit dar­in besteht, eine Brücke zwi­schen den Men­schen zuhau­se und der Natur vor ihrer Haus­tü­re zu bau­en“, betont der LBV-Vor­sit­zen­de. Der LBV ent­warf des­halb auch gezielt Ange­bo­te für Fami­li­en. Dar­über hin­aus zeig­te sich das gro­ße Inter­es­se an der baye­ri­schen Natur an über 25.500 natur­be­gei­ster­ten Teilnehmer*innen an der Stun­de der Gar­ten­vö­gel. 1.000 Mel­dun­gen von gesich­te­ten Wie­de­hop­fen in Bay­ern über­wäl­tig­ten die Artenschützer*innen gera­de­zu. „Gera­de in Kri­sen­zei­ten schau­en die Men­schen genau­er hin, was in ihren Gär­ten fliegt. Wir wis­sen und kön­nen wis­sen­schaft­lich bele­gen, dass Vogel­be­ob­ach­tung und Natur­er­leb­nis­se die Men­schen ein Stück glück­li­cher machen“, so Nor­bert Schäf­fer.

Ein Jahr nach dem erfolg­rei­chen Volks­be­geh­ren Arten­viel­falt wird der LBV auch 2021 und dar­über hin­aus auf die Umset­zung der neu­en Geset­ze durch die baye­ri­sche Regie­rung ach­ten. „Wir wer­den ganz genau hin­schau­en, ob der Wil­le der Bevöl­ke­rung auch tat­säch­lich umge­setzt wird. Das Inter­es­se der Men­schen an einem bes­se­ren Schutz der baye­ri­schen Natur hat nicht nach­ge­las­sen“, betont Schäf­fer. Da die­ser beim Streu­obst­schutz bereits aus­ge­he­belt wur­de, blieb dem LBV kei­ne ande­re Wahl als Anfang August gegen die neue Ver­ord­nung zu kla­gen.

LBV-Erfol­ge für Bay­erns Natur 2020

Seit 111 Jah­ren enga­giert sich der LBV für den Natur­schutz und die Umwelt­bil­dung vor Ort im Frei­staat. Der älte­ste baye­ri­sche Natur­schutz­ver­band zählt weit über 100.000 Unterstützer*innen. Die meh­re­ren tau­send akti­ven LBV-Mit­glie­der lei­sten pro Jahr vie­le hun­dert­tau­send Stun­den ehren­amt­li­che Arbeit für den Natur­schutz in Bay­ern. Dank die­sem ehren­amt­li­chen Enga­ge­ment hat sich bei­spiels­wei­se der Bestand der Wie­sen­wei­he in den letz­ten 20 Jah­re ver­drei­facht. Auch konn­ten die­ses Jahr zum ersten Mal über 700 Weiß­stor­chen­paa­re ver­zeich­net wer­den.

Zur LBV-Dele­gier­ten­ver­samm­lung

Die Dele­gier­ten­ver­samm­lung ist das Par­la­ment des LBV und tagt ein­mal jähr­lich. 72 Kreis­grup­pen ent­sen­den gewähl­te Vertreter*innen, wel­che die gro­ße Linie des Ver­bands dis­ku­tie­ren und inhalt­li­che Schwer­punk­te set­zen.