Fol­ge des Kli­ma­wan­dels: Der Bam­ber­ger Hain lich­tet sich

Klimareferent Bürgermeister Jonas Glüsenkamp machte sich ein Bild von der dramatischen Situation. Foto: Amt für Bürgerbeteiligung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Steffen Schützwohl
Klimareferent Bürgermeister Jonas Glüsenkamp machte sich ein Bild von der dramatischen Situation. Foto: Amt für Bürgerbeteiligung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Steffen Schützwohl

Baum­schä­den als Fol­ge des Kli­ma­wan­dels neh­men immer wei­ter zu

Auf über 30 Meter Höhe kann der Hubsteiger zur Begutachtung der Baumkronen ausgefahren werden. Foto:  Amt für Bürgerbeteiligung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Steffen Schützwohl

Auf über 30 Meter Höhe kann der Hub­stei­ger zur Begut­ach­tung der Baum­kro­nen aus­ge­fah­ren wer­den. Foto: Stadt Bam­berg / Stef­fen Schütz­wohl

Auf exakt 32,5 Meter Höhe fährt der Hub­stei­ger im Bam­ber­ger Hain zwi­schen Hain­brücke und Boots­haus hoch und was sich von dort oben aus in sei­nem gan­zen Aus­maß offen­bart, ist nicht gut: Der Hain lich­tet sich und das immer schnel­ler. Selbst Bäu­me, die vom Boden aus betrach­tet noch recht grün aus­se­hen, tra­gen in der Baum­kro­ne zum Teil nur noch tote Äste. Unmit­tel­ba­re Fol­ge: Im Win­ter­halb­jahr müs­sen im Hain aus Ver­kehrs­si­che­rungs­grün­den rund 70 Bäu­me gefällt und bei etwa 60 Bäu­men eine Kro­nen­ein­kür­zung durch­ge­führt wer­den.

„Die Anzahl der geschä­dig­ten und schwer geschä­dig­ten Bäu­me im Hain und im Stadt­ge­biet nahm auch im Jahr 2020 wei­ter­hin zu“, berich­tet Gar­ten­amts­lei­ter Robert Neu­berth. Im gesam­ten Stadt­ge­biet müs­sen heu­er an die 260 Bäu­me gefällt wer­den. Davon sind 106 Bäu­me zumeist auf­grund der Trocken­heit vor­zei­tig abge­stor­ben. Als Haupt­grund nennt der Fach­mann den Trocken- und Hit­ze­s­tress, unter dem die Bäu­me bereits im drit­ten Som­mer in Fol­ge lei­den. Neu­berth: „Im Hain ist dabei vor allem der Alt­baum­be­stand der Rot-Buchen betrof­fen. Aber auch vor­ge­schä­dig­te Eschen, Ahorn und Hain-Buchen bekom­men zuse­hends Schwie­rig­kei­ten.“

An dieser Buche mit aufgerissener Rinde hat sich der Spaltblättling-Pilz ausgebreitet. Für den Baum bedeutet dies das Todesurteil. Foto: Amt für Bürgerbeteiligung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Steffen Schützwohl

An die­ser Buche mit auf­ge­ris­se­ner Rin­de hat sich der Spalt­blätt­ling-Pilz aus­ge­brei­tet. Für den Baum bedeu­tet dies das Todes­ur­teil. Foto: Stadt Bam­berg / Stef­fen Schütz­wohl

Beim Vor-Ort-Ter­min im Hain mach­te sich auch Kli­ma­re­fe­rent Bür­ger­mei­ster Jonas Glü­sen­kamp ein Bild von der dra­ma­ti­schen Situa­ti­on. „Der Kli­ma­wan­del ist nicht Zukunft, son­dern ist heu­te in Bam­bergs grü­ner Stu­be, im Hain. sicht­bar.“ Dabei ist eine Art Ket­ten­re­ak­ti­on fest­zu­stel­len: Die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ent­stan­de­nen Lücken im Baum­be­stand haben zur Fol­ge, dass die zuvor beschat­te­ten glat­ten Stäm­me und Äste der Buchen nun der pral­len Son­ne aus­ge­setzt sind. Die Stäm­me wer­den durch die inten­si­ve Son­nen­ein­strah­lung geschä­digt. Es bil­den sich oft soge­nann­te „Son­nen­brand-Rin­den­ne­kro­sen“. Die­se vor­ge­schä­dig­ten Stäm­me wer­den dann wie­der­um durch holz­brü­ten­de Insek­ten oder Pil­ze befal­len, ster­ben ab – und die Lücken im Hain wer­den noch grö­ßer.

Von unten grün, aber oben voller toter Äste: Etliche Bäume im Hain sehen nach drei Jahren Trockenheit so aus. Foto: Amt für Bürgerbeteiligung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Steffen Schützwohl

Von unten grün, aber oben vol­ler toter Äste: Etli­che Bäu­me im Hain sehen nach drei Jah­ren Trocken­heit so aus. Foto: Stadt Bam­berg / Stef­fen Schütz­wohl

Um den Baum­be­stand, vor allem in den fre­quen­tier­ten Wege­be­rei­chen, zu sichern, sind seit meh­re­ren Wochen meist zwei gro­ße Hub­stei­ger mit jeweils zwei Baum­pfle­gern des Gar­ten­am­tes im Ein­satz. Dabei wird nicht nur das gefähr­li­che Tot­holz ent­fernt, son­dern oft auch umfang­rei­che Kro­nen­schnitt­maß­nah­men durch­ge­führt, um wert­vol­le Alt­bäu­me mög­lichst lan­ge zu erhal­ten. Doch vie­le sind lei­der auch nicht mehr zu ret­ten. „Das Bild des Hains wird sich defi­ni­tiv ver­än­dern“, ist sich Robert Neu­berth sicher. Doch taten­los zuschau­en ist kei­ne Opti­on. So setzt die Stadt bei Neu­an­pflan­zun­gen im gesam­ten Stadt­ge­biet immer mehr auf soge­nann­te „Kli­ma­bäu­me“, also Arten, die mit den Kli­ma­ver­än­de­run­gen und ein­her­ge­hen­den Wet­ter­ex­tre­men bes­ser zurecht­kom­men. Dazu zäh­len vor allem Eichen und Lin­den oder die Ess­ka­sta­nie. Dabei setzt man auf ein­hei­mi­sches Pflanz­gut aus der eige­nen Baum­schu­le.

Spe­zi­ell im Hain wird auch die vor­han­de­ne Natur­ver­jün­gung gezielt unter­stützt und gesteu­ert. Einen Bei­trag dazu lei­sten zum Bei­spiel vier Zie­gen und drei Scha­fe: Der Bam­ber­ger Schä­fer Andre­as Walt­her hat in die­sem Som­mer im Auf­trag der Stadt Bam­berg die Tie­re in einem abge­grenz­ten Are­al ein­ge­stellt. Die Scha­fe und Zie­gen hal­ten auf die­sen Flä­chen den Auf­wuchs von Spit­zahorn und ande­ren Gewäch­sen zurück, die anson­sten die „gewünsch­ten“ Baum­ar­ten wie Eiche und Esche ver­drän­gen wür­den.