Fran­ken­wald wird auf­ge­for­stet – Start der von der Regie­rung ange­kün­dig­ten Kli­ma­wald-Kul­tu­ren

Baye­ri­sche Staats­for­sten star­ten pünkt­lich zur Pflanz­sai­son mit dem 30-Mil­lio­nen-Bäu­me-Pro­gramm für mehr Kli­ma­schutz

Schwer­punkt der neu­en Kli­ma­wald-Bäu­me im trocke­nen Fran­ken

Hauptbaumarten Klimawald Karte

Legen­de:
Ei – Eiche
Ta – Tan­ne
Dgl – Dou­gla­sie
EKa – Edel­ka­sta­nie
Lä – Lär­che

Pünkt­lich zur begin­nen­den Pflanz­sai­son im Herbst star­ten die Baye­ri­schen Staats­for­sten in die­sen Tagen mit der Pflan­zung und Saat der von der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung beschlos­se­nen Kli­ma­wald-Kul­tu­ren. „Über eine Mil­li­on zusätz­li­che Kli­ma­wald-Bäu­me wer­den wir noch im Herbst und Win­ter 2020 zur Bewäl­ti­gung des Kli­ma­wan­dels pflan­zen und säen“, so Mar­tin Neu­mey­er, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Baye­ri­schen Staats­for­sten. Ziel der zusätz­li­chen Kli­ma­wald-Bäu­me ist es, den Umbau der baye­ri­schen Wäl­der im Zuge des immer schnel­ler vor­an­schrei­ten­den Kli­ma­wan­dels hin zu kli­ma­to­le­ran­ten und sta­bi­len Misch­wäl­dern zu beschleu­ni­gen. Die Baye­ri­schen Staats­for­sten pflan­zen mit den neu­en Kli­ma­wald-Bäu­men ins­ge­samt rund 6 Mil­lio­nen jun­ge Bäu­me jähr­lich für den Zukunfts­wald von mor­gen. „Bis Ende 2024 wer­den wir 30 Mil­lio­nen neue Bäu­me im Staats­wald pflan­zen“, so Neu­mey­er wei­ter.

„Unser Ziel ist es, die­sen Umbau schnel­ler als bis­her geplant abzu­schlie­ßen: Bis 2030 wol­len wir im Baye­ri­schen Staats­wald den Wald­um­bau schaf­fen. Über die Hälf­te des Wald­um­baus ist schon erreicht. Jetzt müs­sen wir in den näch­sten 10 Jah­ren mit Hoch­druck noch ca. 85.000 Hekt­ar schaf­fen. Dabei hilft uns das Kli­ma­wald-Pro­gramm von Mini­ster­prä­si­dent Söder und Forst­mi­ni­ste­rin Kani­ber sehr“, so Staats­for­sten-Chef Neu­mey­er wei­ter. Auf­grund der not­wen­di­gen bei­hil­fe­recht­li­chen Prü­fung durch die EU und gün­sti­ge­rer Pflanz­be­din­gun­gen im Herbst erfolgt der Start der Kli­ma­wald-Pflan­zun­gen im Okto­ber.

Min­de­stens 4 Bäu­me als Ziel auf Bay­erns Staats­wald­flä­chen

Ent­schei­dend für den erfolg­rei­chen Wald­um­bau und die Zukunfts­fä­hig­keit des Wal­des für kom­men­de Genera­tio­nen ist es, die rich­ti­gen Baum­ar­ten ein­zu­set­zen, d.h. Baum­ar­ten zu nut­zen, die dem Kli­ma­wan­del – also höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren, mehr Trocken­heit, weni­ger Nie­der­schlä­gen – stand­hal­ten. Die hei­mi­schen Baum­ar­ten blei­ben dabei wei­ter­hin die tra­gen­de Basis eines kli­ma­ge­rech­ten Wald­baus. Hier wird es aller­dings eine Ver­schie­bung in der Baum­ar­ten­zu­sam­men­set­zung geben.

„Wir müs­sen auf bewähr­te Baum­ar­ten set­zen wie Tan­ne, Eiche, Dou­gla­sie, Buche – aber auch auf älte­re, oft in Ver­ges­sen­heit gera­te­ne Baum­ar­ten wie Els­bee­re, Flat­te­rul­me, Ess­ka­sta­nie, Kir­sche, Eibe, Feld­ahorn, Som­mer-/Win­ter­lin­de. Wir wer­den zu einer grö­ße­ren Viel­falt im Wald kom­men. Das bedeu­tet künf­tig min­de­stens 4 ver­schie­de­ne Baum­ar­ten auf einer Flä­che“, so BaySF-Wald­bau-Vor­stand Rein­hardt Neft. Ziel der Kli­ma­wald-Kul­tu­ren ist es, dass die neu­en Bäu­me deut­lich kli­ma­to­le­ran­ter sind als die­je­ni­gen, die ersetzt wer­den. Fich­ten und Kie­fern wer­den in Bay­erns Zukunfts­wäl­dern lang­fri­stig deut­lich weni­ger Antei­le haben als heu­te.

Ins­ge­samt wer­den in die­sem Herbst mehr als eine Mil­li­on neue Bäu­me auf 380 Hekt­ar Wald­flä­che zusätz­lich gepflanzt oder gesät, davon 86 Pro­zent Laub- und 14 Pro­zent Nadel­bäu­me. Abso­lu­ter Schwer­punkt wird in die­sem Herbst auf der Pflan­zung und der Saat von Eichen lie­gen (rd. 850.000 Stk.), die als tief­wurzeln­de hei­mi­sche Art in ganz Bay­ern eine sehr gün­sti­ge Kli­ma­pro­gno­se hat. Auch kön­nen die För­ste­rin­nen und För­ster in die­sem Jahr eine natür­li­che Eichen­mast – also eine star­ke Aus­bil­dung von Eicheln – als Saat­gut für den Zukunfts­wald nut­zen. Auch Weiß­tan­nen (rd. 100.000 Stk.), Buchen (rd. 100.000 Stk.) und Dou­gla­si­en (50.000 Stk.) spie­len eine wich­ti­ge Rol­le beim Wald­um­bau. Der Rest ver­teilt sich auf wei­te­re Baum­ar­ten wie Edel­ka­sta­nie, Els­bee­re, Kir­sche, Spit­zahorn, Eibe, Ulme und Wild­obst.

Schwer­punk­te bei den Kli­ma­wald-Kul­tu­ren

Der Kli­ma­wan­del wirkt sich in Bay­ern regio­nal unter­schied­lich aus. Schon heu­te zeigt sich, dass die Anzahl der Tage mit einer ein­ge­schränk­ten Was­ser­ver­sor­gung für die Wäl­der nörd­lich der Donau stär­ker ange­stie­gen ist als süd­lich der Donau. Trotz der Erwar­tung, dass es im All­ge­mei­nen wär­mer wird, muss wei­ter­hin mit kal­ten Win­tern und Spät­frö­sten gerech­net wer­den. Dies gilt ins­be­son­de­re für eini­ge Regio­nen in Süd­bay­ern. Dies muss bei der Baum­ar­ten­wahl berück­sich­tigt wer­den.

Nord­bay­ern: Bor­ken­kä­fer-Schad­flä­chen im Fran­ken­wald und Trocken­schä­den an Buchen und Kie­fern in ganz Fran­ken

Beson­ders hart durch Trocken­heit, Hit­ze und Bor­ken­kä­fer getrof­fen hat es in den letz­ten bei­den Jah­ren den Fran­ken­wald sowie Tei­le Ober‑, Unter- und Mit­tel­fran­kens. Um die Schad­flä­chen im Fran­ken­wald auf­zu­for­sten und die dort schwer geschä­dig­ten Fich­ten­be­stän­de umzu­bau­en, wer­den hier haupt­säch­lich Eichen und Tan­nen gepflanzt. Bei­de Baum­ar­ten zeich­nen sich durch eine deut­lich höhe­re Trocken­to­le­ranz sowie eine gerin­ge­re Schäd­lings­an­fäl­lig­keit aus.

Auch in ande­ren frän­ki­schen Lan­des­tei­len – bspw. im Spes­sart, der Frän­ki­schen Plat­te sowie in den Staats­wald­ge­bie­ten um Forch­heim und Peg­nitz – haben Trocken­heit und Hit­ze zu Schä­den an Fich­ten, Buchen und Kie­fern geführt. Neben der Eiche, Tan­ne und Dou­gla­sie wer­den hier auch sel­te­ne hei­mi­sche Baum­ar­ten wie Els­bee­re, Kir­sche und Edel­ka­sta­nie Teil der neu­en Kli­ma­wald-Kul­tu­ren sein.

Süd­bay­ern: Schnee­bruch-Schä­den in Berch­tes­ga­den und Schä­den des Sturms Sabi­ne im All­gäu

In Süd­bay­ern wer­den die Staats­wäl­der rund um den Forst­be­trieb Berch­tes­ga­den am stärk­sten durch die zusätz­li­chen Kli­ma­wald-Kul­tu­ren unter­stützt. Auf einer Flä­che von ins­ge­samt knapp 30 Hekt­ar pflan­zen die Forst­wir­tin­nen und Forst­wir­te der Baye­ri­schen Staats­for­sten in den kom­men­den Wochen vor allem Tan­ne, Buche und Eibe, um den durch einen Win­ter­sturm geschä­dig­ten Berg­wäl­dern zu hel­fen. Aber auch sel­te­ne, trocken­heits­to­le­ran­te Edel­laub­höl­zer wie Ulme, Som­mer- und Win­ter­lin­de wer­den ver­stärkt in den Boden ein­ge­bracht, um einen sta­bi­len und lei­stungs­fä­hi­gen Berg­misch­wald zu begrün­den. Anders als in Fran­ken wer­den hier Baum­ar­ten benö­tigt, die an das alpi­ne Kli­ma ange­passt sind.

Im durch den Febru­ar­sturm Sabi­ne schwer getrof­fe­nen Forst­be­trieb Sont­ho­fen im All­gäu spie­len neben den genann­ten Bäu­men zudem auch die Dou­gla­sie sowie Eiche und Kir­sche eine wich­ti­ge Rol­le.