So vie­le Men­schen im Kreis Kulm­bach arbei­ten zu Nied­rig­löh­nen

Arm trotz Arbeit: IG BAU kri­ti­siert Lohn-Drücke­rei

3.500 Voll­zeit-Beschäf­tig­te im Kreis Kulm­bach arbei­ten zum Nied­rig­lohn

40 Stun­den Arbeit pro Woche und trotz­dem bleibt es klamm im Porte­mon­naie: Aktu­ell arbei­ten im Land­kreis Kulm­bach 20 Pro­zent aller Voll­zeit-Beschäf­tig­ten im Nied­rig­lohn­sek­tor. Ins­ge­samt rund 3.500 Men­schen erzie­len trotz vol­ler Stun­den­zahl ein Ein­kom­men unter­halb der amt­li­chen Nied­rig­lohn­schwel­le von der­zeit 2.350 Euro brut­to im Monat (Wert für West­deutsch­land). Dar­auf hat die Gewerk­schaft IG BAU hin­ge­wie­sen. Die Zah­len gehen aus einer Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine Anfra­ge der Lin­ken-Frak­ti­on im Bun­des­tag her­vor.

„Dass selbst eine Voll­zeit­stel­le häu­fig nicht aus­reicht, um finan­zi­ell halb­wegs abge­si­chert zu sein, ist alar­mie­rend“, sagt Gerald Nick­las, Bezirks­vor­sit­zen­der der IG BAU Ober­fran­ken. In der Regi­on zähl­ten unter ande­rem die Land­wirt­schaft, die Gebäu­de­rei­ni­gung und die Flo­ri­stik zu den Bran­chen, in denen beson­ders wenig gezahlt wer­de. Grund dafür sei auch die schwin­den­de Tarif­bin­dung. „Je mehr Fir­men aus Tarif­ver­trä­gen aus­stei­gen, desto schlech­te­re Kar­ten haben die Beschäf­tig­ten. Es droht eine immer tie­fe­re Spal­tung des Arbeits­mark­tes“, warnt Nick­las. Die­se wer­de durch die Coro­na-Pan­de­mie teils ver­schärft: Beschäf­tig­te im Hand­werk könn­ten nur sel­ten Home­of­fice machen. Wegen hoher Mie­ten in den Städ­ten müss­ten sie zudem oft wei­te Pen­del­we­ge in Kauf neh­men.

Der Gewerk­schaf­ter ruft die Unter­neh­men im Land­kreis dazu auf, sich zu Mit­be­stim­mung und Tarif­au­to­no­mie zu beken­nen: „Die Sozi­al­part­ner­schaft ist ein Erfolgs­mo­dell, das den Beschäf­tig­ten – und den Betrie­ben – über Jahr­zehn­te wach­sen­den Wohl­stand beschert hat.

Sie darf nicht unter die Räder kom­men.“ Nach Unter­su­chun­gen der Hans-Böck­ler-Stif­tung pro­fi­tie­ren davon auch die Fir­men. In tarif­ge­bun­de­nen Unter­neh­men stei­ge die Pro­duk­ti­vi­tät, Mit­ar­bei­ter sei­en moti­vier­ter.

„Aber auch die Poli­tik ist am Zug. Sie soll­te mehr für die Tarif­bin­dung tun“, erklärt Nick­las und nennt das Bei­spiel des Maler- und Lackie­rer­hand­werks: Dort haben Gesel­len Anspruch auf einen tarif­li­chen Min­dest­lohn von 13,50 Euro pro Stun­de. Die­se Lohn­un­ter­gren­ze wur­de von der Poli­tik für die gan­ze Bran­che zur Pflicht gemacht. Zum Ver­gleich: Der gesetz­li­che Min­dest­lohn liegt aktu­ell bei 9,35 Euro pro Stun­de.

„Klar ist aber auch: Je mehr Men­schen sich in den Gewerk­schaf­ten enga­gie­ren, desto mehr lässt sich gegen­über den Arbeit­ge­bern her­aus­ho­len“, so Nick­las.