„Freg­ger“ ist das Ober­frän­ki­sche Wort des Jah­res 2020

Symbol-Bild Heimatkunde / Franken

Auch in die­sem Jahr hat­te es die Jury nicht leicht, aus über 2000 Ein­sen­dun­gen das Ober­frän­ki­sche Wort des Jah­res 2020 zu küren. Am Ende ent­schied sich das fünf­köp­fi­ge Team ein­stim­mig für „Freg­ger“. Das Dia­lekt­wort ist in ganz Fran­ken ver­brei­tet und beson­ders beliebt in Ober­fran­ken. „Freg­ger“ bezeich­net einen gewitz­ten Men­schen oder ein fre­ches, aber durch­aus sym­pa­thi­sches Kind. Die damit ein­her­ge­hen­den ver­schie­de­nen Bedeu­tun­gen und Rede­wen­dun­gen sowie der Wortur­sprung über­zeug­ten die Jury.

Auch Bezirks­tags­prä­si­dent Hen­ry Schramm ist sehr zufrie­den mit dem Nach­fol­ger von „Stern­laschmei­ßer“: „Jeder Ober­fran­ke kennt unser Sie­ger­wort. Wer hat nicht schon mal sowas gesagt wie ´A eelän­der Freg­ger´ oder ´Des is su a Freg­ger!´. Der Aus­druck galt schon die letz­ten Jah­re zu mei­nen Favo­ri­ten, weil ich die­sen per­sön­lich schon oft ver­wen­det habe. Mir gefällt das Wort sehr!“

Mehr als 500 neue Wör­ter wur­den allei­ne in die­sem Jahr bei der Kul­tur­Ser­vice­Stel­le des Bezirks Ober­fran­ken ein­ge­reicht. Ins­ge­samt stand der Jury eine Liste mit mehr als 2000 Wör­tern zur Ver­fü­gung. Die Jury, bestehend aus Bar­ba­ra Chri­stoph, Lei­te­rin der Kul­tur­Ser­vice­Stel­le des Bezirks Ober­fran­ken, Sabi­ne Knie­ling vom Medi­en­part­ner Extra-Radio aus Hof, PD Dr. Almut König vom Lehr­stuhl für Ger­ma­ni­sti­sche Sprach­wis­sen­schaft an der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Erlan­gen und Lei­ter des Bau­ern­hof­mu­se­ums Klein­los­nitz, Bert­ram Popp, beka­men die­ses Jahr mit Flo­ri­an Berg­mann dem Lei­ter des Prä­si­di­al­bü­ros und der Öffent­lich­keits­ar­beit des Bezirks Ober­fran­ken Zuwachs.

In der enge­ren Wahl zum sech­sten Ober­frän­ki­schen Wort des Jah­res stan­den die Wör­ter „dahamm bleim“ und „gefän­zig“. „Die Ent­schei­dung ist uns anfangs schwer­ge­fal­len, weil uns sehr vie­le neue Ein­sen­dun­gen erreicht haben. Beson­ders die vie­len krea­ti­ven Ein­rei­chun­gen für den Mund-Nasen-Schutz waren auf­fäl­lig und erstaun­lich. Wir freu­en uns über die gro­ße Reso­nanz und Begei­ste­rung, die die Ver­kün­dung des ober­frän­ki­schen Wor­tes jedes Jahr mit sich bringt“, erläu­tert die Lei­te­rin der Kul­tur­Ser­vice­Stel­le Bar­ba­ra Chri­stoph.

Zurück­zu­füh­ren ist das Wort „Freg­ger“ auf das stan­dard­deut­sche Verb „ver­recken“, einer salop­pen Bezeich­nung für „ster­ben“, an das die Endung ‑er ange­fügt wur­de, um eine Per­son zu bezeich­nen. Der Ursprung des Wor­tes ist den mei­sten Leu­ten, die das Wort gebrau­chen, gar nicht bewusst, da sich die Wort­be­deu­tung kom­plett ins Gegen­teil ver­än­dert hat und von einem nega­ti­ven Begriff „einer, der elend stirbt“ ins Posi­ti­ve „einer, der gewitzt und listig ist“ gewan­delt hat. Sprach­wis­sen­schaft­lich han­delt es sich also hier­bei um eine Bedeu­tungs­ver­bes­se­rung.

Da die Ver­kün­di­gung des Ober­frän­ki­schen Wort des Jah­res heu­er von Bezirks­tags­prä­si­dent Hen­ry Schramm online über­mit­telt wur­de, kann das Video jeder­zeit auf der Face­book-Sei­te des Bezirks Ober­fran­ken und in den Sto­ry-High­lights auf Insta­gram abge­ru­fen wer­den.

Zur Akti­on „Ober­fran­ken­wort des Jah­res“

2015 wur­de erst­mals das „Ober­frän­ki­sche Wort des Jah­res“ gekürt. Das Wort muss unse­ren Sprach­schatz berei­chern und das Gemein­te beson­ders tref­fend, ori­gi­nell oder prä­zi­se benen­nen. Das erste Sie­ger­wort war das „Wisch­käst­la“ – die frän­ki­sche Ver­si­on des Smart­pho­nes, die Rede­wen­dung „A weng weng“ folg­te. 2017 wur­de das Wort „Urigeln“ gekürt, für das es im Hoch­deut­schen kaum einen Begriff gibt und das Gefühl beschreibt, wenn die kal­ten Hän­de oder Füße lang­sam auf­tau­en und krib­beln. Dar­auf­hin wur­de 2018 „Der­schwit­zen“ pas­send zum extrem hei­ßen und lan­gen Som­mer zum Ober­frän­ki­schen Wort des Jah­res gewählt und letz­tes Jahr „Stern­laschmei­ßer“ – die bild­li­che Beschrei­bung der Wun­der­ker­ze. Die Sie­ger­wör­ter beleuch­te­ten bis­her immer einen ande­ren Aspekt der ober­frän­ki­schen Mund­art.