Forch­heim: “Tag der Pati­en­ten­si­cher­heit” am Kli­ni­kum Forch­heim

Tag der Pati­en­ten­si­cher­heit am Forch­hei­mer Kli­ni­kum / Foto: Micha­el Waas­ner

Forchheim/​Bielefeld/​Neumünster, 17.09.2020 – „Ein Pati­ent des Kli­ni­kums Bie­le­feld ist nach Ver­ab­rei­chung eines fal­schen Medi­ka­ments ver­stor­ben. Das Mit­tel, das der 26-jäh­ri­ge Mann bekom­men habe, sei gar nicht für ihn gedacht gewe­sen, son­dern für sei­nen krebs­kran­ken Zim­mer­nach­barn, sag­te ein Kran­ken­haus­spre­cher.“; „Sie soll­te die Kom­pres­si­ons­strümp­fe einer Pati­en­tin­wech­seln, doch statt­des­sen ver­ab­reich­te eine Pfle­ge­rin in Neu­mün­ster eine hohe Dosis Schmerz­mit­tel. Das hat­te töd­li­che Folgen.“Schlagzeilen wie die­se, die von Pati­en­ten­ver­wech­se­lun­gen han­deln, sind ein Hor­ror­sze­na­rio für jedes Kran­ken­haus.

„Im Gesund­heits­we­sen soll nie­mand geschä­digt wer­den!“ ist die Devi­se zum Tag der Pati­en­ten­si­cher­heit am 17. Sep­tem­ber 2020. In den Abend­stun­den wird der Ein­gangs­be­reich des Kli­ni­kums in Forch­heim oran­ge ange­strahlt. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on hat die­se Akti­on anläss­lich des ersten welt­wei­ten Pati­en­ten­ge­sund­heits­ta­ges am 17. Sep­tem­ber 2019 ins Leben geru­fen und zahl­rei­che Monu­men­te, wie die ägyp­ti­schen Pyra­mi­den von Gizeh, das könig­li­che Opern­haus in Oman oder Bhu­tans größ­te Bud­dha-Sta­tue Dor­den­ma, wur­den ange­strahlt, um die öffent­li­che Wahr­neh­mung für das The­ma Pati­en­ten­si­cher­heit zu stei­gern. Pati­en­ten­si­cher­heit beschreibt die Abwe­sen­heit uner­wünsch­ter Ereig­nis­se, dar­un­ter sind ver­meid­ba­re oder unver­meid­ba­re, schäd­li­che Vor­komm­nis­se zur ver­ste­hen, die eher auf der Behand­lung denn auf der Erkran­kung beru­hen. Pati­en­ten ein­be­zie­hen In die­sem Jahr liegt der Fokus auf der Ver­mei­dung von Pati­en­ten­ver­wech­se­lun­gen und Fehl­me­di­ka­ti­on. Die stell­ver­tre­ten­de Risi­ko­ma­na­ge­rin Kat­ja Seve­ra erläu­tert: „Wir wol­len auch unse­re Pati­en­ten ein­be­zie­hen und die­se zur akti­ven Ver­mei­dung von Ver­wechs­lun­gen ermun­tern.“ In einer Bro­schü­re wird erläu­tert: „Wun­dern Sie sich nicht, wenn Sie mehr­mals nach Ihrem Namen gefragt wer­den, z.B. vor Blut­ent­nah­men, Unter­su­chun­gen und Ope­ra­tio­nen. Akti­ves Nach­fra­gen durch unse­re Mit­ar­bei­ter erhöht Ihre Sicher­heit… Wenn Sie mei­nen, dass eine Ver­wechs­lung vor­lie­gen könn­te, äußern Sie bit­te umge­hend Ihre Beden­ken.“

Bar­codes und RFID-Chips hel­fen eine Ver­wech­se­lung nahe­zu aus­zu­schlie­ßen Gro­ße Erwar­tun­gen setzt Chef­arzt Dr. med. Ulrich von Hint­zen­stern, ver­ant­wort­lich für das Qua­li­täts­ma­nage­ment am Stand­ort Forch­heim, in die bal­di­ge Ein­füh­rung von Pati­en­ten­arm­bän­dern. Die­se gewähr­lei­sten eine schnel­le und effek­ti­ve Kon­trol­le der Iden­ti­tät des Pati­en­ten und spei­chern rele­van­te Behand­lungs­da­ten. „Mit­tels Bar­code oder RFID-Chip (RFID steht für Radio Fre­quen­cy Iden­ti­fi­ca­ti­on, engl. für Fun­k­er­ken­nung) und den dazu­ge­hö­ri­gen Lese­ge­rä­ten kann auch fest­ge­stellt wer­den, ob das rich­ti­ge Medi­ka­ment beim rich­ti­gen Pati­en­ten lan­det“, beschreibt der Anäs­the­sist die Tech­nik. Das erset­ze das Vier-Augen-Prin­zip bei der Zusam­men­stel­lung der Prä­pa­ra­te nicht, kön­ne es aber ergän­zen, sagt er.

Der Medi­ka­ti­ons­plan kann als Daten­satz hin­ter­legt wer­den und dem Pati­en­ten bei des­sen Ent­las­sung aus­ge­hän­digt wer­den Wech­sel von häus­li­cher zu kli­ni­scher Medi­ka­tion­Ei­ne wei­te­re Quel­le für uner­wünsch­te Ereig­nis­se ist eine Fehl­me­di­ka­ti­on durch den Wech­sel der häus­li­chen Medi­ka­ti­on bei sta­tio­nä­rer Auf­nah­me ins Kran­ken­haus. Die Pati­en­ten­bro­schü­re rät: „Bit­te geben Sie alle Medi­ka­men­te an, die Sie regel­mä­ßig ein­neh­men, auch wenn es sich um frei­ver­käuf­li­che, pflanz­li­che Arz­nei­en oder soge­nann­te Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel han­delt. Wäh­rend Ihres sta­tio­nä­ren Auf­ent­hal­tes erhal­ten Sie Ihre häus­li­che Medi­ka­ti­on durch uns. Daher ist es mög­lich, dass sich Tablet­ten in Aus­se­hen und Anzahl zu Ihrer gewohn­ten Medi­ka­ti­on zu Hau­se unter­schei­den.“

Hier legt das Gesetz für siche­re digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on und Anwen­dun­gen im Gesund­heits­we­sen (E‑He­alth-Gesetz) den kon­kre­ten Fahr­plan fest. Bis Ende des Jah­res 2020 müs­sen Kran­ken­häu­ser über einen soge­nann­ten E‑He­alth-Kon­nek­tor ver­fü­gen, der die Daten wie Not­fall­da­ten­satz, Medi­ka­ti­on­plan, Vor­er­kran­kun­gen der elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­ak­te (EPA) aus­le­sen kann. Ein Kon­nek­tor ermög­licht den Daten­aus­tausch von ver­schie­de­nen Lei­stungs­er­brin­gern im Gesund­heits­we­sen, wie zwi­schen Haus­arzt, Apo­the­ke und Kran­ken­haus. Struk­tu­rier­te Risi­ko­mi­ni­mie­rung Die Sicher­heit des Pati­en­ten sowie die Ver­mei­dung von Scha­dens­fäl­len bei der Pati­en­ten­ver­sor­gung sind das ober­ste Ziel des kli­ni­schen Risi­ko­ma­nage­ments. Im Kli­ni­kum am Stand­ort Forch­heim gibt es ins­ge­samt elf Risi­ko­be­rei­che, die jeweils von einem Risi­ko­ver­ant­wort­li­chen in Zusam­men­ar­beit mit den Mit­ar­bei­tern der Abtei­lun­gen betreut wer­den. Ziel ist es, Arbeits­ab­läu­fe inner­halb der Abtei­lun­gen und in der abtei­lungs­über­grei­fen­den Zusam­men­ar­beit zu opti­mie­ren. Zwei­mal im Jahr wer­den die Risi­ko­si­tua­tio­nen des Hau­ses über­prüft und gege­be­nen­falls Gegen­steue­rungs­maß­nah­men ein­ge­lei­tet. Das Risi­ko­ma­nage­ment-Len­kungs­team trifft sich eben­falls zwei­mal im Jahr, um über die aktu­el­le Risi­ko­si­tua­ti­on zu bera­ten und Mög­lich­kei­ten zur Ver­bes­se­rung zu dis­ku­tie­ren.